Himmelsköniglich

HÖRBAR KLASSIK Gesamteinspielungen von Bachs Kantaten gibt es mehrere – legendär sind jene von Rilling oder Harnoncourt/Leonhardt, neueren Datums die Editionen von Gardiner oder Ton Koopman. Rudolf Lutz spielt mit der St. Galler J. S.

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HÖRBAR KLASSIK

Gesamteinspielungen von Bachs Kantaten gibt es mehrere – legendär sind jene von Rilling oder Harnoncourt/Leonhardt, neueren Datums die Editionen von Gardiner oder Ton Koopman. Rudolf Lutz spielt mit der St. Galler J. S. Bach-Stiftung also in einem «wohlbestallten» Umfeld mit, wenn jetzt die ersten drei CDs mit Live-Aufnahmen aus Trogen vorliegen. CD No. 1 bietet unter anderem die Choralkantate BWV 129 «Gelobet sei der Herr, mein Gott» mit ihrem glanzvoll, geradezu «fetzig» interpretierten Eingangschor, dazu mit dem «Himmelskönig» BWV 182 ein weiteres Chor-Juwel. Dirigent Lutz erläutert im Booklet zudem seine Methode der Analyse von Libretto-«Drehbuch» und Partitur.

Flötenparadiesisch

Darf man Vergleiche ziehen? CD No. 2 der Bachstiftung enthält u. a. die Pfingstkantate «O ewiges Feuer o Ursprung der Liebe» BWV 34. Das britische Ensemble The Sixteen unter Harry Christophers entzündet auf seiner Einspielung (Label Coro) derselben Kantate im Eingangschor ein glühenderes Feuer als Rudolf Lutz und seine Ensembles. Dafür entführt uns hier Altistin Margot Oitzinger in der flötenseligen Arie «Wohl euch, ihr auserwählten Seelen» umso berückender ins Paradies. Weiter auf dieser CD: «O Ewigkeit du Donnerwort» BWV 60 und Bachs «Bewerbungskantate» für Leipzig, «Jesus nahm zu sich die Zwölfe» BWV 22, exemplarisch in ihrem Einfallsreichtum und in der Transparenz der Interpretation.

Geistverwirrend

Die Orgel als Kantatenstar: Diese Rarität bietet BWV 35 «Geist und Seele sind verwirret» im Zentrum der CD No. 3 mit dem virtuosen Solisten Norbert Zeilberger. Und mit jenen überaus modernen «Verwirr»-Motiven, die Bach seinen Zeitgenossen zumutet und welche Altistin Claude Eichenberger phänomenal auskostet. Wir haben, bei aller Fragwürdigkeit solchen Tuns, noch einmal verglichen: Sigiswald Kuijkens «Petite Bande» (auf Accent) klingt ziemlich blutleer neben den Ensembles der Bachstiftung. Diese lassen zum Finale mit BWV 1 den Morgenstern glänzen.

Rudolf Lutz, Chor und Orchester der Bach-Stiftung: No. 1, 2 und 3, pro CD Fr. 35.–. www.bachstiftung.ch

Peter Surber