Hohe Lebensqualität im Alter

Mit dem Alter verschlechtert sich der Gesundheitszustand. Das senkt aber nicht zwingend die Lebensqualität der Betroffenen. Eine Mehrheit sieht die eigene Lebensqualität sehr positiv.

sda
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Die Mehrheit der Älteren bezeichnet ihren Gesundheitszustand als gut. (Bild: Christoph Schürpf/Key)

Die Mehrheit der Älteren bezeichnet ihren Gesundheitszustand als gut. (Bild: Christoph Schürpf/Key)

Der älteren Generation in der Schweiz geht es überraschend gut. Zwar kommen mit dem Alter die chronischen Erkrankungen, und der Gesundheitszustand wird schlechter. Allerdings bezeichnet eine Mehrheit ihre eigene Gesundheit und Lebensqualität trotzdem als gut oder gar ausgezeichnet.

Forscher der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW haben mit Kollegen Daten von 4600 Personen aus einer langjährigen Befragungsstudie mit Schweizerinnen und Schweizern über 50 ausgewertet.

«Wie zu erwarten war, verschlechtert sich der Gesundheitszustand bei den höheren Altersgruppen»

, sagte Studienautor Marc Höglinger von der ZHAW.

Insgesamt leidet rund die Hälfte der über 55-Jährigen an mindestens einer chronischen Erkrankung, bei den 83- bis 89-Jährigen sind es sogar 70 Prozent. Trotzdem gaben rund zwei Drittel der 83- bis 89-Jährigen an, ihre Gesundheit sei gut bis ausgezeichnet.

Männer halten sich für gesünder

Männer betrachteten demnach ihre Gesundheit positiver als Frauen der jeweils gleichen Altersgruppe. Bei den 83- bis 89-Jährigen hielten 68 Prozent der Männer ihre Gesundheit für gut bis ausgezeichnet, bei den Frauen in diesem Alter waren es nur 63 Prozent.

Auch bei der Art der chronischen Krankheiten, von denen Senioren betroffen sind, zeigen sich Unterschiede zwischen den Geschlechtern, schrieb die ZHAW: Frauen leiden demnach häufiger als Männer an Erkrankungen des Bewegungsapparats und an Depressionen. Männer kämpfen häufiger mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und Diabetes. Dass Ältere trotz chronischer Erkrankungen ihre Gesundheit als gut bis ausgezeichnet betrachten, sehen die Forscher als ermutigend. Dies zeige, dass solche Erkrankungen nicht zwingend mit einer Einschränkung der Lebensqualität einhergehen müssen.

Chronische Erkrankungen

«Dieses erfreuliche Resultat darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es viele Personen mit chronischen Erkrankungen gibt, die Unterstützung brauchen», so Höglinger. Beispielsweise haben Alleinlebende mit einer chronischen Erkrankung eine tiefere Lebensqualität als Chronischkranke mit Partner.

Auch frühere Studien haben gezeigt, dass Einsamkeit den Gesundheitszustand beeinträchtigt. Ebenso wirken sich Bildung, Einkommensniveau und Migrationshintergrund auf das Risiko für chronische Erkrankungen und die Lebensqualität aus. Dies bestätigte sich auch in der aktuellen Studie: Nicht nur der tatsächliche Gesundheitszustand, sondern auch die soziale und finanzielle Situation entscheiden mit über die Lebensqualität im Alter.

Mehr Bewegung nötig

Trotz des allgemein positiven Bilds, das die Studie über die Lebensqualität trotz chronischer Erkrankungen zeichnet: Ein Problem sehen die Forscher beim hohen Anteil an Übergewicht, von dem 40 Prozent der befragten Frauen und 60 Prozent der befragten Männer betroffen waren. Bewegungsmangel, Rauchen und übermässiger Alkoholkonsum nennen sie als Problempunkte, an denen Prävention gegen chronische Erkrankungen vermehrt ansetzen sollte.

Die nun ausgewerteten Daten stammten aus der Langzeitstudie «Survey on Health, Ageing and Retirement» («Share»), bei der Forschende in Europa seit 2002 Menschen über 50 befragen. Neben der ZHAW waren die Universität Lausanne und das Schweizer Kompetenzzentrum für Sozialwissenschaften be­teiligt.