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Goethe hat zwei linke Füsse

Unsere Serie der Meisterwerke: «Goethe in der Campagna» ist eine Ikone, die das Bild des berühmten Dichters nachhaltig prägte. Den Maler Johann Heinrich Wilhelm Tischbein kennt hingegen kaum jemand.
Christina Genova
Tischbein malt Goethe als Dichterfürsten umgeben von Relikten der Antike, von welcher beide gleichermassen begeistert waren. (Bild: Getty)

Tischbein malt Goethe als Dichterfürsten umgeben von Relikten der Antike, von welcher beide gleichermassen begeistert waren. (Bild: Getty)

Niemand darf von seiner Italienreise ­erfahren. Johann Wolfgang von Goethe reist klammheimlich aus Weimar ab. Der 37-jährige Dichter ist inkognito unterwegs und nennt sich Filippo Miller. Grund für seinen Aufbruch ist eine Schaffenskrise, und auch privat läuft es nicht rund: Seine Beziehung zu Charlotte von Stein bleibt zu seinem Bedauern rein platonisch.

Intensive Männerfreundschaft

Ende Oktober 1786 erreicht Goethe Rom. Schon am Tag nach seiner Ankunft zieht er in das von Johann Heinrich Wilhelm Tischbein (1751–1825) und anderen Künstlern bewohnte Haus am Corso ein. Kurz danach beginnt Tischbein, Goethe zu malen. Der Künstler bezieht in jener Zeit ein Stipendium, das ihm der Dichter vermittelt hat. Bald schon entwickelt sich zwischen den ­beiden fast gleichaltrigen Männern eine intensive Freundschaft.

Nach vier gemeinsamen Monaten in Rom reisen sie zusammen nach Neapel, Tischbein nimmt das angefangene Bild mit. Ihre Freundschaft kühlt sich zunehmend ab, bis sie sich schliesslich trennen. Goethe reist weiter nach Sizilien, Tischbein bleibt in Neapel und wird Leiter der Kunstakademie. Als er 1799 die Stadt verlassen muss, weil die Franzosen Neapel eingenommen haben, bleibt das unvollendete Gemälde zurück.

Goethe hat das fertige Bild nie gesehen, und Tischbein selbst wohl ebenso wenig.

In seiner Zeit ist Tischbein ein europaweit bekannter Maler und arbeitet für internationale Auftraggeber. Doch gäbe es «Goethe in der Campagna» nicht, wäre der Name des Künstlers wohl längst vergessen – er gehört aus heutiger Sicht nicht zu den Meistern seines Fachs. Das klassizistische Gemälde wird heute in Goethes Geburtsstadt Frankfurt, im Städelmuseum aufbewahrt. Es prägte das Goethe-Bild in Deutschland nachhaltig.

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