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Hunde übernehmen unseren Langzeitstress

Hunde übernehmen anscheinend nicht nur die aktuelle Stimmungslage ihrer Besitzer, sondern auch deren Langzeit-Stresspegel. Umgekehrt ist das kaum der Fall.
Joachim Czichos
Tests wurden unter anderem mit Shetland Sheepdogs gemacht. (Bild: Getty)

Tests wurden unter anderem mit Shetland Sheepdogs gemacht. (Bild: Getty)

Stress ist ansteckend. Sowohl bei Menschen als auch bei in Gruppen lebenden Tieren überträgt sich die akute Gereiztheit eines Einzelnen schnell auf Artgenossen. Eine solche Anpassung ist aber auch bei Langzeitstress und sogar zwischen verschiedenen Spezies möglich, wie schwedische Forscherinnen im Fachblatt «Scientific Reports» berichten.

Messbar am Kortisolspiegel

Sie stellten fest, dass Hunde das eigene Stressniveau – über einen längeren Zeitraum gemessen – mit dem ihrer Besitzer synchronisieren. Zudem ergab sich ein Zusammenhang zwischen bestimmten Persönlichkeitsmerkmalen des Menschen und dem Gehalt am Stresshormon Kortisol in den Haaren des Hundes. Umgekehrt gab es keine entsprechende Hinweise, dass sich Wesensmerkmale des Hundes auf den Stresszustand des Menschen auswirken.

Es ist schon länger bekannt, dass sich akute Stresszustände vom Menschen auf seinen Hund und umgekehrt übertragen, was durch einen vorübergehenden Anstieg des Kortisolspiegels in Blut oder Speichel messbar ist.

Bei Mutter und Kind spielt dasselbe

Im Haar abgelagertes Kortisol ­dagegen dient als Merkmal für Langzeitstress. Synchrone Veränderungen der Kortisolkonzentration im Haar während einer ­längeren Zeitspanne wurde beispielsweise bei Müttern und ihren Kindern nachgewiesen.

«Unseres Wissens ist das nun aber die erste Studie, die eine Synchronisierung von Langzeitstress zwischen zwei Spezies nachweist», erklärt Lina Roth von der Universität Linköping.

Für ihre Studie ermittelte das Forscherteam durch je eine Messung im Sommer und Winter Kortisolwerte in den Haaren von 58 Hunden (Shetland Sheepdogs und Border Collies) und ihren Besitzerinnen. Die Hunde waren im Schnitt 4,7 Jahre alt, die Frauen durchschnittlich 46 Jahre.

Besonders enge Bindung zum Hund

Mit Hilfe zweier Fragebögen machten die Hundebesitzerinnen Angaben, die über eigene Persönlichkeitsmerkmale (Aufgeschlossenheit, Gewissenhaftigkeit, Geselligkeit, Verträglichkeit und emotionale Labilität) und die ihres Haustieres (zum Beispiel Gehorsamkeit, Aggressivität und Ängstlichkeit) Auskunft gaben. Ein Messgerät am Halsband registrierte eine Woche lang die Bewegungsaktivität des Hundes, da diese eine Kortisolfreisetzung beeinflussen kann.

Für beide Jahreszeiten lieferten die Haaranalysen Kortisolwerte, die für eine synchrone Stressbelastung von Mensch und Hund sprechen. Unter anderem zeigte sich: Je stärker die emotionale Labilität beim Menschen, desto geringer die Kortisolkonzentration beim Tier. Eine mögliche Erklärung dafür wäre nach Ansicht der Autorinnen, dass emotional sehr labile Menschen besonders enge Bindungen zu ihrem Hund haben, was sich stressmindernd auswirkt.

Weibliche Tiere offenbar empfindlicher

Dagegen erwies sich der ­Kortisolgehalt im Hundehaar als umso höher, je stärker Gewissenhaftigkeit und Aufgeschlossenheit waren. Die ermittelten Zusammenhänge waren bei weiblichen Hunden enger als bei männlichen. Wesensmerkmale des Hundes wirkten sich kaum auf dessen Kortisolwerte aus.

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