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Die Mutter des Fast Food

Wanderer und Pendler schätzen es als Verpflegung für unterwegs. Sein Namensgeber ass es wegen seiner Spielsucht – oder wegen seiner Arbeitswut. Das erste Sandwich jedoch hatte einen religiösen Hintergrund.
Tobias Hänni
Ein Sandwich wird selten auf dem Teller serviert – meistens essen wir es, wenn es schnell gehen muss. (Bild: Getty)

Ein Sandwich wird selten auf dem Teller serviert – meistens essen wir es, wenn es schnell gehen muss. (Bild: Getty)

Nun werden sie wieder zuhauf verzehrt, im Alpstein und auf der Rigi. Eingewickelt in Alufolie ­gehören selbstgemachte Sandwiches zu den treuen Begleitern auf jeder Wanderung. Ihre industriell produzierten Kollegen hingegen sind der Treibstoff des ÖV-Pendlers: Sie helfen – meist mässig befriedigend – über den ärgsten Hunger hinweg, wenn zwischen Büro und Zuhause noch eine längere Zugfahrt liegt. Und dann gibt es noch die von Hand zubereiteten und deshalb nicht ganz günstigen aus der Bäcke- rei – als rasche Verpflegung, wenn die Pause zu kurz für einen richtigen Zmittag ist.

Ob in der Freizeit oder bei der Arbeit, wegen Zeitmangel oder mangels Alternativen – wenn es darum geht, schnell und unkompliziert den Hunger zu stillen, gibt es wohl keine beliebtere Mahlzeit als das Sandwich. Es ist die Mutter des Fast Food. Und das schon seit über 250 Jahren.

Zeitnot macht erfinderisch

Seinen Namen verdankt die «doppellagige, belegte Brotschnitte» (Wikipedia) der Zeitnot eines Adligen: John Montagu (1718–1792), der vierte Graf von Sandwich, war ein leidenschaftlicher Cribbage-Spieler. Der englische Diplomat und Staatsmann soll vom Kartenspiel dermassen angefressen gewesen sein, dass er es nicht unterbrechen wollte auch fürs Essen nicht. Deshalb, so die Legende, liess er sich von seinem Diener ein gesalzenes Stück Fleisch zwischen zwei gerösteten Weissbrotscheiben an den Spieltisch bringen. Bald taten es ihm die Mitspieler gleich und bestellten «eins wie Sandwich».

Ob das Sandwich tatsächlich so zu seinem Namen gekommen ist, bleibt allerdings umstritten. Für den britischen Historiker Nicholas A. M. Rodger, der eine Biografie über Montagu verfasst hat, beruht die Geschichte lediglich auf einem Gerücht, das der französische Historiker und Literat Pierre-Jean Grosley damals in die Welt gesetzt hatte. Als Grosley 1765 London besucht, beobachtet er einen «Staatsminister, der 24 Stunden an einem Spieltisch sass, die ganze Zeit dermassen absorbiert, dass seine einzige Verpflegung lediglich ein Stück Fleisch zwischen zwei Scheiben Brot war». Für Rodger ist dagegen viel wahrscheinlicher, dass Montagu zu jener Zeit als Admiral der britischen Flotte und Minister so beschäftigt war, dass er das Abendessen in Form von Sandwiches am Schreibtisch zu sich nahm.

Das erste Sandwich war mit Äpfeln gefüllt

Ob nun die Spielsucht oder die Arbeitswut des vierten Grafs von Sandwich der handlichen Mahlzeit ihren Namen gab: Fakt ist, dass John Montagu nicht der Erste war, der auf die Idee kam, Essen zwischen zwei Scheiben Brot zu packen. Das älteste, schriftlich überlieferte Sandwich wurde im ersten Jahrhundert vor Christus vom berühmten Rabbiner Hillel dem Älteren zubereitet. Der jüdische Gelehrte füllte eine Mischung aus Nüssen, Äpfeln und Gewürzen zwischen zwei Scheiben Matze (ungesäuertes Brot) und reichte es zu bitteren Kräutern. Das Hillel-Sandwich gehört bis heute zum Festmahl des Pessachfestes, an dem die Juden des Auszugs aus Ägypten gedenken.

Der weitaus grösste Teil der Sandwiches wird heutzutage hingegen aus ganz profanen Gründen verzehrt – auch wenn die Verehrung der Mahlzeit gerade in Grossbritannien beinah religiöse Züge annimmt. Jeweils im Mai wird mit der «British Sandwich Week» eine «der grössten kulinarischen Erfindungen des Landes» gefeiert, wie die Schirmherrin, die British Sandwich Association (BSA), auf der Webseite der Jubelwoche freudig mitteilt.

Der Verband hat auch allen Grund zum Feiern: Jährlich werden in Grossbritannien 3,5 Milliarden Sandwiches verkauft, und damit ein Umsatz von rund 7,5 Milliarden Franken erzielt. Über 300000 Menschen arbeiten in der Sandwich-Branche, das sind mehr als in der Landwirtschaft.

Schnell, unkompliziert und günstig

In der Schweiz ist das Sandwich wirtschaftlich von geringerer Bedeutung. Als schnelle Verpflegungsmöglichkeit nimmt es jedoch eine zunehmend gewichtigere Rolle in unserer Ernährung ein. «Mit dem Sandwich kann man sich rasch, unkompliziert und preiswert verpflegen. Das passt zu unseren veränderten Arbeitszeiten und längeren Arbeitswegen», sagt Christine Brombach, Ernährungswissenschafterin am Institut für Lebebensmittel- und Getränkeinnovation der ZHAW in Wädenswil. Dass das Sandwich dabei zu einem Zerfall traditioneller Essgewohnheiten führt, müsse nicht unbedingt sein. «Man kann ein Sandwich natürlich alleine und in aller Eile essen.» Genauso gut könne man es aber auch in einer Gruppe geniessen und sich dafür Zeit lassen. «Das Sandwich ist ein Chamäleon. Es passt sich der Situation, unserem Zeit- und Geldbudget an», sagt Brombach. Genau das mache es so attraktiv.

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