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Hey Puppe

Die Frauen sehen alle gleich aus. Das schreibt unsere Sonntagskolumnistin Claudia Lässer nach dem Besuch in einem grossen Einkaufszentrum und fragt: Wollten wir uns nicht vom Diktat befreien?
Claudia Lässer
Claudia Lässer, Programmleiterin Teleclub.

Claudia Lässer, Programmleiterin Teleclub.

Neulich, an einem der weniger spektakulären Tage, war ich im Glattzentrum. Das ist eines der grössten und attraktivsten Einkaufszentren der Schweiz, in der Anflugschneise zwischen Zürich, dessen Agglomeration, der Ostschweiz und an den Ausläufern des Zürcher Oberlands. Sehr praktisch, weil alles zusammen ist, darum bin ich ab und an da und viele andere auch. Aufgrund des Ortes und der Auswahl kommt da ein schöner Überblick über die Vielfalt von Frau und Herr Schweizer zusammen. Dachte ich.

Wow. Diese vollen Lippen!

Nun weiss man ja, dass keiner Frauen so nachschauen kann wie Frauen selbst, und davor bin auch ich nicht gefeit gewesen . . . Also schaue ich zwischen Zucchetti und Chips Frauen an, die mir vor den Einkaufswagen laufen. Wow, schau mal die! Diese vollen Lippen. Und die. Tolle Ober­weite. Und die Haare erst. Voll aufgemacht, und das am Samstagmorgen im Glatt. Oder kommen die Girls alle grad vom Ausgang? Nein, nein, dann sieht man anders aus. Wieso fällt mir das bloss auf? Was fällt mir auf?

Jetzt weiss ich es. Ihr seht alle gleich aus.

Noch immer seid ihr Sekretärinnen oder Assistentinnen, die sich diktieren lassen.

Vielleicht nicht mehr vom Vorgesetzten, aber von der Mode, vom Schönheitsideal, von Companies, vom Vorurteil anderer, von Instagram und Modeheftli. Wollten wir da nicht mal raus? Uns befreien vom Diktat? Unsere Hakennasen in Führungs­positionen feiern? Weil wir kein Bling brauchen, um zu bestehen? Was ist denn jetzt mit Feminismus und Selbstbestimmung?

Der Hang zur Verführerin

Mir ist bewusst, dass es Modeerscheinungen gibt, man nicht immer alles ernst nehmen muss und man gerade in jungen Jahren experimentiert und immer mal wieder lieber die Verführerin als die Madame mit Stil rauslässt. Für wen macht ihr denn das? Ich unterstell euch – für andere, egal ob Männer oder Frauen. Jedenfalls voll das #dysmorphekörperverhältnis, meiner Meinung nach. Und ein Ein­geständnis, dass wir uns gar nicht so emanzipiert haben, wie wir das glauben und wünschen, oder jedenfalls die, die ich gesehen habe. Glauben wir echt, so «Partner» mit Profil zu angeln – und eine Beziehung auf Augenhöhe zu führen?

Wollen wir so die herrschenden Geschlechterverhältnisse ändern? Mit Form statt mit Inhalt?

Ich glaube, das klappt nicht und wir katapultieren uns so wieder dahin zurück, wo wir eigentlich weg wollten. Oder wollen wir das gar nicht? Vielleicht nicht alle.

Modeheftli, gemacht von Frauen

Ich bin voll dabei, wenn es darum geht, den eigenen Körper und die Schönheit zu feiern, aber mich und meine Persönlichkeit deswegen aufzugeben, um mich ins Puppenregal zu stellen? Nein, das mach ich nicht. Ich finde, es schmeckt nach Aufgabe. Weil die Gleichberechtigung einfach nicht nur nehmen ist, sondern auch Charakter leben. Ihr sortiert damit auch die falschen Freunde aus. Liked euch selber und schaut nicht darauf, wie ihr die von aussen bekommt und was die anderen machen. High Heels, Lippenstift und Co. alles okay und gut – solange es selbstbestimmt ist und nicht, weil es gefordert wird. Nicht zuletzt von Heftli, die übrigens meistens von Frauen gemacht werden und nicht von Männern.

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