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Zimmerpflanzen sind die neuen grünen Helden: Sie reinigen sogar die Luft

Willkommen, all ihr Drachenbäume, Elefantenfüsse und Flamingoblumen! Genug lange haben wir euch als spiessige Staubfänger verpönt. Dabei verbessern Zimmerpflanzen sogar die Gesundheit.
Silvia Schaub
Die Monstera ist der Liebling der Designer.
Der Gummibaum möchte nicht zu oft gegossen werden.
Die Flamingo-Blume blüht das ganze Jahr durch.
Die genügsame Bergpalme kommt mit wenig Licht aus. (Bild: Bilder: Getty)
4 Bilder

Grüne Helden reinigen die Luft

Spätestens jetzt, wo die Tage ­kürzer und kälter geworden sind, wollen wir ein Stück Natur ins Haus holen – vor allem seit Zimmerpflanzen nicht mehr mit Spiessigkeit gleichgesetzt werden. Vielmehr sind sie zum unverzichtbaren Einrichtungsaccessoire geworden. Mit gutem Grund, sind sie doch nachhaltiger als Schnittblumen, bringen Leben in die Räume und erweisen sich in der Regel erst noch weniger zeitintensiv als ein Haustier.

Die Urban-Jungle-Bewegung hat sogar eine Art Leitfigur erhalten: die Monstera.

Das Köstliche Fensterblatt, wie sie auf Deutsch heisst, muss für manches herhalten. Auf Sofakissen, Vorhängen, Bettwäsche, Shirts oder Wand­tattoos taucht sie auf. Wer das nun peinlich findet, kann sich darauf berufen, dass schon Charles und Ray Eames, die Design-Ikonen schlechthin, ihr Haus damit geschmückt hatten.

Sie werden umsorgt wie kleine Kinder

Doch auch wenn der Anblick einer grünen Umgebung durchaus beruhigend und erfrischend wirkt, reicht das heute vielen nicht mehr. Also werden echte Pflanzen angeschafft, die umsorgt werden wie kleine Kinder. «Das ist eine sinnerfüllte Tätigkeit, die belohnt wird», findet Ursula Kopp, Autorin des Buchs «Saubere Luft mit Zimmerpflanzen». «Sich mit ihnen zu beschäftigen, gibt einem das Gefühl, mit der Umwelt in Einklang zu sein.» Nicht weiter erstaunlich, dass auch Gudrun Ongania, Geschäftsführerin und Gründerin von Veg and the city in Zürich und Winterthur, vor allem in den Wintermonaten eine grosse Nachfrage feststellt. Und wen wundert’s: Obenauf schwingt die Monstera. «Aber auch kleinere Zimmerpflanzen und Sukkulenten sind sehr beliebt.»

Seit 2016 hat sich der Umsatz von Zimmerpflanzen jeweils jährlich verdoppelt.

Deshalb wird sie im nächsten Jahr voraussichtlich auch einen entsprechenden Kurs in ihr Programm aufnehmen. Denn auch wenn die meisten Pflanzen als pflegeleicht gelten, gibt es für Gudrun Ongania doch drei wichtige Punkte zu beachten: 1. Die Pflanze braucht einen genügend grossen Topf. 2. Es braucht die richtige Pflanze für den richtigen Standort. 3. Die Pflanze muss regelmässig gegossen werden.

Gut für Körper, Kreativität und Konzentration

Sich Zimmerpflanzen als Zierde anzuschaffen, ist das eine. Das andere ist: Sie wirken auch wohltuend auf unseren Körper, fördern die Konzentration und Kreativität und sind sogar entgiftend. Das ist in geschlossenen Räumen besonders wichtig. Schliesslich atmen wir täglich zehn bis zwanzig Kubikmeter Luft ein. Bei all den Anstrichen, Polstermöbeln und sonstigen giftigen Stoffen im Haus ist das nicht ohne. Aber es gibt ein paar Helden unter den Zimmerpflanzen (siehe Box), die das Raumklima genauso gut verbessern können wie Luftbefeuchter oder Klimageräte.

Dazu gibt es sogar eine Studie der Nasa.

Sie zeigt auf, dass Zimmerpflanzen die Konzentration von Formaldehyd, Benzol, Xylol, Trichlorethylen und anderen Schadstoffen in geschlossenen Räumen erheblich verringern können.

Detox heisst das Schlagwort und klingt schon fast wie eine Verheissung – nur dass man die Arbeit den Pflanzen überlassen kann. In ihrem kürzlich erschienenen Buch «Saubere Luft mit Zimmerpflanzen» erklärt Ursula Kopp, wie das funktioniert. Die Pflanzen erhöhen nämlich nicht nur die Luftfeuchtigkeit (90 % des Giesswassers geht wieder in die Luft) und die Sauerstoff­konzentration, indem sie Kohlendioxid in Sauerstoff umwandeln, sondern verringern auch den Anteil der schwebenden Staubpartikel. Denn diese setzen sich auf den Pflanzenblättern fest, wenn die Raumluft über ausreichende Feuchtigkeit verfügt.

Staubfilter: Usambara, Gummibaum und Birkenfeige

Besonders effizient ist das Usambara­veilchen mit seinen samtigen Blättern. Aber auch der Gummibaum oder die Birkenfeige ­wirken als grüne Staubfilter. ­ Ein Transpirationssog sorgt dafür, dass eine Pflanze über ihre Blätter ständig einen Wasserdampf abgibt, wodurch rund um die Pflanze eine Luftströmung entsteht. Der Dampf steigt nach oben, die Zimmerluft wird nach unten in die Erde gezogen, wo die Schadstoffe durch Mikroben unschädlich gemacht werden. Diese Effekte lassen sich optimieren, indem man Pflanzen mit dichtem oder grossem Blätterwerk wählt.

Die grünen Detox-Helden arbeiten aber auch direkt über die Blätter, wo sie Gase aufnehmen und in die Wurzeln weiterleiten.

Dort dienen sie den Mikroorganismen als Nahrung. Alleskönner sind die Pflanzen natürlich trotzdem nicht, deshalb ist ein ausreichendes Lüften nach wie vor wichtig.

Pflanzen prominent in Szene setzen

Was es für den Dschungel zu Hause ausser der richtigen Pflanzenwahl bedarf, ist ein guter Standort. Die meisten Zimmerpflanzen brauchen einen hellen, warmen Platz. Einige brauchen auch eine halbschattige und feuchte Umgebung, andere sogar Schatten und Kühle. Was die Lichtverhältnisse angeht, sollte man sich aber nicht nur auf die eigenen Augen verlassen. Denn wir empfinden Licht oft schon als hell, wenn es den Pflanzen bereits zu dunkel ist. Kopp geht in ihrem Buch auch darauf ein, wie man düngt, umtopft und teilt.

Einen Rat noch zuletzt: Setzen Sie die Helden prominent in Szene und schieben Sie sie nicht irgendwo hinter ein Sofa oder auf ein verstecktes Fensterbrett. Man soll schliesslich sehen, wer uns so viel Gutes tut.

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