Im Blut zeigt sich, wer Antikörper hat – doch sind diese Menschen auch immun?

Dass die Neuinfektionen in der Schweiz auf sehr tiefem Niveau verharren, ist sehr erfreulich. Für die Verhinderung einer zweiten Welle ist aber auch von Bedeutung, wo und bei wem Ansteckungen noch vorkommen.

Bruno Knellwolf
Drucken
Teilen

Normalität gibt es erst, wenn Infektionen nur noch in bestimmten Bevölkerungsgruppen stattfinden. Ansteckungsherde können dann leichter ausfindig gemacht werden und Infizierte in Isolation gesetzt werden, um weitere Infektionen zu verhindern. Dabei helfen auch Antikörpertests. Biologisch sagt ein solcher Test aus, dass ein Mensch Antikörper gegen das neuartige Coronavirus im Blut hat.

Als Grund kommt dafür nur in Frage, dass diese Person mit Sars-CoV-2 infiziert war, weil es noch keine Impfung dagegen gibt, welche gewollt Antikörper hätte bilden können. Der Test weist also Immunstoffe im Blut nach, die das körpereigene Abwehrsystem als Reaktion auf eine Infektion bildet.

Medizinischem Personal wird eine Blutprobe für einen Antikörpertest entnommen. Symbolbild.

Medizinischem Personal wird eine Blutprobe für einen Antikörpertest entnommen. Symbolbild.

Keystone

Solche Antikörper sind potenziell in der Lage, den Erreger im späteren Leben nicht nur wiederzuerkennen, sondern auch zu neutralisieren. Neue Antikörpertests mit grosser Sicherheit Der neu zugelassene Antikörpertest von Roche gilt mit anderen als einer der sichersten.

Bei diesem wird nicht mehr nur mit einem Fingerpiks etwas Blut abgenommen wie bei den zuerst verwendeten Schnelltests, sondern an der Vene grosszügig Blut abgezapft. Die Sicherheit der Schnelltests war nicht gross, sie zeigten oft auch Antikörper gegen andere harmlose Coronaviren. Mit den neuen Tests wird nun mit grosser Sicherheit nachgewiesen, ob jemand Antikörper gegen Sars-CoV-2 im Blut hat.

Allerdings weiss man bis heute nicht, ob diese Antikörper das Coronavirus so binden, dass es nicht mehr in die Zelle gelangen kann.

Dafür gibt es aber eine hohe Wahrscheinlichkeit, weil gewisse Antikörper genau auf die Spikes des Coronavirus passen. Und diese Spikes sind jene Teile des Virus, die es möglich machen, dass der Antikörper die Zelle knackt. So kann man davon ausgehen, dass die Person mit spezifischen Antikörpern gegen Covid-19 eine Immunität gegen das Virus entwickelt hat.

Ob dies wirklich in allen Fällen so ist, ist allerdings nicht abschliessend geklärt. Entscheidend für den weiteren Verlauf der Coronakrise ist aber die Frage, ob bereits Infizierte keine zweite Infektion bekommen können und auch keine anderen Personen mehr infizieren.

Noch gibt es keine Tests, welche die neutralisierenden Antikörper im Blut nachweisen können, die das Virus komplett zerstören, wie der Epidemiologe Milo Puhan im Magazin der Universität Zürich erklärt. Der Epidemiologie-Professor führt seit Mai bis in den Oktober eine schweizweite Antikörperteststudie durch, um zu zeigen, in welcher Bevölkerungsgruppe Antikörper gebildet werden.

Gemäss Puhan wird man erst im September aufgrund der Studien feststellen können, wie sich die Lockerungen auf die Verbreitung des Virus auswirken. Die aktuelle Durchseuchung der Bevölkerung, die über Antikörpertests bestimmt wird, wird zeigen, wie der Impfbedarf in der Bevölkerung ist, wenn im nächsten Jahr eine Impfung zur Verfügung stehen sollte.

Mehr zum Thema