Geniessen
Im Sommer sind sie besonders begehrt: Ein Hohelied auf die Melone

Melonen sind das ideale Lebensmittel für heisse Tage – und gesund noch dazu. Das vielleicht süsseste Gemüse ist aber auch ein guter Begleiter zu würzigen Gerichten.

Silvia Schaub
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Gut, leben wir nicht zu Zeiten Homers in Griechenland oder noch früher unter der Ära des Pharaos Cheops in Ägypten. Dann wäre uns hier die Melone keine Zeile wert. Vor ein paar Jahrtausenden gab es die zu den Kürbisgewächsen gehörenden Pflanzen (somit sind sie auch kein Obst, sondern Fruchtgemüse) zwar schon, sie galten aber eher als ungeniessbar. Weil ihnen jegliche Süsse fehlte, wurden sie stattdessen mit Salz und Essig genossen.

Erst durch Züchtungen wurde sie im Laufe der Jahrhunderte immer süsser. Kaum vorstellbar, wenn man heute in ein saftiges Stück Melone beisst, gilt sie doch heute als Sommerfrucht par excellence. Schliesslich brauchen Melonen die Wärme fürs Wachstum – und warm muss es auch sein, damit sie sich verkaufen. Kein Wunder, finden die kalorienarmen Durstlöscher mit einem hohem Vitamin-B- und Eisengehalt derzeit reissenden Absatz.

Schweizer Melonen

Zum Grossteil werden sie importiert. 2012 waren es rund 48 000 Tonnen, fast doppelt so viel wie noch vor 20 Jahren. Der Inlandanteil liegt bei rund zehn Tonnen. Verschiedene Bauernbetriebe haben sich in der Zwischenzeit auf die Kürbisgewächse spezialisiert. So zum Beispiel die Familie Ritzmann aus dem zürcherischen Flaach. Im Flaachtal werden gelbfleischige Zuckermelonen (Charentais) angebaut.

Im März im Treibhaus angesät, werden sie Anfang Mai ins Freie gesetzt. Die Melonenpflanzen lieben sandigen, durchlässigen Boden. Mit dem richtigen Wetter – Sonne, Wärme, aber auch Regen – gedeihen die Pflanzen prächtig. Durch das nasse und kalte Wetter in diesem Frühjahr begann die Ernte erst Anfang August.

Auch Landwirt Kurt Heimberg aus Göslikon AG setzt auf die süssen Kugeln. Noch dazu mit einer speziellen Mini-Wassermelone, die kernlos, dafür aber intensiv schmeckend ist. Die «Swiss Melody» bringt maximal zwei Kilo auf die Waage und ist damit ideal für den Kleinhaushalt. Vor drei Jahren stieg er zusammen mit vier anderen Landwirten in die Wassermelonen-Produktion ein. Heute sind es noch zwei Produzenten, die die Baby-Melone anbauen. Rund 80 000 Stück wolle er in dieser Saison absetzen.

Mit dem Gewicht kommt die Reife

Es gibt Hunderte von Melonensorten, die sich in zwei Hauptgruppen unterteilen lassen: in Zuckermelonen, die ihre Kerne gebündelt in einer zentralen Höhle tragen, und Wassermelonen, die ihre Kerne über das ganze Fruchtfleisch verteilt haben. Die bekanntesten hierzulande erhältlichen Melonen sind: Honigmelonen, Galiamelonen, Charentais und Wassermelonen.

«Kaufen sollte man diejenige Melone, welche im Verhältnis zu ihrer Grösse am schwersten ist, denn eine solche ist am reifsten», rät Kulinarikexperte Patrick Zbinden in seinem Buch «928 clevere Küchentipps». Was hat es denn mit dem Druck- oder Schnuppertest als Reifeüberprüfung an sich? Der Drucktest sei nur bei dünnschaligen Melonen wie etwa einer Galia-Melone eine verlässliche Methode, sagt der Fachmann. Das Schnuppern nützt bei der Honigmelone wenig, «weil sie auch im reifen Stadium nach nichts riechen». Verlässlicher ist da schon eher das Schnuppern an der gegenüberliegenden Seite des Stielansatzes, also beim Blütenansatz. Ein allgemeiner Indikator ist aber auch der Stielansatz. Ist dieser schrumpelig oder leicht aufgerissen, ist die Melone reif.

Melonen werden übrigens durch das Nachreifen zwar saftiger, aromatischer und weicher, aber in der Regel nicht süsser. Sie gehören zur Aufbewahrung nicht in den Kühlschrank, «denn dort verlieren sie Aroma und Farbe», weiss Zbinden. Manche Sorten werden sogar bitter.

Mehr als nur mit Rohschinken

Gastronomisch lässt sich mit Melonen weit mehr anstellen als die übliche Kombination mit Rohschinken. Annemarie Wildeisen etwa bereitet aus orangefleischigen Melonen ein Fenchel-Melonen-Carpaccio her. In «Meine leichte Küche» empfiehlt Kochbuchautorin Douce Steiner eine geeiste Melonensuppe mit gebackener Crevettenkugel (siehe Rezept). René Schudel mixt einen Energie-Drink aus Honigmelone, Gurke, Banane, Limette und Ingwer.

Bei Rolf Caviezel darf es auch mal die Kombination von Wassermelone mit Kalbsfiletmedaillon sein und Sterne-Köchin Tanja Grandits stellt in ihrem Buch «Gewürze» ein Melonen-Paprika-Gazpacho mit Zimtblüten-Croûtons und Chili vor. Wenn da nicht das Wasser im Mund zusammenläuft!

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