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Im Laufschritt über die Berge

Die Portes du Soleil sind im Winter ein Paradies für Skifahrer, im Sommer haben sie sich zum Mekka für Läufer und Biker entwickelt. Wir machten uns auf ins Unterwallis und joggten auch schnell nach Frankreich rüber.
Susanne Holz
Rennen in den Bergen ist schön, aber speziell: Anfängern sei geraten, sich erst mal an die Höhe zu gewöhnen, sonst geht einem schnell die Puste aus. (Bild: Marc Daviet)
Die Portes du Soleil sind mit 600 km an Bikerpisten der grösste Mountainbike-Park Europas. (Bild: Sylvain Cochard)
Fit mit Karte: Das Feriengebiet wartet mit Trails für Läufer und Biker auf – und mit den nötigen Infos. (Bild: Marc Daviet)
3 Bilder

Im Laufschritt über die Berge

Auf was habe ich mich da nur eingelassen – als Hobby- und Spassläuferin ohne grössere Ambitionen, dafür aber ausgestattet mit einer nicht unbeträchtlichen Höhenangst, probiere ich die neu eröffneten Running-Trails der Region Portes du Soleil im unteren Wallis aus. Die schweizerisch-französische Ferienregion ist im Winter eines der grössten zusammenhängenden Skigebiete der Welt und im Sommer ein Paradies für Wanderer und Naturliebhaber. Mountainbiker, Bergläufer und Skifahrer finden Hunderte von Pistenkilometern und Wanderwegen vor. Der Name der Region Portes du Soleil leitet sich vom gleichnamigen Pass auf der schweizerischen Seite ab.

Übernachtet habe ich auf Schweizer Boden, im lauschigen Bergdorf Champéry (1050 m. ü. M.). 90 Minuten von Genf entfernt, wurde in Champéry 1857 das erste Hotel gebaut. Aus dem armen Bergtal waren in früheren Zeiten ganze Familien nach Argentinien und Algerien ausgewandert. Heute besitzt Champéry 100 Kilometer an Pisten und bildet mit Champoussin, Les Crosets, Morgins, Troistorrents und Val-d’Illiez den schweizerischen Teil des grenzübergreifenden Feriengebiets. Die Portes du Soleil im Gesamten: Das sind 800 Kilometer markierte Wanderwege und 600 Kilometer an Mountainbike-Strecken.

Ein Greenhorn in Sachen Berglauf

Um neun Uhr in der Früh treffe ich mich mit meiner Bergführerin an der Talstation der Luftseilbahn Champéry–Croix de Culet. Christine Gex-Fabry kommt wie ich ursprünglich aus dem Allgäu, hat fünf Kinder, eine Alp, einen Bauernhof und ist verheiratet mit Alexis Gex-Fabry, Landwirt und bekannter Schweizer Bergläufer. Der 45-Jährige wurde 2000 Dritter bei der Berglauf-WM in Bergen (Deutschland) und 2002 Europameister im Berglauf auf Madeira. Christine selbst stand immer mal wieder auf dem Podium bei regionalen Walliser Bergläufen und auch bei Strassenrennen: 2010 war sie Walliser Meisterin über 10 Kilometer Strasse und gewann den 10. Platz bei der Schweizer Meisterschaft im Cross-Country.

Bei der erfahrenen Christine, die sogar während ihrer Schwangerschaften die Berge hoch- und runterrannte, fühlt man sich in sicheren Händen – vor allem, weil man alsbald merkt, was für ein Greenhorn man in Sachen Berglauf ist. Gedacht hat man eigentlich nur an Sonnencrème und Sonnenhut. Ansonsten trabt man in kurzen Hosen, einfachen Laufschuhen und ohne ein Getränk oder einen Snack bei der Talstation an. Man steigt in eine Gondel. Oben beim Croix de Culet angekommen, gäbe es ein Restaurant mit Panoramaterrasse und bester Sicht auf die gezackte Bergkette Dents du Midi. Doch wir sind hier, um Trail-Running zu machen:

Los geht’s! Wir rennen bergab bis Les Crosets – bergab ist immer gut.

Schnell stelle ich fest, dass meine Laufschuhe vielleicht nicht ganz ideal sind, um über die vielen Steine der Bergwelt zu joggen. Christine klärt mich auf, dass es hierfür extra Trailschuhe gibt – sie selbst rennt allerdings auch in herkömmlichen Laufschuhen.

Eine Gämse braucht keinen Sessellift

Die grösste Herausforderung des Tages wartet in Les Crosets beim Sessellift nach Les Mossettes auf mich. Lange nicht mehr in den Bergen gewesen, ist mir nur verschwommen in Erinnerung, etwas Höhenangst zu haben. Als ich mit Christine in den Lift steigen soll, wird mir in Sekundenschnelle klar, dass ich in der Tat an Höhenangst leide – und nicht nur ein bisschen. Irgendwie überstehe ich die Fahrt. Am Ziel angekommen, sage ich klopfenden Herzens zu Christine, in keinen weiteren Sessellift zu steigen – lieber würde ich mich für den Rest meiner Tage in eine Gämse verwandeln.

Die sportliche Christine willigt ein, das restliche Programm zu Fuss zu absolvieren. Was nicht ganz dem Plan entspricht, weil wir eigentlich das typische Trail-Running ausprobieren wollten – will heissen: Rennen in der Höhe und die grössten Steigungen mit dem Sessellift überwinden. Seit Juni sind in dieser Region alle Trails ausgeschildert. 54 Strecken mit unterschiedlichen Schwierigkeitsniveaus, 400 Kilometer an Trails, 23 Liftanlagen plus: eine App zum Runterladen namens «Trail Running».

Über die grüne Grenze nach Frankreich

Für Christine und mich geht es jetzt erst mal wieder abwärts: Auf dem Pass Cuboré joggen wir rüber nach Frankreich, über die grüne Grenze – ein tolles Gefühl. Christine erzählt, ihr Schweizer Schwiegervater sei einst über die Berge nach Frankreich gewandert, zum Tanzen, dort habe er dann seine Frau, eine Französin, kennen gelernt. Eine schöne Vorstellung. Die mich ein Stück weit aufwärts trägt, über den Bergpass Col de Chésery – zurück nach Les Mossettes. Doch den Berg hoch ist mit Rennen bei mir nicht viel drin. Schon im Schritt- tempo schnaufe ich wie ein Walross. Christine beruhigt mich: Das sei auch der ungewohnten Höhe geschuldet.

Auf dem Weg zum Gipfel kreuzen wir die wunderschöne Hochebene von Chésery, oberhalb von Montriond (F) sowie Morgins (CH), und kommen am Lac Vert (1985 m. ü. M.) vorbei. Die Hochebene erinnert mit ihrem roten Rhododendron an die rau-schöne Landschaft an der Nordsee. Neben dem Lac Vert befindet sich die Berghütte Refuge de Chésery, ein umgebauter Stall aus dem 19. Jahrhundert. Hier werden Produkte aus der Region angeboten, und man hat die Möglichkeit, ein Fischerpatent zu erwerben, um im See nach Regenbogenforellen zu fischen. Wanderer müssen hierfür aber ihre eigene Fischerrute mitbringen.

Meine Bergführerin und ich lassen das Forellenfischen aus und stärken uns lieber im Cookie Café auf Les Mossettes. Im Winter tanzt hier der Bär beziehungsweise kehren die Skifahrer ein. Im Sommer ist es etwas ruhiger.

Wiesen mit Orchideen und Enzian

Mit neuer Energie machen wir uns an den Abstieg. Quer über Wiesen mit Arnika, Orchideen, Enzian, Frauenmantel, Johanniskraut, Anemonen, Ranunkel, Rhododendron – eine Bergblumenpracht. Wir queren die Gebiete Grand Conche und Pauvre Conche. Bei Les Pas, der Alp der Familie Gex-Fabry, halten wir kurz, und ich freue mich, Bekanntschaft zu schliessen mit Christines 83-jährigem Schwiegervater. Bernard Gex-Fabry kümmert sich mit Sohn und Schwiegertochter immer noch um die Kühe und Schafe der Familie: um 55 Milchkühe plus Jungvieh sowie um 15 Walliser Schwarznasschafe.

Am Rand eines Hochmoors geht es weiter bergab – über Weiden und durch lichten Wald. Plötzlich treffen wir auf Alexis Gex-Fabry, der dabei ist, im Chalet der Familie eine Käserei zu bauen – die Gex-Fabrys sind Teil einer Genossenschaft namens Promovi, die so gut wie die Gesamtheit der Alpkäsereien im Val d’Illiez umfasst.

Wichtig ist Abwechslung, mal flach, mal hügelig, mal steil

Nach diesem Stopp ist Endspurt angesagt – zurück nach Champéry. Christine lehrt mich, richtig bergab zu rennen: in die Knie gehen wie ein Skifahrer, den Oberkörper leicht nach vorne, Arme ausgleichend nach hinten, und immer schön mit den Fussspitzen aufkommen. Das schont die Kniegelenke. Ich frage Christine, wie sie und ihr Mann für den Berglauf trainieren. Die 45-Jährige erklärt: «Wichtig ist Abwechslung. Einmal 40 Minuten, einmal zwei bis drei Stunden. Mal flach, mal hügelig, mal steil. Immer wieder einen Tag pausieren. Schwimmen ist ein guter Ergänzungssport.»

Und wie steigen Anfänger am besten in die Materie ein? Christine Gex-Fabry: «Locker beginnen. Bergauf mit sehr kleinen Schritten joggen oder gehen. Bergab erst mal nicht zu schnell laufen. Ist man ausser Atem, kurz anhalten, durchatmen und Tempo drosseln.» Allen Trail-Runnern, die besser als ich vorbereitet sein wollen und sollen, rät die Expertin:

«Bei Einheiten über zwei, drei Stunden unbedingt einen kleinen Rucksack mitnehmen. Dieser sollte Wasser, einen Snack, T-Shirt, Socken zum Wechseln sowie Wind- und Regenjacke enthalten. Ebenso eine Kopfbedeckung wegen der stärkeren Sonneneinstrahlung.»

Nach sieben Stunden, rund 15 zurückgelegten Kilometern, 700 Meter in die Höhe und 1500 Meter bergab, sind wir um 16 Uhr zurück in Champéry. Ich bin erledigt. Soll ich mich sogleich mit einer der hiesigen Köstlichkeiten belohnen? Als da wären die Assiette Valaisanne – der Walliser Teller mit luftgetrocknetem Fleisch, Käse und Brot, oder die Croute au Fromage, das überbackene Käsebrot, oder die Salée de la Vallée – ein Zimtstreuselkuchen, von dem nicht nur Walliser Naschkatzen begeistert sind.

Nein, erst einmal geht es nach Val d’Illiez ins Thermalbad, in den Thermes Parc. Warmes Thermalwasser kombiniert mit abendlichem Sonnenschein, Sauna und Dampfbad sind jetzt genau das Richtige für die beanspruchten Knochen. Und um am nächsten Morgen wieder fit zu sein, denn da steht noch eine Tour mit dem E-Mountain-Bike an.

Das E-Mountain-Bike erinnert an ein junges Pferd

Wir leihen die Bikes in Morgins aus, wo die Landschaft wieder ganz anders aussieht wie in Champéry: weniger Berge, dafür mehr Wald. Zunächst entlang dem Fluss La Vièze, geht es in der Folge bergauf zur Berghütte La Tovassière. Für jemanden wie mich, der noch nie auf einem E-Bike gesessen ist, und schon gar nicht auf einem E-Mountain-Bike, ist das ein absolut faszinierendes Erlebnis. Man hat den Eindruck, auf einem jungen Pferd zu sitzen, das immer wieder nach vorne zieht, und das einen den Berg hochträgt. Kein unangenehmes Gefühl, nach den Anstrengungen des Tages zuvor, als man sich vor allem auf die eigenen Füsse verliess – und sich ein kleines bisschen wie eine Gämse fühlte.

Für die Trail-Runner ist hier neu alles ausgeschildert

Die Portes du Soleil sind im Sommer das grösste zusammenhängende Mountain-Bike-Gebiet der Welt, mit 12 Destinationen in der Schweiz und in Frankreich. Die einzelnen Orte sind verbunden durch 23 Liftanlagen und einen Pass. Es gibt 30 Down-Hill-Strecken mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden und Höhendifferenzen. Neu und einzigartig ist das Konzept des Trail Runnings: 54 Strecken mit unterschiedlichen Schwierigkeitsniveaus sind seit diesem Sommer ausgeschildert. Praktisch ist der Multi Pass: Noch bis zum 9. September gibt es mit ihm im Gebiet der Portes du Soleil einen gratis Zugang zu 22 Bergbahnen und zu zahlreichen Aktivitäten.
E-Bikes kann man mieten, beispielsweise in Champoussin im Restaurant le Caveau, in Champéry im Bike-Shop oder in Morgins beim RS Equipment (70 Franken ganzer Tag, 40 Franken halber Tag).
Thermes Parc: Thermalbad in Val d’Illiez. Das Wasser ist reich an Schwefel, Kalzium und Magnesium.

Tourismus Portes du Soleil hat zu dieser Pressereise eingeladen.

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