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Knackeboul: «Ich sehe den Rap aber als Spiegel der Gesellschaft»

Knackeboul meldet sich mit dem Mixtape «Asimetrie» zurück und spielt diesen Samstag am Open Air Frauenfeld.
Christoph Sulser
Mit «Asimetrie» besinnt sich Knackeboul auf die goldene Ära des Hip-Hop der 1990er. (Bild: Simon Habegger/zVg)

Mit «Asimetrie» besinnt sich Knackeboul auf die goldene Ära des Hip-Hop der 1990er. (Bild: Simon Habegger/zVg)

In kaum einem anderen Musikgenre wird «Realness» so gross geschrieben wie im Hip-Hop. Wer «real» ist, ist authentisch und besitzt «credibility», will heissen: Glaubwürdigkeit. Dem Berner Rapper Knackeboul wird genau diese immer wieder abgeschrieben. Dass er in den vergangenen Jahren fürs Schweizer Fernsehen und den ehemaligen Jugendsender Joiz Aushängeschild diverser Sendungen war, wird als Grund genannt. Oder dass er sich nicht scheute auch «Kommerz-Events», wie er sie selber nennt, zu moderieren. Vielleicht rühren die Anfeindungen gegen dem 36-Jährigen auch einfach daher, dass Knackeboul ein ausgefuchst talentierter Rapper ist und schlicht der Neid aus so manchem Kritiker spricht.

So zeigt sich der Wahlzürcher auf seinem neuen Mixtape «Asimetrie» angriffslustiger denn je und rappt sich sattelfest von einem bissigen Reim zum nächsten. Ob nun «real» oder nicht – das knallt ganz schön rein.

Knackeboul, Du spielst am Open Air Frauenfeld, dem grössten Hip-Hop-Festival Europas. In welchem Zustand befindet sich die Rap-Szene?

Knackeboul: In einer Hochblüte! Dank dem Internet gibt es extrem viel gute Rapmusik, in der Schweiz und international. Durch Plattformen wie Youtube oder Spotify hat sich der Austausch innerhalb der Community vergrössert. Das Internet ist somit auch eine Lernplattform. Als ich 2002 mit Rapmusik angefangen habe, hatten wir nur ein paar Platten als Referenz, heute kann man ein neues Video nach dem anderen anschauen und sich inspirieren lassen. Natürlich gibt es auch viel Schrott, doch das gab es schon immer.

Die Rap-Szene wird oft damit konfrontiert, dass sie frauenfeindlich sei – nur ein Klischee?

Hip-Hop ist immer noch eine Männerdomäne, und wo es viele Männer hat, gibt es auch mehr Sexismus. Das ist ähnlich wie an einem Stammtisch, wo nur Männer sitzen. Ich sehe den Rap aber als Spiegel der Gesellschaft, deshalb liegt das Problem nicht ausschliesslich im Hip-Hop, sondern in unserer Gesellschaft im Allgemeinen – ohne, dass ich damit Frauenfeindlichkeit verteidigen will.

Weshalb nimmt das Dissen, also das Schlechtmachen anderer, im Rap eine so wichtige Rolle ein?

Das kommt vom Battle-Rap, in dem es darum geht, sich selbst als den Grössten darzustellen und den Gegner fertigzumachen. Es ist ein Spiel, ähnlich wie beim Boxen oder im Eishockey. Dort geht es ebenfalls hart zu und her. Auf dem Eishockeyfeld kommt es zwischen den Spielern ja teilweise fast zu Schlägereien.

«Wenn mich Neonazis kritisieren, dann fühle ich mich bestätigt.»

Aber alles passiert in einem klar abgesteckten, sicheren Rahmen. Von diesem spielerischen Diss trenne ich jedoch klar ausschliesslich provozierende Beleidigungen, die eine rote Linie überschreiten, wie das etwa Farid Bang und Kollegah machen.

Du stehst offen zu Deiner Meinung, auch zu politischen Themen, und wirst dafür immer wieder kritisiert. Gerade auf Social Media ist der Umgangston knallhart. Wie gehst Du damit um?

Es kommt darauf an, von wem die Kritik kommt. Vorwürfe, die stimmen, treffen mich natürlich mehr. Blinder Hass kann ich ertragen. Wenn mich Neonazis kritisieren, dann fühle ich mich bestätigt – es wäre ja komisch, wenn die mich gut fänden. Dann wird mir auch immer wieder vorgeworfen, dass ich mediengeil sei ...

Ein Vorwurf, der Dich trifft?

Dass ich in den Medien vorkomme, streite ich nicht ab. Das gehört einfach zu meinem Job. Die Kritik entwickelt mit der Zeit eine Eigendynamik, die man nicht mehr kontrollieren kann. Zum Beispiel habe ich in den vergangenen zwei Jahren alles abgelehnt, was in Richtung Moderation, Promi-Zirkus und Boulevard geht. Der Vorwurf, ich sei mediengeil, kommt aber immer wieder.

In der SRF-Sendung «Arena» hast Du 2016 für ein Nein zur Durchsetzungs-Initiative gekämpft. Kannst Du Dir vorstellen, selbst einmal in die Politik einzusteigen?

Das habe ich mir schon überlegt, und ich wurde diesbezüglich auch schon angefragt – aber grundsätzlich geniesse ich die künstlerische Freiheit mehr. Zusätzlich habe ich grossen Respekt vor einem politischen Amt. Aber manchmal, wenn man sieht, was für Gestalten sich in der Politik rumtreiben, dann hätte ich schon Lust.

Was nervt Dich an der Politik?

Ich rege mich darüber auf, dass es gewisse Personen gibt, die aus irgendwelchen diffusen Gründen alles schlechtmachen wollen. Persönlich bin ich sehr glücklich, in der Schweiz zu leben. Ob hier in der Schweiz oder auf der ganzen Welt, es gibt doch viele Dinge, die gut laufen.

Neben der Musik produzierst Du Videos für das Newsportal Watson und schreibst für die «Tages-Woche». Was davon ist Dir am wichtigsten?

Eindeutig kann ich das nicht beantworten. Die Videos und Kolumnen gehören schlicht auch zu meinem Brotjob. Ich bin mit vielen Sachen beschäftigt, die alle getrennt voneinander stattfinden. Daher würde ich das ganze gerne etwas besser zusammenbringen, zum Beispiel einen Kurzfilm drehen und gleich auch den Soundtrack dazu schreiben. Das ist aber alles natürlich eine Zeit- und Geldfrage.

Dennoch, darf man bald einen Film von Dir erwarten?

Alleine traue ich mir nicht zu, einen Film zu drehen. Aber ich bin gut im Geschichten erzählen. Mir würde es auch Spass machen, einmal in einer guten Komödie mitzuspielen – das könnte ich mir gut vorstellen.

Was machst Du zum Ausgleich, neben den vielen Tätigkeiten?

Momentan treibe ich Sport und jogge viel. Das ist mein körperlicher Ausgleich zum Leben auf Tour. Dort trinkt man zu viel Bier und isst zu viel Fettiges. Dann lese ich gerne und verbringe Zeit mit meiner Frau. Zusätzlich plane ich mit Freunden zusammen ein Boot auf dem Zürisee zu kaufen.

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