Hochzeit der Sumpf-Hasen

In David Sedaris neustem Buch «Eichhörnchen sucht Streifenhörnchen» gehen Katzen zum Pavian-Coiffeur und regen sich über Hunde auf. Das liest und hört sich gut.

René Rödiger
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David Sedaris schreibt für einmal über Tiere statt Menschen – jedoch nicht minder abgründig. (Bild: pd)

David Sedaris schreibt für einmal über Tiere statt Menschen – jedoch nicht minder abgründig. (Bild: pd)

Der 53jährige David Sedaris ist ein Meister der zarten Tragik. Bewiesen hat dies der Amerikaner schon mit seinen autobiographischen Alltagsgeschichten «Fuselfieber», und «Nackt». Es sind Geschichten, wie sie in jeder Familie vorkommen. Der kleine Unterschied: Sedaris schält aus ihrem Leid die Komik heraus, und andere Menschen würden solche Erlebnisse um jeden Preis verheimlichen.

In seinem neusten Buch, «Squirrel Seeks Chipmunk– Eichhörnchen sucht Streifenhörnchen», versucht sich Sedaris an Fabeln. Zum Beispiel die Geschichte von der Katze, die zur Fellpflege geht. Der Fellpfleger, ein Pavian, macht wohlbekannten Coiffeur-Smalltalk. «Letzten Samstag war ich auf der Hochzeit zweier Sumpf-Hasen», berichtet der Pavian. «Nun, ich mag ja kirchliche Hochzeiten, aber das war leider eine dieser Schreib-Dein-eigenes-GelübdeHochzeiten. Keiner der Hasen hatte jemals einen Stift in der Hand, und plötzlich sollen sie Poeten sein.

Als brauchte man dazu nur die Liebe», sagt er. Die Katze entgegnet: «Mein Ehemann und ich haben auch unsere eigenen Ehegelübde geschrieben.»

Ständiges Sabbern

Der Pavian versucht die Katze noch mit weiteren Geschichten auf seine Seite zu ziehen. Doch die Katze will auf keine Lästereien eingehen. Bleibt also nur noch das Thema Hund: «Ich bediene keine Kunden, die ihren eigenen Arsch lecken.» Natürlich lässt die Katze diese Aussage nicht auf sich sitzen und verteidigt die Vorteile einer gründlichen Körperpflege.

Der Pavian versucht sich zu erklären, meint, dass es bei einer Katze auch elegant aussehe, bei einem Hund bestenfalls tölpelhaft, zudem sabberten sie ständig. Es ist diese Direktheit, gepaart mit dem Alltäglichen – jeder kennt die Gespräche beim Coiffeurbesuch –, die Sedaris' Bücher lesenswert machen.

Sedaris von Sedaris gelesen

Noch schöner ist es, wenn der Text vom Autor vorgelesen wird. Auf der Seite des «Guardian» sind nun zwei Fabeln in Schrift und von Sedaris gesprochen online.

Nebst der Coiffeur-Geschichte ist dies auch die blutige Fabel des Hasen, der sich als «Wächter» des Waldes versteht.

Die Pointe übrigens: Viele Hunde sind gute Freunde und treue Kunden des Pavians. Aber was schadet es dem Dienstleister, von Zeit zu Zeit die Linie zwischen Arschlecken und Arschküssen zu überschreiten?

David Sedaris, «Squirrel Seeks Chipmunk: A Modest Bestiary», Little Brown, New York, u. a. 2010; www.Guardian.co.uk (bit.ly/sedarisguardian)

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