Hausbesuch beim Paar, das seit über 50 Jahren die Schweizer Design-Szene prägt

Werke von Trix und Robert Haussmann findet man in der Zürcher Kronenhalle, im Basler Hotel Plaza und an vielen weiteren Orten überall in der Schweiz. Jetzt widmen ihnen zwei Liebhaber eine Ausstellung.

Silvia Schaub
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Meilenstein im Werk des damals jungen Innenarchitekten Robert Haussmann: die Kronenhalle-Bar in Zürich. Bild: Fred Waldvogel

Meilenstein im Werk des damals jungen Innenarchitekten Robert Haussmann: die Kronenhalle-Bar in Zürich. Bild: Fred Waldvogel

Ein bisschen wie in einem Spiegelkabinett fühlt man sich, wenn man die Wohnung von Trix und Robert Haussmann im Zürcher Seefeld betritt. Überall Spiegel – auch dort, wo man sie gar nicht erwarten würde: hinter Büchern, in der Küche, im Korridor oder an der Decke in den Eckern. Und manchmal weiss man gar nicht mehr, wo der Raum beginnt und endet.

Ein verschmitztes Lächeln huscht über die Lippen der beiden Designer und Architekten. «Die Spiegel machen überall Sinn», erklärt Robert Haussmann, «weil sie Tiefe, Licht und Eleganz geben.» Sie haben im Falle der Haussmanns wenig mit Eitelkeit zu tun. Spiegel und ihre Wirkung sind vielmehr ein Thema, das sich in vielen ihrer Arbeiten durchzieht. Auch in der aktuellen Ausstellung in der Londoner Herald Street Gallery spielen sie mit Spiegeln und Teppichen.

«Genau diese Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Materialien interessiert und inspiriert uns. Sie bilden einen sinnlichen Kontrast», betont Trix Haussmann. Das gilt auch für die bunten Sessel mit Spiegelunterbau als Hommage an Gerrit Rietveld. Die Bauhaus-Ikone war einst übrigens Robert Haussmanns Lehrer.

Auch im hohen Alter noch voller Tatendrang: Designerpaar Trix und Robert Haussmann. Bild: Andreas Zimmermann

Auch im hohen Alter noch voller Tatendrang: Designerpaar Trix und Robert Haussmann. Bild: Andreas Zimmermann

Gegenseitig bereichert und inspiriert

Obwohl das Ehe- und Designpaar nicht zu den jüngsten in der Branche gehört – Robert feierte vor kurzem seinen 88. Geburtstag, Trix ihren 85. –, arbeitsmüde sind sie trotzdem nicht. «Solange unsere Ideen noch sprudeln, machen wir weiter», sagen sie und schauen sich lachend an. Und sie sind auch noch gefragt, stellen im In- und Ausland ihre Werke aus und produzieren laufend neue dazu.

Seit den 1960er-Jahren, als sie zusammen ein Büro gründeten, gehö­ren Trix und Robert Haussmann zu den prägenden Figuren der Schweizer Architektur- und Designszene und wurden mit vielen Preisen geehrt ( 2013 mit dem Grand Prix Design des Bundesamts für Kultur). Nun würdigt eine Ausstellung in Zürich ebenfalls ihr reiches Schaffen.

Mehrere hundert Projekte haben sie bisher realisiert: Ledersitzmöbel für Knoll, das Streifen-Sideboard für WOGG, den Rollladenschrank für Röthlisberger oder den Beistelltisch für Horgenglarus. Alle sind sie heute Klassiker des Schweizer Designs.

Doch die Möbelobjekte sind nur ein Teil ihres reichen Schaffens. Das Interieur der Kronenhalle-Bar am Bellevue oder des Shopville im Zürcher Hauptbahnhof tragen ebenso ihre Handschrift wie das Hotel Plaza in Basel oder die Erweiterung des Museums Allerheiligen in Schaffhausen. Dieses breite Spektrum hat damit zu tun, dass sich hier eine Architektin und ein Innenarchitekt gefunden haben.

«Oft war es so, dass ein gutes Inneres auch nach den entsprechenden Möbeln verlangte», sagt Trix Haussmann. Als gegenseitige Bereicherung und Inspiration bezeichnen die beiden, die über viele Jahre auch als Dozenten arbeiteten, ihre enge Zusammenarbeit.

«Für uns steht immer das Resultat im Vordergrund und nicht die eigene Selbstverwirklichung. Letztlich ist es egal, wer einem Objekt den entscheidenden Impuls gegeben hat.»

Das spürt man auch im Gespräch. Keiner drängt sich vor, jeder bekommt seinen Raum.

«Zweimal das Gleiche machen wir nie»

Egal ob sie mit Holz, Metall, Leder, Stoff oder Glas arbeiten – immer wieder dringt der leise, spielerische, aber auch kritische Schalk durch. Sie wenden sich oft gegen die Norm, denken und definieren die Dinge neu. «Wir stricken nicht immer am gleichen Pullover», meint Robert Haussmann.

Zeitloser Klassiker: Freischwinger RH-304 von De Sede. Bild: Michael Lio

Zeitloser Klassiker: Freischwinger RH-304 von De Sede. Bild: Michael Lio

Seine Frau ergänzt: «Zweimal das Gleiche machen wir nie.» Sie spielen mit architektonischen Formen und Perspektiven und schaffen mit Materialverfremdung Illusionen, so dass ihre Möbel wie Kunstwerke wirken. So dient der klassizistische Säulenstumpf mit den ausdrehbaren Schubladen als Kommode oder die marmorierte Brücke als Schreibtisch.

Auch Versagen in Kauf genommen

Ihr Pensum haben sie mittlerweile reduziert und beschäftigen auch keine Mitarbeiter mehr. Auch das Reisen werde etwas schwieriger, bedauert Robert Haussmann. Umso mehr freuen sie sich, dass ihnen Joan Billing und Samuel Eberli eine Ausstellung in Zürich widmen und eine Auswahl ihrer Klassiker wie auch einige Prototypen zeigen.

Die Designerin und Trendforscherin sowie der Architekt aus Baden initiierten 2007 Design+Design; sie kuratieren seither jährlich eine Ausstellung über einen Protagonisten der Schweizer Wohnkultur. Sie sind fasziniert vom Werk von Trix und Robert Haussmann, das von Neugier, Experimentierfreude, von handwerklich-technischer Genauigkeit zeuge, «aber auch von ihrem Mut, etwas zu wagen, und auch ein Versagen in Kauf zu nehmen», sagt Joan Billing.

Dennoch lasse sich ihr Werk nicht einfach kategorisieren. Es sei eben mehr als die Verknüpfung zweier Lebensläufe, die von ihren ersten Vorbildern des Bauhauses beeinflusst worden seien, schreiben sie in ihrem Buch über die Haussmanns. «Trix und Robert Haussmann verfolgen eine klare Vision und bleiben dabei nie in der Zeit stehen, bis heute nicht.»

Nur in ihrem Zuhause sieht man kaum eines ihrer Möbel – stattdessen viel Kunst und noch mehr Bücher. Robert Haussmann meint dazu: «Ich würde sie wohl sonst dauernd kritisch unter die Lupe nehmen und mir überlegen, was man noch optimieren könnte. Doch irgendwann muss man sie einfach auch stehen lassen können.»

Tipp:
Trix und Robert Haussmann
Ausstellung bei Löwenbräukunst
Limmatstrasse 268, Zürich
8. Nov.–11. Dez.

sowie

Neue Räume 2019
ABB Eventhalle 550
14. bis 19. Nov.