Hoch über dem Nebelland

Von Les Prés d'Orvin über den Jurahöhenweg zum Chasseral

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Herbststimmung auf dem Chasseral, wenn das Licht durch die Wolken bricht. (Bild: Daniel Zahno)

Herbststimmung auf dem Chasseral, wenn das Licht durch die Wolken bricht. (Bild: Daniel Zahno)

Im Tal unten will sich das Nebelmeer nicht auflösen, das Mittelland ist eine einzige trübe Suppe, hier oben aber ist es warm und sonnig. Auf den Weiden von Les Prés d'Orvin grasen zottelige Highland-Rinder mit ausladenden Hörnern. Ihre Ponyfrisuren verdecken ihnen weitgehend die Sicht, scheinen aber die Ausbildung ihres Geruchssinns befördert zu haben, denn sie wittern die Wanderer schon von weitem und schnuppern mit Interesse in ihre Richtung.

Präriebisons im Jura

Über Wiesen und durch Wälder geht's hoch zur Métairie de Prêles, wo die zotteligen Kerle auf dem Teller landen, und weiter zur Ranch Les Colisses-du-Bas, die mit Präriebisons eine Nische entdeckt hat. Nach dem Abstecher zu den Bisons steigen wir hoch zum Clédar de Pierrefeu. Hier haben wir einen schönen Blick auf den Mont Sujet, der zwischen dem Chasseral und dem Bielersee liegt – ein hübsches Plätzchen für eine Rast. Die Besenwirtschaft von Les Colisses-du-Haut ist leider geschlossen.

So folgen wir weiter dem Jurahöhenweg; Weil dieser leicht südlich der Krete verläuft, sind wir geschützt vor Böen – von denen wir freilich noch nichts ahnen. Fast sommerlich ist es hier, während sich drüben auf dem Mont Soleil die riesigen Windräder unablässig drehen.

Ein windiges Plätzchen

Den Sendeturm des Chasseral sehen wir schon von weitem, zum Greifen nah scheint er, was sich aber als Täuschung entpuppt: Immer noch eine Kuppe ist zu überwinden.

Oben angekommen, pfeift uns an jenem Tag ein heftiger Wind um die Ohren, dass wir nicht lange verweilen. Recht kühl mutet die Bise an, und auf der Besucherterrasse lesen wir, dass die Swisscom-Mitarbeiter im Sendeturm bisweilen festgesetzt sind, wenn draussen der Sturm tobt. Da wir nicht wie Don Quijote gegen die Windmühlen kämpfen wollen, verziehen wir uns rasch abwärts Richtung Hotel.

Der Parkplatz dort mit den vielen Autos und Motorrädern, der kühle Wind und das triste Selbstbedienungsrestaurant machen uns noch fast zum Ritter von der traurigen Gestalt – aber nur vorübergehend.

Der Busfahrer, den wir fragen, ob er nach St-Imier fährt, antwortet trocken: «Il paraît.» Es scheint so. Tatsache ist: Wir haben Glück gehabt, dass er fährt. D

enn sonst hätten wir nach Les Savagnières wandern müssen, und dann hätten wir wirklich aus dem letzten Loch gepfiffen…

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