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Facebook: Bald ein grosser digitaler Friedhof?

Laut einer aktuellen Oxford-Studie könnte 2070 die Zahl toter Facebook-Nutzer die der lebenden Nutzer übersteigen.
Adrian Lobe
Facebook-Logo (AP Photo/Richard Drew, File)

Facebook-Logo (AP Photo/Richard Drew, File)

Facebook hat mit knapp 2,4 Milliarden Nutzern mehr Mitglieder als die Katholische Kirche mit 1,3 Milliarden. Doch Facebook könnte sich zum grössten digitalen Friedhof entwickeln. Laut einer Studie der Universität Oxford werden bis zum Jahr 2100 4,9 Milliarden «Zombie-Accounts» das soziale Netzwerk bevölkern – also Profile von verstorbenen Nutzern. Bereits 2070 könnte die Zahl der toten Nutzer die der lebenden übersteigen.

Konten in Gedenkzustand versetzen

Die höchste geografische Verteilung toter Profile würde laut den Prognosen 2100 in Asien liegen – dort wäre fast jedes zweite Facebook-Mitglied verstorben. Die Analyse der Oxford-Forscher ist keine blosse Rechenspielerei, sondern wirft zentrale Fragen der Erinnerungskultur auf: Wie geht man mit dem digitalen Erbe von Verstorbenen um? Facebook bietet die Möglichkeit, Konten in den Gedenkzustand zu versetzen. Auf dem Profil der verstorbenen Person wird dann vor ihrem Namen der Hinweis «In Erinnerung an» angezeigt. Nutzer können vor ihrem Ableben einen Nachlasskontakt bestimmen oder verfügen, dass ihr Konto nach dem Tod gelöscht wird. Die meisten Nutzer kümmern sich jedoch nicht um ihren digitalen Nachlass, sodass das Profil bestehen bleibt, was zuweilen zu makabren Ereignissen führt. So hat Facebooks Algorithmus in der Vergangenheit wiederholt vorgeschlagen, einen verstorbenen Cousin als Freund hinzuzufügen oder dem toten Bruder zum Geburtstag zu gratulieren.

Facebook-Managerin Sheryl Sandberg kündigte vor wenigen Wochen an, dass das Unternehmen Künstliche Intelligenz (KI)einsetzen werde, um Profile verstorbener Nutzer zu erkennen, die noch nicht in den Gedenkzustand versetzt wurden – und pietätlose Vorgänge wie Freundschaftsanfragen aus dem Jenseits zu unterbinden.

Das pralle Leben wird abgebildet

Die Frage ist nur, ob es im Interesse des Verstorbenen ist, dass sein Profil weiter einsehbar ist – oder ob es nicht so etwas wie ein automatisches Erlöschen digitaler Existenzen geben müsste. Selbst im Gedenkzustand ist ein Facebook-Profil mehr als ein virtueller Grabstein. Es erzählt mit seinen Fotoalben, Kommentaren und Videos das pralle Leben – als wäre die Person noch am Leben. Die Frage ist, wie das Erinnern und Vergessen in einer digitalen Wissenschaftsgesellschaft organisiert wird. Diese Selektion, darauf verweisen die Oxford-Forscher, wird im Falle Facebooks von ökonomischen Interessen überlagert. Die in den Gedenkzustand versetzten Profile dienen weiter dazu, dass Nutzer Zeit im sozialen Netzwerk verbringen, weshalb Facebooks Interesse, Profile nach dem Tod automatisch zu löschen, gering sein dürfte. Auch könnten Daten verstorbener Nutzer – etwa Gesichter – dazu genutzt werden, KI-Systeme zu trainieren. Die Wissenschaftler fordern daher ethische Leitlinien, um die Datennutzung verstorbener Facebook-Mitglieder zu regulieren.

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