US-Wahlen
Haben Roboter Trump zum Präsidenten gemacht?

Social Bots könnten die Wahl zugunsten von Trump manipuliert haben. Die neue Gefahr der Softwareagenten.

Adrian Lobe
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Donald Trump.

Donald Trump.

KEYSTONE

Donald Trump ist entgegen aller demoskopischen Erwartungen zum US-Präsidenten gewählt worden. Er hat offensichtlich die schweigende Mehrheit zum Urnengang bewegt. Doch womöglich haben ihm nicht nur seine Anhänger zum Sieg verholfen. Unter Donald Trumps 13 Millionen Followern auf Twitter befinden sich laut dem Analyse-Tool TwitterAudit 4,6 Millionen Fake-Accounts, darunter viele Bots, automatisierte Skripte, die Inhalt generieren. Diese Meinungsroboter sorgten nach dem ersten TV-Duell dafür, dass der Hashtag «TrumpWon» zum Trending Topic in den USA auf Twitter avancierte und ein Gegennarrativ zur medialen Erzählung konstruiert wurde, wonach Clinton gewonnen habe.

Eine ganze Bot-Armee bombardiert den Kurznachrichtendienst systematisch mit Propaganda-Material. Der Pro-Trump-Bot @amrightnow hat 33 000 Follower und flutet den Kurznachrichtendienst mit Verschwörungstheorien über Hillary Clinton. Allein von diesem Account wurden während des ersten TV-Duells 1200 Tweets abgesetzt. Trumps polternde Rhetorik wird von einem Dauertremolo der Roboter begleitet. Stündlich feuern sie aus allen Rohren, und in dem Dunstkreis aus Fakes und Halbwahrheiten, der die Faktenlage im Netz zunehmend vernebelt, können Bots die Deutungshoheit erlangen. Das US-Magazin «Atlantic» fragte vor einigen Monaten: «Haben Bots die Wahl 2016 infiltriert?»

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Eine aktuelle Studie des Oxford University’s Project on Computational Propaganda kommt zu dem Ergebnis, dass Meinungsroboter während der drei Präsidentschaftsdebatten die Unterstützung für Trump signifikant hebelten. Vor allem bei der letzten Debatte traten automatisierte Pro-Trump-Accounts als aggressive Agenda-Setter in Erscheinung und feuerten sieben Mal mehr relevante Hashtags als das Clinton-Lager ab. Gut ein Viertel des Twitter-Traffics während der TV-Duelle war automatisiert.

«Wir haben herausgefunden, dass politische Bots eine kleine, aber strategische Rolle in den Präsidentschaftsdebatten gespielt haben», resümieren die Autoren. Computerprogramme haben damit in die Debatte um die TV-Duelle eingegriffen und womöglich Stimmungen gelenkt. Zwar schossen Pro-Clinton-Bots zurück, doch wurden sie von der schieren Masse der Trump-Armee erdrückt. Was die Frage aufwirft: Hat künftig derjenige die Deutungshoheit, der die stärkste Bot-Armee besitzt?

Der Politikwissenschafter Simon Hegelich von der TU München erforscht das Phänomen Social Bots seit Jahren. Er warnt in einer aktuellen Kurzstudie vor den Gefahren: «Bots manipulieren die Trends in sozialen Netzwerken und diese Trends fliessen in politische und wirtschaftliche Entscheidungsprozesse ein.» Das Problem: Bots sind schwer von menschlichen Nutzern zu unterscheiden und man weiss nicht, wer dahintersteckt. Staatliche Akteure, Parteien, Einzelpersonen? Die Programmierung eines Bots ist ein Kinderspiel.

Auch auf der Fotosharing-Plattform Instagram folgen Trump Maschinen. Forscher entdeckten kyrillische Skripte und russische Telefonnummern, was auf eine russische Herkunft der Programmierer schliessen lässt. Haben russische Hacker die US-Wahl manipuliert? Hat womöglich Putin die Trolle von der Leine gelassen, um seinen Favoriten Trump zu unterstützen? Ist Trump mithilfe von Robotern gewählt worden? Darüber kann man nur spekulieren. Die Forscher resümieren: «Es wird deutlich, dass einige Online-Aktivitäten einen signifikanten Einfluss auf den US-Wahlkampf haben.»

Das Leben des Donald Trump
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Donald Trump hat es allen gezeigt - aber wirklich allen.
Donald Trump wird am 20. Januar 2017 als 45. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika vereidigt. In seinem Leben erreichte der Unternehmer aber auch anderes. Hier einige Auszüge aus seinem Leben.
Donald Trumps Frisur ist vielleicht kein Prunkstück der Friseurskunst, aber immerhin ist sein Haar echt; das hat Talkmaster Jimmy Fallon am Donnerstag empirisch bewiesen. (Screenshot Youtube)
Typische Haltung 1.
Typische Haltung 2.
Typische Haltung 3.
Welche Rolle spielte Russland im Wahlkampf von Donald Trump? Dass es Kontakte gab, räumt die russische Regierung am Donnerstag, 10. November 2016, ein.
Gemeinsame Interessen: Russland Präsident Putin und der US-Präsidentschaftskandidat Trump haben etwa in der Aussenpolitik ähnliche Ansichten.
Ein Mischwesen genannt "Trumpusconi": Dieses Bild kursiert derzeit auf Twitter.
Eine schon fast gespenstisch: Im Jahr 2000 sahen die Simpsons-Macher die Wahl Trumps voraus.
Auftritt mit breiter Brust: Donald Trump im Jahr 1984 als Investor des USFL-Teams New Jersey Generals. Kurze Zeitspäter verabschiedete sich Trump mit einem Gerichtsentscheid vom Football-Business.Keystone
Summer Zervos (rechts) mit ihrer Anwältin ist eine der Frauen, die Donald Trump sexuelle Belästigung vorwerfen.
Was ist Realität, was Fiktion? Bei Trump sind die Übergänge fliessend.
Geboren wurde er 1946 in New York. Sein Vater war, wie Donald später auch, ein Immobilienunternehmer. Einer seiner Brüder, Fred, starb an Folgen einer Alkoholkrankheit, eine seiner Schwestern ist Bundesrichterin. Trump verzichtet nach eigenen Angaben vollständig auf Zigaretten und Alkohol.
Trump war drei Mal verheiratet. Hier eröffnen Vater und Tochter Ivanka einen Trump-Tower (2008).
Mit seiner aktuellen Frau, Melania Knauss, zeigte er sich schon 2004. Erst 2006 gaben sie sich das Ja-Wort. Der Partnerschaft entsprang Sohn Barron William.
Trump besitzt die Organisation der Miss Universe Wahlen. Hier im Bild: Der zukünftige Präsident mit Olivia Culpo.
Für die Frauen-Wahlen zog Trump auch kreative Kostüme an, wie hier 2012. Nebenbei trat Trump 2007 auch in den Wrestling-Ring um gegen den WWE-Besitzer Vince McMahon zu kämpfen. Bei seinem Einzug in den Ring liess er 100-Dollar-Scheine regnen.
Trump traf zahlreiche Prominente in seinem Leben: Hier Serena Williams, die bekannte Tennis-Spielerin. (2009)
Trump und die Stars: Mit Golf-Legende Tiger Woods (2013)
Den Boxern George Foreman (l.) und Shannon Biggs (r.) (1997)
Auch ein Stern auf dem bekannten Walk of Fame in Los Angeles wurde ihm verliehen. Der Stern wurde während des Wahlkampfs 2016 zerstört und wieder hergestellt. In mehreren Kinderfilmen hatte Trump einen Auftritt: So etwa in «Kevin – allein in New York», dem zweiten Teil des beliebten Kinderfilms «Kevin – allein zu Haus».
Im Juni 2015 trat Trump offiziell zu den Präsidentschaftswahlen an. Zuerst wurde er nur belächelt. Gerade auf Grund von rassistischen und beleidigenden Aussagen wurde er lange nicht als ernsthafter Anwärter angesehen.
Doch mit seinem Slogan «Make America great again» schlug er nicht nur jeden Republikaner, sondern am Ende die Demokratin Hillary Clinton im Rennen um das Präsidentenamt.
Trumps Büste im Wachsfigurenkabinett in Madrid.

Das Leben des Donald Trump

AP