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Mit dem Heli rauf, mit dem Bike runter: Angebot in Zermatt sorgt für Ärger

Im Walliser Nobelort können Mountainbiker für 80 Franken auf den Berg fliegen. Naturschützer sind empört. Und diesseits der Alpen lassen Heli-Firmen die Finger davon.
Daniel Fuchs
Bequem, aber umstritten: Heli-Biking in der Nähe von Zermatt. Bild: Pascal Gertschen/PD

Bequem, aber umstritten: Heli-Biking in der Nähe von Zermatt.
Bild: Pascal Gertschen/PD

Mit der nötigen Fahrtechnik und einem Mountainbike ausgestattet können abfahrtsorientierte Biker in Zermatt in den Heli steigen und sich in die Gletscherwelt fliegen lassen. Kostenpunkt für das billigste Angebot, zum 3087 Meter hohen Gebirgslandeplatz Unterrothorn: 80 Franken. Wie die Kerosinschwaden in der klaren Bergluft lösen sich etwaige Gewissensbisse spätestens auf einem der «endlos langen Bike-Trails, die irgendwann unten im Tal enden» auf, wie Zermatt Tourismus wirbt.

«Was, 80 Franken?», entfährt es Patrick Aegerter. Er ist Mitglied der Geschäftsleitung von Swiss Helicopter, des grössten Schweizer Anbieters, der vor allem diesseits der Alpen Flüge durchführt. Günstigeres Helikopterfliegen findet sich nirgendwo in der Schweiz. Selbst das Angebot für Sparfüchse von Swiss Helicopter, vom Männlichen im Berner Oberland zur Eigernordwand und zurück, kostet mehr.

Auf Pneus statt auf Latten

Das stark ans Heli-Skiing angelehnte Heli-Biking schwappte dieses Jahr auf die Schweiz über. In Neuseeland, Kanada oder Italien sind solche Flüge schon länger möglich. In aufwendig produzierten Bike-Filmen sind die Helikopter nicht bloss Mittel zum Zweck, sondern werden auch als filmisches Stilmittel eingesetzt. Der Traum des endlosen Flows auf oder abseits des Trails wird eben nur von einem anderen überflügelt: dem Traum vom Fliegen. Und so haben sich mit Héli-Alpes in Sion und Air Zermatt auf dieses Jahr hin zwei Walliser Heli-Firmen zum Velotransport sogenannte Bike-Racks in Nordamerika bestellt und fliegen Bikerinnen und Biker ins Glück.

Für die Umweltschützer von Mountain Wilderness (MW) ist das ein neues Feindbild. Jahrelang wehrten sie sich mehr oder weniger erfolglos gegen Heli-Skiing in den Alpen. Nun expandierte das Heli-Skiing gewissermassen auf die Sommermonate. ­Einfach auf breiten Pneus statt breiten Latten. Diesen Monat erhielten Mitglieder der Organisation Spendenaufrufe, damit sich die Organisation «mit aller Vehemenz» wehren kann. Besonders störend am Heli-Biking findet MW-Geschäftsführerin Maren Kern, «dass damit die Flugsaison ausgeweitet wird». Denn, so Kern, seien die Gebirgslandeplätze bisher ja «nur» im Winter angeflogen worden fürs Heli-Skiing. «Damit verlängert sich die Zeit des Helikopterlärms also noch einmal. Das ist störend für Tiere, Wanderer und Bergsteiger.»

Für 80 Franken auf den Berg: Ein Helikopter bringt Biker auf den Berg. Bild: Pascal Gertschen / PD

Für 80 Franken auf den Berg: Ein Helikopter bringt Biker auf den Berg. Bild: Pascal Gertschen / PD

Zermatt Tourismus wiegelt ab

Zermatt Tourismus wiegelt ab. Diesen Sommer seien bloss eine Handvoll Flüge pro Monat durchgeführt worden. Pro Flug könnten fünf Biker mit, sagt die Sprecherin von Zermatt Tourismus. Auch geht sie von einer tief bleibenden Nachfrage aus, handle es sich doch um ein Nischenprodukt für ein sehr kleines Publikum.

Maren Kern von Mountain Wilderness hingegen geht von einer steigenden Nachfrage aus. «Die Hinweise verdichten sich, dass das zunehmen wird», sagt sie.

Die Heli-Firmen jedenfalls bewerben ihr Angebot aktiv und scheuen keinen Aufwand, das Angebot zu bebildern, wie das oben gezeigte Foto dokumentiert. Dieser Helikopter der Air Zermatt landete gar nicht auf einem der für die touristische Nutzung vorgesehenen Gebirgslandeplätze, sondern auf dem 3400 Meter ­hohen Mettelhorn. Eine Landung war nur durch einen Passus im Gesetz möglich, wonach zwecks Werbeaufnahmen solche Anflüge gestattet sind.

Swiss Helicopter will auch künftig auf ein entsprechendes Angebot verzichten. Die Firma will es sich mit den Umweltorganisationen nicht verscherzen, zumal diesseits der Alpen auch der Markt für ein entsprechendes Angebot zu klein sei.

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