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Idda, die «gestürzte» Adlige

Ein Mordanschlag aus Eifersucht, eine göttliche Errettung und ein asketisches Leben in der Einsamkeit: Idda von Toggenburg ist eine legendäre Regionalheilige mit Ausstrahlung bis in die Zentralschweiz.
Andreas Faessler
Die hl. Idda von Toggenburg in Begleitung eines Hirsches mit Flammengeweih, eines Raben und eines Engels auf dem Weg zum Kloster Fischingen. Chorgemälde in der Wallfahrtskirche St. Iddaburg. (Bild: Andreas Faessler (Kirchberg, 29. August 2018))

Die hl. Idda von Toggenburg in Begleitung eines Hirsches mit Flammengeweih, eines Raben und eines Engels auf dem Weg zum Kloster Fischingen. Chorgemälde in der Wallfahrtskirche St. Iddaburg. (Bild: Andreas Faessler (Kirchberg, 29. August 2018))

Sie war reich und schön, lebte an der Seite eines angesehenen Mannes wohlbehütet auf einem Schloss – sie hatte an sich alles, was eine Frau des Mittelalters sich für ihr Dasein hätte wünschen können. Doch ein unseliger Zufall und ein kaltblütiger Tötungsversuch änderte ihr Leben auf einen Schlag, und sie floh sich in ein asketisches Dasein nur für Gott allein. Idda von Toggenburg gehört zu den populärsten Schweizer Regionalheiligen, obschon auch ihre Verehrung weitestgehend auf Legendenbildung basiert. Am 3. November feiert die katholische Kirche Iddas Gedenktag.

Erst knapp 200 Jahre nachdem Idda gelebt haben soll, ist eine Niederschrift zu ihrer Vita nachweisbar. Diese bleibt allerdings mehr als lückenhaft, weshalb die heute verehrte Idda mehr Sagengestalt bleibt, als dass sie auf eine wirkliche Person zurückgeht. Idda soll um 1140 als Tochter eines Adligen in Kirchberg bei Ulm, oder aber je nach Quelle im heute sankt-gallischen Kirchberg, geboren worden sein und als junge Frau einen Grafen aus dem Geschlecht der von Toggenburg geheiratet haben, den man später als Heinrich von Toggenburg definierte. Idda und Heinrich lebten im gräflichen Schloss auf einer prominenten Anhöhe südlich von Fischingen.

Schrecklicher Racheakt

Eines Tages, so die Legende, hat ein Rabe Iddas goldenen Ehering geklaut, welcher wenig später von einem erstaunten Jäger in dessen Nest gefunden worden ist. Der Jäger steckte sich den auffälligen Ring an den Finger. Unglücklicherweise erkannte der eifersüchtige Graf Heinrich bald den Ehering seiner Frau an des Jägers Hand und bezichtigte sie des Ehebruchs. Aus Rache liess er den Jäger umbringen und warf Idda vom Turm der Burg in den felsigen Abgrund. Doch durch göttliche Fügung überlebte sie den Sturz in die Schlucht und zog sich als Einsiedlerin in eine Höhle im nahen Wald zurück, um fortan ein asketisch-demütiges Leben für Gott allein zu führen. Als ihr Mann Jahre später von Iddas wundersamer Rettung erfuhr, suchte er sie auf, bat sie um Verzeihung und liess für sie unweit des Klosters Fischingen eine Klause einrichten.

Grab wird zur Pilgerstätte

Idda sorgte für die Armen, wo sie konnte, unterrichtete Kinder und spendete Ratsuchenden Trost. Die Leute erzählten sich, dass Idda stets begleitet von einem Hirsch mit zwölf Lichtern am Geweih nächtens das Kloster Fischingen aufsuchte, um mit den Fratres Messe zu feiern. Die letzten Lebensjahre soll sie als Inklusin bei den dortigen Benediktinern verbracht haben. Idda ist der Überlieferung zufolge im Jahre 1226 gestorben und am 3. November in der Klosterkirche Fischingen zu Grabe getragen worden . Viele Menschen pilgerten hernach an die Stätte, zahlreiche Berichte von wundersamen Heilungen trug man in die Welt hinaus.

Es ist zwar nicht vollends auszuschliessen, dass eine reale Idda mit einem Grafen von Toggenburg verheiratet war, die Geschichte der Heiligen jedoch bleibt insofern Legende, als sie von der Erzählung über die Genoveva von Brabant inspiriert worden sein dürfte, die ebenfalls fälschlich des Ehebruches bezichtigt worden war und den Mordanschlag ihres Mannes überlebt hatte.

Iddas Verehrung in der Zentralschweiz

Über Iddas Grablege in Fischingen – ein Sarkophag mit pompösem Aufbau, der zwei Iddastatuen mit je einem Hirsch birgt – erhebt sich heute ein spektakulärer Barock-Kuppelbau. Seine Ausmasse zeugen von der intensiven Verehrung von Idda/Ida als Heilige, deren Bedeutung seit ca. 1600 auch über die Region hinausreicht – unter anderem in die Zentralschweiz: Die Pfarrkirche von Bauen UR ist der Ida von Toggenburg geweiht, Ida-Kapellen stehen unter anderem in Beckenried und Malters. Das geografische Zentrum der seit 1724 offiziell als heilig geltenden Idda bleibt jedoch das Kloster Fischingen und die nahe St. Iddaburg, die steile Anhöhe auf sankt-gallischem Boden zwischen den Ortschaften Mühlrüti und Gähwil, wo die Alt-Toggenburg, das legendäre Schloss Iddas, gestanden hat. Seit 1861 gilt dieser Berg als Wallfahrtsort und heute auch als Ausflugsziel. In den 1930er-Jahren wurde eine Kirche errichtet. Eine Gedenktafel steht an der Stelle, wo Idda in die Tiefe gestürzt worden sein soll.

Das Chorgemälde in der Wallfahrtskirche, welches wir hier sehen, fasst die Legende um Idda anschaulich zusammen: Hinten auf dem Berg die Burg, ein Rabe, ein Engel als Zeichen von Iddas göttlicher Errettung und der Hirsch mit leuchtendem Geweih, der die Heilige zum Kloster Fischingen begleitet. Die Krone auf ihrem Kopf zeugt von ihrer adligen Abstammung.

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