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Sanfter Tourismus: Grüne Welle erfasst Südindien

Die Bergwelt Südindiens ist noch ein Geheimtipp. Noch fehlt es an Umweltbewusstsein, und mit dem Etikett «Öko» wird teilweise Schindluder betrieben, um Geschäfte zu machen. Doch einige Naturschützer und ­Reiseveranstalter wollen dies ändern und gehen nun mit grünem Beispiel voran.
Angela Bernetta
Bengalischer Tiger im Nagerhole-Nationalpark. Ohne Schutz wären diese Tiere bereits ausgerottet worden. (Bild: Manoj N. Narayanan)Bengalischer Tiger im Nagerhole-Nationalpark. Ohne Schutz wären diese Tiere bereits ausgerottet worden. (Bild: Manoj N. Narayanan)
Die Jeeps fahren ihre Routen so, dass die Tiere nicht gestört werden. (Bild: Jaishankar T.M.)Die Jeeps fahren ihre Routen so, dass die Tiere nicht gestört werden. (Bild: Jaishankar T.M.)
Die Hotelgruppe CGH Earth schont die Umwelt. (Bild: CGH Earth)Die Hotelgruppe CGH Earth schont die Umwelt. (Bild: CGH Earth)
Die Öko-Resorts von Praveen Muraleedharan sind in die Natur eingebettet. (Bild: Angela Bernetta)Die Öko-Resorts von Praveen Muraleedharan sind in die Natur eingebettet. (Bild: Angela Bernetta)
Ornithologe Rjiv Sugathan sensibilisiert Schulkinder für den Vogelschutz. (Bild: Angela Bernetta)Ornithologe Rjiv Sugathan sensibilisiert Schulkinder für den Vogelschutz. (Bild: Angela Bernetta)
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Grüne Welle erfasst Südindien

Gelangweilt dreht er den Kopf nach rechts: Shir Khan, der König des indischen Dschungels, liegt etwa 200 Meter von unserem Jeep entfernt auf einem Feldweg und gähnt. Im Geäst lärmen die Vögel, Affen springen aufgeregt von Baumkrone zu Baumkrone. Alle anderen Waldbewohner haben sich verzogen. «Quiet», mahnt unser Fahrer Anil und lässt das Fahrzeug bis wenige Meter an die Raubkatze heranrollen. Der Königstiger bleibt entspannt. Er ist offenbar an Menschen im Jeep gewöhnt. Als sich ein viertes und fünftes Safarifahrzeug nähern, faucht er, steht auf und verschwindet majestätisch gelassen im nahen Unterholz.

50 Reservate für 2300 Tiger

Der Nagerhole-Nationalpark im südindischen Bundesstaat Karnataka ist eines von über 100 nationalen Wild- und Naturschutzgebieten Indiens. Auf einer Fläche von knapp 643 Quadratkilometern lassen sich Tiger, Leoparden, Bären, Elefanten, Hirsche, Affen und Büffel in freier Wildbahn beobachten. Naturforscher Ravi Mani sagt:

«Will man Raubtiere sehen, braucht man allerdings Geduld.»

Er begleitet die Besuchenden, die zweimal täglich in einem der 16 Jeeps in den Nationalpark ausschwärmen. «Wir kanalisieren die Touristenströme, lassen die Jeeps unterschiedliche Routen fahren», ergänzt er. So bleiben die Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum weitgehend ungestört.

Die indische Regierung bemüht sich nicht erst seit gestern um nachhaltigen Natur-, Landschafts- und Wildschutz. Dabei hat sie vor allem den Tourismus und die damit einhergehende, wichtige Einnahmequelle im Auge. Allein für die etwa 2300 verbleibenden, wildlebenden bengalischen Tiger sind 50 Reservate errichtet worden. «Ohne diesen Schutz wären die Tiger längst ausgestorben», sagt Ravi Mani.

Fehlendes Umweltbewusstsein

In Kerala, einem Bundesstaat im Südwesten des Landes, werden auf knapp 2500 Quadratkilometern 22 geschützte Natur- und Wildparks verwaltet. Dies entspricht etwa einem Viertel des gesamten Waldgebiets im Bundesstaat. «Wenige Bereiche innerhalb dieser Pärke sind für Touristen zugänglich», sagt Rajiv Sugathan, Ornithologe im Vogelschutzgebiet Thattekkad in Kerala. Der Wissenschafter ist durch seine Forschung an endemischen und migrierten Vogelarten bekannt geworden. Den Lebensraum der Wildtiere und Vögel sieht der 68-Jährige allerdings durch die rasant wachsende Bevölkerung bedroht. Huftiere weichen auf Futtersuche in Wohngebiete aus. Raubkatzen schleichen um die Hütten und werden nicht selten zur Bedrohung. Auch ein nachhaltiges Umweltbewusstsein kann der Ornithologe bei seinen Landsleuten nicht erkennen.

«Sie sind laut und werfen den Abfall achtlos weg.»

Dem begegnen die Mitarbeitenden des Vogelschutzgebietes mit aufklärenden Exkursionen, Vorträgen und Broschüren. «Insbesondere Schulkinder versuchen wir für den Schutz der Vogelwelt zu sensibilisieren.» Dies zwar nicht ohne Erfolg, wie Vogelspezialist Rajiv Sugathan sagt.

«Doch, solange die Regierung mehr auf wirtschaftlich einträgliche Projekte als auf Umweltschutz setzt, lässt sich wenig bewegen.»

«Man sollte uns Forschern mehr Einfluss zum Schutz der Vögel und Wildtiere einräumen.» Der Begriff «Öko» werde inflationär verwendet, kritisiert Praveen Muraleedharan, Wildtierfotograf und Inhaber von Team Ecoventures, einem Unternehmen für nachhaltiges Reisen in Kerala. «Damit lässt sich Geld verdienen.» Der 33-Jährige erzählt von einer internationalen Hotelkette, die in der keralesischen Stadt Kochi grossflächig Mango-Plantagen abholzen liess. Den Neubau bewarben sie mit dem Zusatz «Öko», da in den Zimmern weitgehend auf Plastik verzichtet wurde. «Ein System, das so etwas duldet, ist korrupt», findet der Wildtierfotograf. «Auch fehlt es hierzulande an ökologischem ­Bewusstsein, einer nachhaltigen Abfallwirtschaft, an entsprechenden Richt­linien und Vorschriften.» Wilderei, Massentourismus in den Naturschutzgebieten, Lärm und Abfallberge seien nur einige der Folgen.

Handeln statt jammern und Glas statt Plastik

Nicht nur klagen, sondern zeigen wie es geht, befand Praveen Muraleedharan kurzerhand und realisierte Resorts mit ökologischen Grundsätzen. «Wir möchten mit unseren Angeboten keine Zimmer, sondern die Region anpreisen, die es zu schützen gilt», sagt er. Deshalb schafft er Arbeitsmöglichkeiten für die lokale Bevölkerung, bevorzugt hiesige Baumaterialien und Nahrungsmittel, schärft mit Wanderungen und Velofahrten durch das hügelige und üppig bewachsenen Hinterland Keralas das Bewusstsein für die Gegend und schützt so die Pflanzen- und Tierwelt. Reisenden stehen erfahrene Guides zur Seite, die sie durch die Regenwälder und Teeplantagen der Westghats führen und auf Wildtiere wie Elefanten und verschiedene Vogelarten aufmerksam machen. Insbesondere während der heissen Sommermonate bietet das kühle Klima im keralesischen Hinterland ideale Voraussetzungen für Aktivferien.

Am Anfang war es für Praveen Muraleedharan jedoch schwierig, sich mit ökologischen Richtlinien im Reisemarkt zu positionieren. «Als wir den Anbietern beispielsweise erklärten, dass wir anstelle von Plastikflaschen Glasflaschen in unseren Resorts verwenden, sorgten sich nicht wenige um die Hygiene des Inhalts.» Doch das Konzept hat sich durchgesetzt, die Unterkünfte sind gut gebucht. Dem Jungunternehmer liegen heute verschiedene Projekte aus dem ganzen Land vor, die ähnliche Angebote vorsehen.

Wegbereiter des grünen Tourismus

Grüne Stimmen vernimmt man auch von der Hotelgruppe Casino Group Hotels (CGH) Earth in Kochi Kerala. Es war ­Joseph Dominic Senior, Gründer des Unternehmens, der seinen Söhnen den Respekt vor der Umwelt, vor dem Leben in Gemeinschaft und dem regionalen Ethos beibrachte. «Wir sind mit Werten aufgewachsen, die nicht zu verhandeln sind», sagt Jose Dominic, Direktor von CGH Earth. «Wir verwenden natürliche Materialien und Rohstoffe aus der Region», sagt Melissa Caesar, Kommunikationsverantwortliche von CGH Earth. «Der Fokus liegt aber nicht nur auf dem respektvollen Umgang mit der Natur. Wir beschäftigen Menschen aus der Region, zahlen faire Löhne und unterrichten die lokale Bevölkerung in biologischer Landwirtschaft.» Zu Beginn seiner Karriere hätte sich Joseph Dominic Senior wohl kaum träumen lassen, wie erfolgreich sein Konzept dereinst sein wird. Mit 19 nachhaltig geführten, edlen Öko-Resorts insbesondere in Kerala gehört das Unternehmen aber nicht nur zu den Wegbereitern des grünen Tourismus in Südindien, sondern nach wie vor auch zu den Ausnahmen.

Ein schmaler Streifen Land voller Naturschönheiten und kultureller Schätze

Kerala gehört zu den kleinsten indischen Bundesstaaten. Auf einer Fläche von knapp 39 000 Quadratkilometern leben 35 Millionen Menschen. Hinsichtlich Alphabetisierungsgrad, gesellschaftlicher Stellung der Frau, wirtschaftlicher Entwicklung, Kontrolle des Bevölkerungswachstums belegt Kerala einen der Spitzenplätze im Land. Die Bevölkerung setzt sich zu je einem Drittel aus Christen, Hindus und Muslime zusammen.
Anreise  Flughäfen in Thiruvananthapuram (Trivandrum), Kozhikode (Calicut), Kannur und Kochi (Cochin) erreicht man ab Zürich, Genf oder Basel mit Airlines wie Emirates, Qatar Airways, Oman Air oder Etihad Airways (mit Zwischenlandung). Seit kurzem ist der Internationale Flughafen in Kannur im Norden von Kerala offen.
Einreise  Schweizer benötigen nebst Reisepass ein vorab eingeholtes Visum. Weitere Infos: http://in.vfsglobal.ch
Währung  100 Rupien entsprechen rund Fr. 1.50.
Impfen  Infos dazu gibt es via www.safe travel.ch oder beim Tropeninstitut der Universität Zürich via www.ebpi.uzh.ch/de/services/travelclinic.html.
Nachhaltig reisen  Indische Reiseunternehmen mit nachhaltigen Angeboten: www.nectarhospitality.in und www.sanchariholidays.com bieten sanften Tourismus in den Westghats, dem hügeligen Hinterland Keralas, an. Dies in bewusst klein gehaltenen Resorts mit wenig Zimmern. Es gibt auch attraktive Angebote für Campingferien.
Sprache  In Kerala wird Malayalam gesprochen. Englisch wird verstanden.
Zeitzone  MEZ plus 3½ (Winter) und 4½ Stunden (Sommer).

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