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Im Galopp fein für den Ball gemacht

Die Wiener Philharmoniker richten den nobelsten Ball der ­Wiener Society aus. Unsere Autorin hat im Goldenen Saal ein paar Tanzmuffel getroffen und trotzdem eine ­ rauschende Ballnacht erlebt.
Ingrid Schindler, Wien
Styling für den Ball. In der Fürstensuite des «Imperial» logieren sonst Könige und Weltstars. (Bild: Bild:)
Thomas Schäfer-Elmayer lässt sich das Mascherl richten. (Bild: Rainer Fehringer)
Goldener Saal des Musikvereins: Für einmal im Jahr «Alles Walzer». (Bild: Rainer Fehringer)
3 Bilder

Im Galopp fein für den Ball gemacht

Es ist immer dasselbe: Frauen wollen, Männer nicht. Schon als Kind war für mich Walzertanzen das Höchste. Wiener Walzer, der schönste Tanz der Welt, der sofort beste Laune macht. Teufelstanz, schimpften die Pfaffen, als er vor 200 Jahren durch den Wiener Kongress in Mode kam, lustvoll, ekstatisch, schwindelerregend schnell. Eins, zwei, drei, eins, zwei, drei, rechtsherum, linksherum, zuerst brachte mir mein Vater die Schritte bei. Dann Ballettstudio, Tanzschule und ein Tanzmuffel als Mann. Der Traum von rauschenden Ballnächten ist Traum geblieben.

Aber damit bin ich nicht allein. Es steht sogar schwarz auf weiss im neuen Grossen Elmayer, dem österreichischen Knigge:

«Es ist ein beklagenswertes Phänomen, doch die Spezies des leidenschaftlichen Tänzers ist vom Aussterben bedroht. Der Solo-Herr ist leider in der Minderzahl, dabei wäre er doch das Um und Auf eines erfolgreichen Balles.»

Und dann schneit mir eine Presseeinladung zum Philharmonikerball herein. Walzer-Crashkurs, Kostümleihe und Styling inklusive. Aber woher einen Partner nehmen? Österreich-­Werbung winkt ab: Keine Sorge, unter den Kollegen aus aller Welt wären sicher gute Tänzer dabei, ausserdem seien ­Elmayers Eintänzer vor Ort.

Gutes Benehmen gefragt

Um den Namen Elmayer kommt man in Wien in puncto Ball und Benimm nicht herum. Vor 99 Jahren hat Rittmeister Willy Elmayer von Vestenbrugg die ­berühmte Tanzschule bei der Hofburg gegründet und zum führenden Institut gemacht. Seit 1987 leitet sein Enkel ­Thomas Schäfer-Elmayer, 73, Diplomkaufmann und HSG-Absolvent, die Tanz- und Manieren-Schule und eröffnet mit seinen Jungdamen- und Jungherrenkomitees die Traditionsbälle der Stadt. Die Kurse sind nach wie vor überaus gefragt. Inzwischen machen sich auch Japaner und Chinesen bei Elmayer in europäischem Savoir vivre fit.

Der Wiener Walzer ist ein Exportschlager

In der fünften Jahreszeit feiern die Wiener nicht eigentlich Fasching, sondern Ball. «Auch eine Art höfischer Maskerade», sagt Pressemanagerin Isabella Rauber von Wien-Tourismus. Jeder Berufsstand hat seinen eigenen Tanzevent. Mit rund 450 Bällen und über einer halben Million Besuchern im Jahr bildet das Wiener Tanzbusiness einen florierenden Geschäftszweig, Networking- und Handelsplatz. Wiener Walzer ist Exportschlager und Tourismusmagnet, die ­Statue von Walzerkönig Johann Strauss Sohn das meistfotografierte Monument der Stadt.

Tickets sind teuer und rar

Die glamourösen Bälle in der Hofburg, Oper und den Fürstenpalais werden in über 30 Ländern der Welt kopiert. «Aber nichts kommt an die Originale heran», findet Rauber. Das liege nicht nur am Prunk und romantischen Flair der Stadt, sondern an der speziellen Wiener DNA, ist die Touristikerin überzeugt. Der Herzensball der Wiener ist der Philharmonikerball im Goldenen Saal des Musikvereins, «ein Künstlerball und noch exklusiver als der Opernball».

Die Wiener lieben ihre Philharmoniker, deren Neujahrskonzert 50 Millionen Zuschauer aus 92 Ländern verfolgen. Die Tickets sind so teuer, dass im Vergleich dazu der Ball mit 180 Euro für die Stehkarte direkt ein Schnäppchen ist. Die teuerste Loge (acht Plätze) ist für 14 000 Euro zu haben. Die 3600 Karten waren innert einer Stunde ausverkauft. Wer wer ist in Wien, ist dabei.

Disco in den Katakomben

Der Tubaspieler des Orchesters, Paul Halwax, ist Organisator und Chef des Balls. Für einmal trifft man ihn und andere Philharmoniker nebst Dirigenten, Operndiven und Ballerinas auf der Tanzfläche, sobald Tanzmeister ­Elmayer nach der Eröffnung «Alles Walzer» verkündet. Bigbands übernehmen bis morgens um fünf das Repertoire. Zusätzlich werden im Foyer, den Musikergarderoben, Räumen von Bösendorfer und den Katakomben des Musikvereins Volksmusik, Disco und Kostbarkeiten zwischen Klassik und Jazz geboten.

Wenn die «Gspritz'n» tanzen

Wenn «die Gspritz’n» tanzen, wie die Wiener sagen, muss es edel sein. Wie beim Opernball sind bodenlanges Ballkleid für die Dame und Frack mit Fliege für den Herrn vorgeschrieben. Viele Wiener besorgen sich Frack und Ballkleid im Kostümverleih. «Wer hat schon einen Frack im Schrank?», sagt Monika Mikula bei der Kleiderprobe bei Flossmann, «und keine Dame trägt zweimal dasselbe Kleid».

Rund 400 Roben hängen dort in allen Farben und Formen bis Grösse 50 an der Stange. Trotzdem bleibt am Schluss keine Riesenwahl. «Viele kommen schon im Oktober. Bis zum Ball bleibt das Kleid jeweils für die Kundin reserviert, da es für sie abgeändert wird», erfahren wir von der Schneiderin. 300 Euro kostet die Leihgebühr, 100 Euro kommen für die Reinigung und Versicherung dazu.

«Manchmal kommen die Stücke zerfetzt zurück und landen auf dem Müll.»

In der Tanzschule Elmayer bekommen wir am Balltag eine Schnellbleiche in Sachen Walzer und Quadrille. Wir drehen uns auf Thomas Schäfer-Elmayers Kommando solo im Kreis. Soweit man auf Gummisohlen drehen kann. Den Bloggern aus Peking, São Paolo und New York gelingt der Kampf um den Dreivierteltakt in Sneakers mässig, nur der Mailänder Kollege schwingt elegant auf ­Ledersohlen durch den Saal.

Der junge Schnösel schiebt die Dame wie eine Mumie übers Parkett

In der Ballnacht ist das Gelernte bei unseren Herren rasch vergessen. Die Journalistenkollegen geben uns Damen lieber die Smartphones in die Hand und lassen sich für ihre Follower filmen. Die Taxitänzer sind beim Walzer hoffnungslos ausgebucht, die Tanzfläche ist voll. Nur beim Foxtrott schiebt mich ein junger Schnösel wie eine Mumie übers Parkett. Trotzdem werde ich vom Ballvirus infiziert. Soviel Walzer wie der Brasilianer, New Yorker und Chinese, und erst das Chaos bei der Mitternachtsquadrille, das kann auch nächstes Mal mein Mann.

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