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Hautausschlag in den Ferien? Ab zum Online-Doktor! In St.Gallen entwickelte App bietet erste Einschätzung

Ausgewiesene Dermatologen behandeln Patienten auch online, etwa über eine in St.Gallen entwickelte App. Neu hat sich das Luzerner Kantonsspital dem digitalen Service angeschlossen.
Rahel Lüönd
Könnte dieser Leberfleck gefährlich sein? Eine erste Einschätzung kann der Dermatologe auch online vornehmen. (Bild: Benjamin Manser)

Könnte dieser Leberfleck gefährlich sein? Eine erste Einschätzung kann der Dermatologe auch online vornehmen. (Bild: Benjamin Manser)

Endlich sind Sie in den wohlverdienten Ferien am Mittelmeer angekommen – doch nach ein paar Tagen Entspannung breitet sich ein hässlicher Ausschlag auf Ihren Unterarmen aus. Sollen Sie in eine lokale Apotheke oder zu einem Arzt vor Ort?

Dritte Möglichkeit: Die Konsultation eines Schweizer Dermatologen Ihres Vertrauens. Auf der webbasierten App onlinedoctor.ch können Sie einen Dermatologen auswählen, Fotos hochladen und spezifische Fragen in der Dialogbox beantworten. Philipp Wustrow sagt:

«Der ausgewählte Hautarzt kümmert sich innert 48 Stunden um das Anliegen und gibt seine Einschätzung ab, worum es sich handeln könnte und ob der Patient sich in einer Praxis einfinden sollte.»

Der St.Galler ist einer der Gründer von ­onlinedoctor.ch. In vier von fünf Fällen ist ein physischer Arztbesuch danach nicht mehr nötig. Höchstwahrscheinlich können Sie aufatmen und Ihre Ferien weiterhin geniessen.

Unprofessionelle Kanäle

Entstanden ist die Idee für einen digitalen Ärztedienst aufgrund eines zunehmenden Problems. Dermatologen erhielten immer wieder Fotos und Anfragen zu Hautproblemen per E-Mail, Whatsapp oder SMS. Die Anliegen waren oft sehr unvollständig formuliert und konnten erst nach Rückfragen beantwortet werden. Eine mühsame Sache.

Und überhaupt: Wie rechnet man solche Fälle ab? Wer garantiert den Patienten Datenschutz? Die neuen digitalen Kanäle ermöglichten zwar ein schnelles, unkompliziertes Abwickeln von einfachen Fällen, dabei kam aber die Professionalität abhanden.

Mit genau diesem Problem gelangte der Dermatologe Paul Scheidegger im Rahmen eines Unternehmerseminars der Universität St.Gallen an die Dozenten Tobias Wolf und Philipp ­Wustrow. Ihre darauf folgende Untersuchung belegte, dass die meisten Dermatologen mit den gleichen Schwierigkeiten zu kämpfen hatten.

Innert weniger Monate gründete das Trio das Start-up onlinedoctor.ch. Anfang 2018 startete der digitale Service. Im letzten halben Jahr wurden laut Anbieter mehrere tausend Fälle behandelt, auch von St.Galler und Luzerner Dermatologen.

«Dr. Google ist allgegenwärtig»

Das Luzerner Kantonsspital (Luks) ist seit einigen Wochen mit im Boot. Christoph Brand, Chefarzt am Zentrum für Dermatologie und Allergologie am Luks: «Viele Patienten haben nur wenig Zeit, und gerade bei jüngeren Leuten ist Dr. Google allgegenwärtig, deshalb fanden wir einen seriösen digitalen Kanal nahe­liegend und zeitgemäss.»

Er habe in der letzten Woche etwa sechs Fälle über «OnlineDoctor» erhalten und nur in einem davon die Empfehlung ­abgegeben, einen Arzt aufzusuchen.

Einfachere Diagnosen wie ein klassisches Blutschwämmli könnten problemlos nur aufgrund eines Fotos gestellt werden.

Um die Bagatellen von den akuten oder komplexen Fällen zu unterscheiden, eigne sich die Plattform sehr gut.

Diesen Vorteil hebt auch der St.Galler Dermatologe Daniel Zuder in einem Werbevideo für die neue Plattform hervor. Das ist für ihn als Arzt ein grosser Vorteil, aber auch für die Patienten, ­welche die Möglichkeit haben, niederschwellig Zugang zu einer qualifizierten dermatologischen Auskunft zu bekommen. Nicht zuletzt können nun die Anfragen von Hausärzten, vor einer Überweisung an Fachleute, koordiniert über diesen Kanal ablaufen.

Hautkrebs vor Ort bestimmen

Trotzdem geht das Luzerner Kantonsspital grundsätzlich vorsichtig mit den Ferndiagnosen um. Chefarzt Christoph Brand sagt:

«Bei diesem Medium bleibt eine gewisse Restunsicherheit und es ist nicht ausgeschlossen, dass ein Fehler passieren kann. Wir müssen in der Kommunikation deshalb sehr transparent sein.»

Der Arzt informiere die Patienten deutlich, dass es sich um eine Vermutung oder eine Einschätzung handelt. Generell gilt, dass im Zweifelsfall ein Arztbesuch empfohlen wird. Speziell bei Muttermalen kann ein Arzt nur bestimmen, ob es sich um Hautkrebs handelt, wenn er ein hochauflösendes Mikroskop zur Verfügung hat. Hier dient der «On­line-Doctor» deshalb primär zur Beurteilung, wie dringend das Muttermal gezeigt werden muss.

Glaubwürdigkeit muss garantiert sein

Brand gibt zu bedenken, dass auch ein Besuch in der Praxis nur eine Momentaufnahme ist: «Ich informiere natürlich sowohl die Patienten vor Ort wie auch jene auf dem digitalen Kanal darüber, dass es eine Neubeurteilung braucht, wenn das Hautproblem nicht verschwindet oder schlimmer wird.» Ebenfalls aus Gründen der Qualitätssicherung hat das Luzerner Kantonsspital nur ihre Kaderärzte auf der Plattform aufschalten lassen.

Auch die Glaubwürdigkeit des «Online-Doctor» steht in engem Zusammenhang mit der Arbeit der darauf abrufbaren Dermatologen. «Wir haben sehr hohe Qualitätsansprüche», sagt Phi­lipp Wustrow. Wer sich als Dermatologe dem Online-Dienst anschliessen will, wird stets persönlich vom «Online-Doctor»-Team in seiner Praxis besucht und mit dem System vertraut gemacht.

Das Verfahren soll sicherstellen, dass die Fernbehandlungen seriös und kompetent erfolgen. In rechtlicher Hinsicht hat sich der Ärztedienst abgesichert: Grundsätzlich spricht er nicht von Diagnosen, sondern von medizinischen Einschätzungen. Ausserdem werden keine Medikamente oder Rezepte, sondern nur Therapieempfehlungen abgegeben.

55 Franken pro Anfrage

Wer den «Online-Doctor» in ­Anspruch nimmt, bezahlt dafür ­ 55 Franken. Der Grossteil davon geht an den behandelnden Arzt, die Plattform erhält eine Provision. Den Aufbau und die Weiterentwicklung finanziert das St. Galler Start-up unter anderem mithilfe von Investoren. Von den Krankenkassen wird die Dienstleistung bis anhin nicht anerkannt. Die CSS verweist aber als erste Kasse auf ihrer Webseite auf den Haut-Check und gewährt ihren Kunden 20 Prozent Rabatt.

Sie bewirbt das Angebot prominent mit dem Argument, ein Hautproblem schnell online prüfen zu lassen, statt wochenlang auf einen Termin zu warten. Damit scheint «Online-Doctor» den Nerv der Zeit getroffen zu haben.

Die Dermatologen sind froh, dass sie weniger Administration zu bewältigen haben und die einfachen Fälle rasch digital erledigen können. Das Gleiche gilt für die Patienten selber: Vielbeschäftigte Leute können ihre Unsicherheiten klären, ohne dafür einen Termin ausser Haus wahrnehmen zu müssen. Der «Online-Doctor» behandelt zudem zahlreiche ältere Personen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind und beispielsweise über eine Pflegerin eine Anfrage machen.

Expansion ins Ausland geplant

Im Sommer ist denn auch die Expansion nach Deutschland und Österreich geplant. Andere medizinische Disziplinen zeigten ­zudem bereits Interesse an der Web-App, die vom Namen her bewusst offen gehalten wurde. Im Moment sind die Kapazitätsgrenzen des Start-ups aber erreicht. «Wir haben gemerkt, dass der Markt der Dermatologie für uns schon recht gross ist», sagt Philipp Wustrow. Als Vision sei eine Weiterentwicklung für andere Bereiche zwar immer noch denkbar, im Moment fokussiere der «Online-Doctor» aber ganz auf die Dermatologie.

www.onlinedoctor.ch

Gratis-Check von verdächtigen Hautpigmenten

Wer eine Hautveränderung lieber persönlich von einer Dermatologin oder einem Dermatologen beurteilen lassen möchte, hat in der Woche vom 13. bis 17. Mai Gelegenheit dazu. In dieser Woche findet die jährliche Hautkrebs-Vorsorgekampagne statt. Sie steht diesmal unter dem Motto «Schützen Sie sich vor UV-Strahlung». Die Kampagne hat zum Ziel, die Bevölkerung dafür zu sensibilisieren, auffällige Pigmentmale früh von einer Fachperson untersuchen zu lassen. Eine zentrale Dienstleistung besteht darin, dass man sich zwischen dem 13. und 17. Mai für eine kostenlose Erstuntersuchung von verdächtigen Pigmenten bei den an der Aktion beteiligten Spitälern und Praxen anmelden kann (ab
1. Mai unter www.melanoma.ch. In der Regel haben diese einen halben oder einen ganzen Tag für die Aktion reserviert. Meist ist eine Anmeldung nötig, und die Platzzahl ist begrenzt.
Oft wird ein kurzer Ganzkörperuntersuch gemacht, denn gefährliche Hautveränderungen sind oft nicht jene, die am auffälligsten sind oder «ganz bös» aussehen.

Auf der Seite www.melanoma.ch sind ab 1. Mai die beteiligten Spitäler und Praxen aufgelistet.

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