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Anatomie und Heiligenschein: «Goethe in der Campagna» im Detail

Christina Genova

1. Anatomische Mängel Nur ein Fuss Goethes berührt den Boden. Die halb liegende Haltung verleiht der Gestalt des Dichters etwas Schwebendes. Auffällig sind die anatomischen Mängel: Goethes linker Oberschenkel erscheint unnatürlich lang. Ausserdem ist nicht nachvollziehbar, wie die Beine unter dem Reisemantel mit dem Torso verbunden sind. Seltsam auch, dass Goethe offensichtlich zwei linke Füsse hat. Dies zeigt sich sowohl an deren Haltung als auch an den Schuhen. Möglicherweise wurde der zweite linke Fuss nicht von Tischbein, sondern nach seiner Abreise aus Neapel von einem Laienmaler vollendet.

2. Fantasielandschaft Im Hintergrund ist keine reale, sondern eine Fantasielandschaft nach dem Vorbild der Campagna Romana dargestellt. Diese Hügellandschaft erstreckt sich im Norden, Osten und Süden Roms. Rechts sieht man die Ruinen eines römischen Aquädukts, in der Mitte das runde Grabmal der Caecilia Metella, der Tochter eines römischen Konsuls. Es wurde im Mittelalter zu einer Festung ausgebaut und befindet sich in Wirklichkeit an der Via Appia.

3. Trümmer der Antike Goethe ruht auf einem umgestürzten ägyptischen Obelisken. Dahinter ist ein mit Efeu bewachsenes griechisches Marmorrelief sichtbar. Dargestellt ist die Begegnung zwischen Iphigenie und ihrem Bruder Orest. Tischbein wählt diese Szene, weil Goethe in Italien die Versfassung des Bühnenstücks «Iphigenie auf Tauris» vollendet hat. Rechts ist das Bruchstück eines römischen Kapitells zu ­sehen. All diese antiken Überreste hat Tischbein bewusst arrangiert, weil er gemäss eigener Aussage Goethe darstellen wollte, wie er «… über das Schicksal der menschlichen Werke nachdenket», also über die Vergänglichkeit der Welt.

4. Goethes Heiligenschein In Tischbeins Porträt zeigt sich seine Verehrung für den Dichter. Er gibt Goethe einen Hut mit breiter Krempe, die wie ein dunkler Heiligenschein wirkt. Der grosse Hut war damals in Rom unter deutschen Künstlern Mode. Goethes ­sinnender Blick geht in die Ferne. Seine ­Gesichtszüge sind idealisiert. Tischbein malt Goethe als Dichterfürsten, souverän und lebensgross: Das Gemälde misst 206 auf 164 Zentimeter.

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