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Ich schau doch mal, ob etwas ist: Immer mehr Menschen überprüfen ihren Gesundheitszustand mit Selbsttests – den Arzt ersetzen diese aber nicht

Eisenmangel, Harninfektion, Cholesterin: Tests, die bequem zu Hause auf dem Sofa durchgeführt werden können, erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Aber: Nicht alle sind gleich sinnvoll.
Rahel Lüönd
Der Klassiker der Selbsttests zeigt an, ob eine Frau schwanger ist. Mittlerweile kann man sich mit einem ganzen Arsenal solcher Hilfsmittel zu Hause durchchecken. Doch nicht alle «Diagnosen» sind richtig und nicht alle Tests von hohem Nutzen. (Bild: Getty)

Der Klassiker der Selbsttests zeigt an, ob eine Frau schwanger ist. Mittlerweile kann man sich mit einem ganzen Arsenal solcher Hilfsmittel zu Hause durchchecken. Doch nicht alle «Diagnosen» sind richtig und nicht alle Tests von hohem Nutzen. (Bild: Getty)

Der Schwangerschaftstest ist das etablierte Paradebeispiel. Wenn eine Frau Hinweise auf eine mögliche Schwangerschaft hat, testet sie sich ganz diskret erst einmal selbst, bevor sie zum Arzt geht. Das ist günstig und praktisch für alle Beteiligten.

Deshalb haben einige Unternehmen dieses Prinzip auch auf andere Bereiche ausgedehnt – darunter Glutenintoleranz, Darmkrebs oder Harninfektion. Mit einem Selbsttest kann man auch messen, ob ein erhöhter Cholesterinspiegel oder ein zu niedriger Eisenwert vorliegt. Nicht zuletzt gibt es einen Test, der die Zeugungsfähigkeit des Mannes ermitteln soll, sowie Alkohol- und Drogentests. Letztere werben mit einem Autoschlüssel auf der Packung: Habe ich zu viel ­getrunken – oder darf ich noch fahren? Online sind diese Tests für zehn bis dreissig Franken erhältlich.

«Tests sind ein Puzzlestein»

Wir haben von Beat Thoët, Co-Präsident der Vereinigung Luzerner Hausärzte, ­einige Selbsttests der Schweizer Marke Veroval beurteilen lassen. Grundsätzlich ist Thoët der Meinung, dass ein Selbsttest lediglich ein Teil im Prozess der Diagnosestellung einer Krankheit ist: «Die Tests sind ein Puzzlestein – für eine ganzheitliche Diagnose braucht es aber ganz viele davon.» Ein Arzt stelle zusätzlich Fragen (Anam­nese), untersuche die Patienten körperlich und sende allenfalls Proben ins Labor oder mache ein Röntgenbild.

«Der Arzt hat den gesamten Kontext des Patienten und die fachliche Expertise, um die Resultate zu interpretieren», so Thoët. Er gibt ausserdem zu bedenken: Je sensitiver ein Test ist, desto unspezifischer ist er. Will heissen: Wenn ein Test eine Krankheit gut erkennt, gibt es gleichzeitig auch mehr sogenannt falsch-positive Resultate, also Fehlalarme.

Das kann dazu führen, dass Patienten fälschlicherweise von einer Erkrankung ausgehen, was unter anderem zu Stress ­führen kann. Aber auch das Gegenteil ist möglich: Bei falsch-negativen Resultaten wiegt sich die Testperson in falscher Sicherheit.

Das Schaffhauser Unternehmen IVF Hartmann hat die untersuchten Selbsttests der Marke Veroval 2016 gemäss eigenen Angaben als Erste auf den Schweizer Markt gebracht. Besonders nachgefragt werden die Tests zur Ermittlung einer Harnwegsentzündung, Glutenintoleranz und Eisenmangel. Grundsätzlich scheinen immer mehr Leute diese Möglichkeit eines Gesundheits-Checks zu nutzen: Der Absatz wuchs 2018 im Vergleich zum Vorjahr im unteren zweistelligen Bereich.

Test verspricht längere Jugend

Der deutsche Hersteller Cerascreen, der Dutzende Selbsttests im Sortiment hat, geht mit seinen Produkten noch weiter als die herkömmlichen Tests wie Eisenmangel und Co. Er verspricht seiner Kundschaft beim Abnehmen zu helfen, Schlafmangel einzudämmen oder mit dem Messen des sogenannten Glückshormons Serotonin Depressionen zu erkennen.
Der neuste Clou ist der «Genetic Age Test», ein DNA-Test, der für 239 Franken das biologische Alter bestimmt. Zum Test gehört ein individualisierter Fragebogen und persönliche Empfehlungen, wie die Zellalterung verlangsamt und die Jugend erhalten werden kann. (ral)

Test ersetzt keinen Arztbesuch

Corinne Abächerli, CEO-Assistentin von IVF Hartmann, sagt auf Anfrage: «Unsere Selbsttests folgen dem wachsenden Bedürfnis der Menschen, ihren Gesundheitszustand anhand konkreter Indikatoren und ohne Belastung des ­Gesundheitswesens unkompliziert und selbstständig überprüfen zu können.» Die Indikatoren würden einen ersten Hinweis liefern, wie es um die eigene Gesundheit bestellt ist, und könnten zum Beispiel dazu beitragen, dass gewisse ­gesundheitliche Probleme frühzeitig ­erkannt werden.

Den Fachspezialisten ersetzen können die Selbsttests hingegen auch laut Hersteller nicht: «Wir sehen unsere Tests nicht im Wettbewerb zum Arztbesuch. So verweisen wir in jeder Packungsbeilage darauf, dass auf jeden Fall ein Arzt aufgesucht werden muss, wenn ein Verdacht vorliegt», sagt Corinne Abächerli.

In den befragten Apotheken sind die Tests noch nicht zum grossen Renner geworden. Manche nutzen diese aber, um ihre Kundschaft zu beraten. So etwa die See-Apotheke am Luzerner Kapellplatz. Pharma-Assistentin Corina Richli sagt:

«Wir benutzen entsprechende Tests bei Vermutung einer Glutenintoleranz, eines Harnweginfekts oder zur Feststellung einer Allergie.»

Auf diese Weise ist eine faktenbasierte Behandlung möglich. Wichtig sei, dass eine Kundin oder ein Kunde vor der Durchführung eines Tests wisse, was er aus dem Resultat ­lesen kann, und dass das Personal in der Apotheke beratend zur Seite stehen könne. Dies unterstützt auch der Luzerner Apothekerverein. Er weist zudem darauf hin, dass Testergebnisse durch falsche Anwendung verfälscht werden könnten. Das muss bei der Auswertung beachtet werden.

Nur ein bescheidendes Sparpotenzial

Doch lassen sich mit den Selbsttests tatsächlich Kosten sparen? Der Verband der Schweizer Krankenkassen Santésuisse winkt ab: «Das Potenzial, Kosten zu sparen, scheint uns eher gering», sagt Sprecher Christophe Kaempf. Nichtsdestotrotz geht auch der Verband von einer Zunahme dieser Tendenz aus, weil die Selbsttests praktisch und einfach durchzuführen sind. Sie entsprechen der heutigen Zeit. Wenn die Resultate isoliert betrachtet werden können, erachtet Santésuisse die Tests als durchaus sinnvoll. Schwieriger werde es, wenn die Ergebnisse interpretationsbedürftig sind.

Entscheidend ist dabei die Frage, was man mit dem Ergebnis macht: Ist der Test positiv, muss dennoch ein Arzt aufgesucht werden, um das Ergebnis zu verifizieren und eine mögliche Behandlung einzuleiten. Ist der Test negativ, hat man die Beschwerden nach wie vor und sucht weiterhin nach einer Antwort.

Aidshilfe begrüsst HIV-Test

Auch um eine HIV-Infektion zu erkennen, sind im Handel Selbsttests erhältlich. Die Aidshilfe Schweiz empfiehlt diese Tests, wenn eine Unsicherheit betreffend einer möglichen HIV-Infektion besteht. «Wichtig ist jedoch, dass dieser Selbsttest zum richtigen Zeitpunkt durchgeführt wird, da er erst drei Monate nach einer Risikosituation eine mögliche Infektion sicher anzeigt», sagt Sprecher Nathan Schocher. In einer Beratungsstelle oder einem Spital könne diese bereits nach sechs Wochen ausgeschlossen werden. Mit ihrem Logo auf der Verpackung unterstützt die Aidshilfe die Tests «Exacto» und «autotest VIH», weil diese besonders einfach in der Handhabung seien. (ral)

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