Himmlische Hasen

Wolken machen nicht nur gutes Wetter oder Regen – sie bringen auch Phantasie und Denken in Bewegung. Herzliche Einladung zu einer Traumreise!

Bettina Kugler
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Zupf dir ein Wölkchen aus dem Wolkenweiss, das durch den sonnigen Himmel schreitet», empfiehlt der wunderbare Dichter Ringelnatz (ja, der mit den Ameisen, die wollten nach Australien reisen… – und wo sie aufgeben mit dem Fussmarsch, das wisst ihr genau). Schön ist das, auf einer duftenden Sommerwiese zu liegen und in den Himmel zu gucken, wenn dort oben Wolkenschimmel, Schäfchenherden oder Hasen im Flugzeug vorbeiziehen. «Sommerfrische» heisst das Gedicht, das Hector in diesen Tagen und Wochen nach Lust und Laune beherzigt. Faulsein. Träumen, sich von der Sonne kitzeln lassen, Phantasien nachhängen: «Es soll dein Denken / Nicht weiter reichen, als ein Grashüpferhupf.» – Was es im Wolkenkino zu bestaunen gibt, haben fünfzehn kreative Köpfe rund um den argentinischen Illustrator Diego Bianki im Buch «Wolkenbilder» (ab 6, Gerstenberg, Fr. 15.90) auf Papier festgehalten. Und nicht nur das: Sie haben Schnappschüsse von phantastischen Fabelwesen aus winzigen Wassertröpfchen, Staub- und Russpartikeln – denn nichts anderes sind Wolken – mit Witz und Sinn für Überraschungen ausgemalt. Oft genügen wenige farbige Filzstiftstriche, manchmal muss es doch moderne Computertechnik sein, oder es braucht bemaltes Zeitungspapier für Collagen… jedenfalls kein Malbuch. Die Vorlagen hängen wattig und weich am Himmel, Du musst nur schnell sein mit dem Fotoapparat.

Nun phantasiert das luftige und koffertaugliche Malbuch aber nicht nur mit dem Kopf in den Wolken. Auf dem Boden der Tatsachen sammelt es Wissen über die malerischen Wassergebilde: eine kleine Wolkenkunde. Wie entstehen sie, wie halten sie sich in der Luft? Warum fällt an einem Regentag Wasser aus den Wolken? Wie heissen die Wolkenarten und woran erkennst Du sie?

• Wenn die Sonne die Oberfläche der Meere, Flüsse oder Pfützen auf dem Boden erwärmt, wird Wasser zu Wasserdampf. Warme Luft steigt nach oben – diese Strömung nennt man Thermik. Weiter oben kühlen die Dampfpartikel ab und fügen sich wieder zu kleinsten Tropfen zusammen: Diese Tröpfchen bilden Wolken.

• Je nach Höhe können die Tropfen mit Wasserdampf oder mit Eiskristallen vermischt sein.

• Jedes einzelne Tröpfchen ist wenige tausendstel Millimeter klein. 10 Milliarden Tröpfchen ergeben einen Kubikmeter!

• Thermik und Erdanziehungskraft heben sich gegenseitig auf: Die Wolke schwebt. Werden die Tröpfchen grösser und zu schwer – dann fallen sie als Regen, Schnee oder Hagel vom Himmel.

• Wunderschön sind ihre Namen. Zirrus, Cumulus, Nimbostratus…

Vielleicht hast Du das Glück, in den nächsten Wochen an einem Strand zwischen Dünen den Wolken nachträumen zu können: Dann werden in schöner Regelmässigkeit kreischende Möwen das Bild durchkreuzen. Sie laden ein zu Gedankenflügen: Zumindest, wenn Du das Buch «Wolkenbilder + Möwendreck» von Kristina Calvert und Sabine Dittmer (ab 6, Aracari, Fr. 27.90) – Vorsicht: es ist zu schade für Möwendreck von oben… – mit im Reisegepäck hast. Ein ungewöhnlicher Einstieg in die Königsdisziplin des Denkens, die Philosophie. Aber keine Bange, das tönt kompliziert – und macht vor allem Spass.

Erzählt werden 16 kurze Geschichten, mit von der Partie sind neben Möwe auch Krähe, Schildkröte und Zitronenfalter. Sie verlocken zu Fragen, die weiter führen als ein Grashüpferhupf: Was kann ich wissen? Was soll ich tun? Was darf ich hoffen? Und, vielleicht am schwierigsten: Was ist der Mensch? Antworten ziehen am Himmel vorbei. Oder in langen Strandgesprächen.

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