Im Osten viel Neues

Reiseabenteuer Zweihundert Jahre vor Kolumbus brach Marco Polo Richtung China auf. Später berichtete er fesselnd aus dem Reich der Mongolen.

Bettina Kugler
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«Ich habe nicht einmal die Hälfte von dem erzählt, was ich erlebt habe», beteuerte er noch auf dem Sterbebett. Ein halbes Menschenleben war Marco Polo unterwegs, quer durch Wüsten, über hohe Gebirge und stürmische Meere. Reisen bedeutete damals: viel Zeit aufwenden. Ohne Komfort und unter ständiger Lebensgefahr über den eigenen Tellerrand sehen. Dafür hatten Reisende am Ende Staunenswertes zu berichten.

Bücher wie Marco Polos «Die Wunder der Welt» wurden an festlichen Tafeln und am Kaminfeuer vorgelesen. So kamen auch Lehnstuhlabenteurer auf ihre Kosten.

Im Jahr 1271, mit siebzehn, bricht Marco Polo auf, reitet mit seinem Vater und dessen Bruder in Richtung Osten. Allein sechzehn Jahre verbringt er am Hof des Mongolenherrschers Kublai Khan im fernen China – seinerzeit dem mächtigsten Mann auf Erden.

Vieles aus dem spannenden Reisebericht, den Marco Polo elf Monate lang seinem Mithäftling Rustichello da Pisa im Kerker von Genua in die Feder diktiert, klingt für damalige europäische Ohren geradezu unglaublich: Sitten und Bräuche, exotische Speisen, Pflanzen, Tiere, prachtvolle Bauten, fremde Religionen, ungewohnte Verhaltensweisen. Stets scheinen die Menschen zu lächeln. In manchen Regionen essen die Menschen rohes Hühner- und Büffelfleisch. In anderen Gegenden bedecken Männer ihre Zähne mit einer Schicht Gold.

Anderes wiederum fehlt tatsächlich in Marco Polos «Beschreibung der Welt». Mit keiner Silbe erwähnt er die Chinesische Mauer, die kunstvollen Schriftzeichen, die Gewohnheit der Asiaten, mit Stäbchen zu essen – lauter Dinge, die uns auch heute sofort in den Sinn kommen, wenn von China die Rede ist. Deshalb gibt es noch immer Forscher, die bezweifeln, dass Marco Polo selbst so weit nach Osten vorgedrungen ist.

Doch schon die Hälfte seiner Erlebnisse, packend nacherzählt in einem reichillustrierten Buch, genügt, um an trostlosen Hudeltagen auf Abenteuerreise zu gehen. Am besten als Lesekarawane.

Anke Dörrzapf, Claudia Lieb: Die wunderbaren Reisen des Marco Polo. Ab 10 und für die ganze Familie. Gerstenberg, Fr. 39.90

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