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Kolumbien: Ins Tal der Wachspalmen und in die Kaffeezone

Einst galt Kolumbien als gefährliches Land. Heute ist es eine ­angesagte Touristendestination mit lebhaften Städten und spektakulären ­Landschaften: Wüsten, Schneeberge, tropische Urwälder.
Text und Bilder: Ellen Gromann
Cartagena hat gut eine Million Einwohner und zählt zu den schönsten Kolonialstädten Südamerikas. Seit 1984 gehört sie zum Unesco-Weltkulturerbe.Cartagena hat gut eine Million Einwohner und zählt zu den schönsten Kolonialstädten Südamerikas. Seit 1984 gehört sie zum Unesco-Weltkulturerbe.
Die Kaffeezone ist der Obstgarten Kolumbiens. Kaffeesträucher wachsen neben Avocadobäumen und Bananenstauden.Die Kaffeezone ist der Obstgarten Kolumbiens. Kaffeesträucher wachsen neben Avocadobäumen und Bananenstauden.
Kaffeebohnen sind eigentlich Kirschen.Kaffeebohnen sind eigentlich Kirschen.
Kolumbiens Nationalbaum ist die Wachspalme.Kolumbiens Nationalbaum ist die Wachspalme.
Kunstvolle Graffiti spiegeln in Bogotá die politische und kulturelle Geschichte des Landes.Kunstvolle Graffiti spiegeln in Bogotá die politische und kulturelle Geschichte des Landes.
5 Bilder

Im Tal der Wachspalmen

«Bienvenido a nuestro pais», rufen uns die Männer und Frauen zu, die zwischen bunten Früchten und Gemüse auf dem traditionellen Wochenmarkt Paloquenao in Bogotá schwatzend und scherzend beieinanderstehen. Hin und wieder wird uns als Willkommensgruss eine Frucht gereicht. Früchte, die wir nie ­zuvor gesehen haben: Guanabana mit grüner, stachliger Schale und weissem Fruchtfleisch, orangefarbene Lulo, Baumtomaten und Granadilla. Eine Frucht schmeckt köstlicher und süsser als die andere.

Viele Touristen hat der südamerikanische Staat noch nicht gesehen. Die Freude über ihre Ankunft wird mit herzlichen Willkommensgrüssen bekräftigt. Die Offenheit und Freundlichkeit der Kolumbianer haben es auch dem amerikanischen Journalisten Mike angetan. So sehr, dass er vor ein paar Jahren in Bogotá «hängen geblieben» ist. Seinen Job als Journalist hat er weitgehend an den Nagel gehängt.

Heute führt der frühere Journalist Touristen auf Mountainbikes durch die quirlige Millionenstadt Bogotà.

Mit Argusaugen achtet Mike darauf, dass seine Schäfchen auf zwei Rädern sicher durch den Verkehr der Grossstadt kommen und keinem die ­Puste ausgeht. Nicht ganz einfach auf einer Höhe von 2640 Metern über Meer. Bogotá liegt auf einer Hochebene der Anden. Da heisst es, schön langsam machen.

Archäologische Schätze aus purem Gold

Wir entdecken eine Fussgängerzone mit musizierenden Strassenkünstlern, lauschige Gassen mit Kopfsteinpflaster, gesäumt von Art-déco-Häusern, in der historischen Altstadt La Calendaria und faszinierende Museen, wie das Museo del Oro, das Goldmuseum, mit rund 35000 präkolumbianischen Fundstücken aus purem Gold.

Prächtige Kirchen im Kolonialstil, kleine verträumte Wohnquartiere mit grünen Parks, heruntergekommene Wohnhäuser, das Rotlichtviertel mit zwielichtigen Gestalten, ein Markt und eine kleine Kaffeerösterei, in der das duftende kolumbianische Nationalgetränk ausgeschenkt wird, zeigen ein anders Bild von der Millionenstadt als erwartet.

Uns begegnet eine bunte, offene und doch leicht melancholische Stadt.

Kunstvolle Graffiti prägen Bogotás Strassenbild. An fast jeder Strassenecke befindet sich an einer Hauswand oder einer Mauer ein Kunstwerk. Manche schrill, manche fröhlich und andere ganz leise, nachdenklich oder kritisch. Graffiti spiegeln die politische und kulturelle Geschichte des Landes und die damit verbundenen Probleme wider.

Unter der Fuchtel von Pablo Escobar

Viele Jahre versank Kolumbien in Korruption und Kriminalität rund um Drogenboss Pablo Escobar, der 1993 von einer Elite-Einheit erschossen wurde. «El Capo» kontrollierte 80 Prozent des internationalen Kokainmarktes. Er galt als siebtreichster Mann auf Erden, der ausser Bier und Aspirin keine Drogen konsumierte. Kriegerische Auseinandersetzungen zwischen Guerillagruppen, Paramilitärs und der Regierung hielten das Land im Griff. Schiessereien und Morde waren an der Tagesordnung. Ein dunkles Kapitel, das man nun hinter sich lässt.

Der Frieden ist in Kolumbien angekommen. Zaghaft, aber spürbar.

Grundlage dafür ist ein Friedensvertrag zwischen der ehemaligen Guerilla­bewegung Farc (Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia) und der kolumbianischen Regierung, der im November 2016 unterzeichnet wurde.

Misstrauen der Bevölkerung gegenüber Farc

Unmut bereitet der Umgang mit den Mitgliedern der Farc, die jahrelang mit Morden, Entführungen, Erpressungen und Drogengeschäften Angst und Schrecken verbreiteten. Jetzt sollen sie, im Rahmen des Friedensprozesses, weitgehend straffrei ausgehen. Das passt vielen Kolumbianern nicht. Das Misstrauen der Bevölkerung in die Farc ist gross, der Frieden ist fragil. Eine weitere gesellschaftliche Herausforderung stellt die riesige Kluft zwischen Arm und Reich dar, die sich besonders in den Armenvierteln der Städte zeigt.

Die Regierung bemüht sich, die Situation mit Hilfe von Sozialprogrammen zu verbessern. Es sind kleine Schritte.

Die Bevölkerung scheint die Probleme mit Gelassenheit hinzunehmen. Viele Kolumbianer scheinen im Hier und Jetzt zu leben, ohne Zukunftsängste. Das Lächeln der Menschen ist allgegenwärtig. Aber Mike warnt uns: «Seid vorsichtig, nicht alle Stadtviertel sind sicher. Erkundigt euch, wo ihr hingehen könnt und worauf ihr achten müsst. Bogotá ist riesig! Besonders eindrücklich zeigen sich die Ausmasse der Millionenstadt mit mehr als neun Millionen Einwohnern vom Berg Montserate. Per Seilbahn geht es hinauf auf 3152 m ü. M. Am Abend breitet sich unter dem bewaldeten Berg ein schier endloses Meer an Lichtern aus.

Früchte, Kaffee und Kakao

Endlos grün ist die Kaffeezone, etwa 300 Kilometer westlich von Bogotá gelegen. Sie ist der Obstgarten Kolumbiens. 75 Fruchtsorten, Kaffee und Kakao wachsen hier. Während eine Schar Papageien kreischend über die tropische Hügellandschaft fliegt, schlüpfen wir inmitten des Grüns in die Rolle der Kaffeepflücker. «Nur die roten gehören in den Korb», weist uns Aurelio an, der Vorarbeiter der Kaffeehazienda Bosques del Saman. Schnell wird uns klar, dass es eine Ewigkeit dauern würde, bis der Korb voll ist.

Die Kaffeebohnen, die in Wahrheit Kaffeekirschen sind, sind winzig.

Bald hat Aurelio ein Einsehen. Er hilft beim Schälen der Handvoll Kaffeebohnen und röstet sie über dem Feuer. Dabei entfalten sie ihr verlockendes ­Aroma. Anschliessend mahlt er sie mit einem steinernen Mörser und giesst sie mit kochendem Wasser auf. «So hat man das früher gemacht», erklärt er. Frischer kann man Kaffee nicht geniessen! Wer Milch dazu möchte, kann auf der Bio-Hazienda unter Anleitung von Aurelio auch gleich eine Kuh melken.

Ferien auf der Hazienda

Auch wenn sich Kolumbien noch nicht lange dem Tourismus geöffnet hat, bietet der südamerikanische Andenstaat einiges. Viele Haziendas bieten «Ferien auf dem Bauernhof» an, samt geschmackvoll eingerichteten Zimmern und Pool.

30 Kilometer weiter westlich, im Valle de Cocora, dem Tal der Wachspalmen, herrscht ein völlig anderes Klima. Hier kann es recht kühl werden. Ausgangspunkt zum Valle de Cocora ist der fröhliche Ort Salento. Farbige Häuser säumen den grossen Platz vor der Kirche. In Blau, Gelb, Grün und Rot präsentieren sich auch die Willys-Jeeps, die um den Hauptplatz parkiert auf Passagiere warten. Einige sind über 50 Jahre alt. Sie dienen heute noch als öffentliches Transportmittel.

Bis zu 14 Personen haben angeblich auf so einem Willys-Jeep Platz.

Wir sind nur zu siebt und es ist eng genug. Auf dem offenen Jeep stehend, geht die Fahrt in Richtung Valle de Cocora. Je näher das Tal kommt, desto frischer wird die Luft, die uns um die Nase weht. Kaum zu glauben, dass wir uns hier in der tropischen Zone befinden. Die unterschiedlichen klimatischen Bedingungen in Kolumbien prägen die Vielfalt der Landschaften. Von Wüste über Schneeberge bis hin zu tropischen Urwäldern ist in Kolumbien alles zu finden.

Nationalbaum der Kolumbianer

Morino Torro empfängt uns am Valle de Cocora. «Ich bin der Waldschützer», stellt er sich vor. In einer Zeremonie pflanzt er mit Gästen eine Wachspalme, den Nationalbaum der Kolumbianer. «Mit dieser Pflanze bleibt ein Teil eures Herzens jetzt hier – bitte nehmt auch einen Teil unseres Herzens mit nach Hause in die Schweiz», schliesst er das Ritual. Das tun wir! Poetisch sind sie, die Kolumbianer. Und riesig sind die Wachspalmen, die weiter hinten im Tal und auf den umliegenden Hügeln bis zu 60 Meter in die Höhe ragen.

Auf dem Pferderücken oder wandernd lässt sich diese Region erkunden.

Feldwege führen über Stock und Stein, und hin und wieder muss ein kühler, plätschernder Bergbach durchquert werden. Die Pferde sind dabei entspannt, sie kennen den Weg. Begleitet werden wir vom Zwitschern der Vögel und bunten Schmetterlingen.

Cartagena - Stadt voller Musik und Magie

Heiss geht es 1000 Kilometer weiter nördlich in der Karibikstadt Cartagena zu – dies nicht nur wegen der allgegenwärtigen feurigen Salsa-Rhythmen. Clubs und Tanzschulen laden ein, dem Rhythmus des karibischen Lebensgefühls zu folgen. Cartagena ist voller Musik und Magie. Prachtvolle Kolonialbauten, teilweise liebevoll restauriert, teilweise mit marodem Charme, säumen die gepflasterten Gassen der Altstadt. Die Huftritte der Pferde, welche die Kutschen ziehen, schlagen im Rhythmus der Salsaklänge, die aus den umliegenden Häusern dringen. Die Hitze fängt sich zwischen den Häusern.

Ur-Urenkelinnen der afrikanischen Sklaven erinnern daran, dass sich hier einst ein Umschlagplatz des Sklavenhandels befand. Stolz tragen sie mit Früchten gefüllte Schalen durch die Gassen. Ihre Kleider sind bunt und wallend. Cartagena ist Salsa, Exotik und Farbenpracht. Eine Vielfalt, die man in vielen Ausprägungen im ganzen Land antrifft. Bunte Dörfer, lebhafte Städte, herzliche Menschen, eine Natur, die alle paar ­Kilometer ihr Bild vollständig wechselt, all das ist Kolumbien.

Mit gesunder Vorsicht reisen

Anreise: Lufthansa fliegt täglich von Frankfurt nach Bogotá, mit Zubringer­flügen ab Zürich, Genf und Basel.
Reisen im Land: Zahlreiche Anbieter bieten geführte, individuelle Rundreisen mit Fahrer an. Für längere Strecken: Inlandflüge mit der modernen kolumbianischen Airline Avianca.
Für ganz Abenteuerlustige: Das öffentliche Busnetz in Kolumbien ist gut ausgebaut und eine sehr günstige Möglichkeit, Land und Leute kennen zu lernen.
Sicherheit: Wie in allen südamerikanischen Ländern, gilt es auch in Kolumbien, eine gesunde Vorsicht walten zu lassen und sich vorab über örtliche Besonderheiten zu informieren. Kolumbien gilt im Vergleich zu anderen südamerikanischen Staaten als eher sicheres Reiseland.

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