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Gleich und Gleich verliebt sich gern - zumindest online

Jede dritte Beziehung beginnt heute im Netz. Nun zeigt eine neue Studie, dass Onlinepaare auch glücklicher sind – weil die Anschauungen ähnlich sind. Aber halten diese Beziehungen deswegen auch länger?
Rahel Koerfgen
Aktuell sind eine Viertelmillion Schweizer auf Tinder, und Parship zählt eine halbe Million Mitglieder in der Schweiz. (Bild: Getty)

Aktuell sind eine Viertelmillion Schweizer auf Tinder, und Parship zählt eine halbe Million Mitglieder in der Schweiz. (Bild: Getty)

An einem strahlenden Septembertag begegnete er ihr zum ersten Mal. Nicht an der Bushaltestelle, nicht am Tresen einer Bar. Sondern zu Hause auf dem Sofa. Alice*, 35, wischte sich auf dem Handy zum x-ten Mal durch die Dating-App Tinder, durch Fotos von Männern zwischen 30 und 45 Jahren. Wischte meistens nach links, «nein, gefällt mir nicht». Und dann kam Stefan*, 41. «Er entsprach optisch nicht meinem Typ. Aber er hatte etwas Sympathisches, sehr Liebes an sich, das ging direkt ins Herz», sagt Alice. Und so wischte sie nach rechts.

«Ja, mit dem will ich ein bisschen chatten».

Das war vor zwei Jahren. Aus dem Chat wurde nach einer Woche wildem Hin- und Hertippen ein Date am Bahnhofbuffet Olten. Daraus ein weiteres, und noch eines. Und irgendwann Liebe. Vor drei Monaten haben Alice und Stefan ein Haus gekauft. Und vor wenigen Wochen hielt er auf Mauritius um ihre Hand an. Sie hat Ja gesagt.

Internet statt Arbeitsplatz oder Restaurant

Alice und Stefan sind längst keine Paradiesvögel mehr. Seit 2010 löst das Internet den Arbeitsplatz, die Kirche, das Restaurant, das Klassenzimmer ab, jene Orte, die früher Schauplatz wurden des ersten Aufeinandertreffens eines Liebespaars. Unaufhaltsam.

«Da findet eine riesige Verlagerung statt, wie man heute seinen Partner kennen lernt», wird Star-Soziologe Reuben Thomas in «The Economist» zitiert.

70 Prozent aller gleichgeschlechtlichen Beziehungen in den USA online, bei heterosexuellen Paaren sind es 30 Prozent.

Auch in der Schweiz haben sich ein Drittel aller Paare, die seit 2002 zusammengekommen sind, online erstmals «getroffen»; der Partnervermittler Par­ship gibt 28 Prozent an. Und in wenigen Jahren werden es nochmals deutlich mehr sein. Onlinedating-Expertin Celia Schweyer sagt, dass sich aktuell eine Viertelmillion Schweizer auf Tinder tummelt. Und Parship zählt sogar rund 500000 Mitglieder.

«Offline drückt man anfangs eher mal ein Auge zu»

Parship hat nun ausgewertet, wie sich online und offline entstandene Beziehungen entwickeln und unterscheiden. Für die Studie wurden 777 Frauen und Männer befragt; 521 davon hatten sich «offline» kennen gelernt, die restlichen 206 online. Ergebnis: 70 Prozent der Onlinepaare sind mit ihrer Beziehung sehr zufrieden, bei den Offlinepaaren sind es lediglich 58 Prozent.

Dieses Ergebnis deckt sich mit jenem einer Studie der Universitäten Harvard und Chicago aus dem Jahr 2013.

Harvard Studie: «Onlinepartnerschaften halten länger, weil sie ein höheres Level an Zufriedenheit aufweisen».

Stella Zeco, Sprecherin von Parship, sagt dazu: «Während man offline eher in eine Beziehung ‹hineinschlittert› und gewillt ist, anfangs ein Auge zuzudrücken, wenn einem etwas am Partner nicht passt, suchen Leute online nach Menschen mit ähnlichen Anschauungen und Werten.»

Den Aarauer Paartherapeuten Peter Michalik überraschen die Ergebnisse nicht. Er sagt: «Die Partnersuche über Onlineportale kann je nach Interessen eingegrenzt werden. Diese Tatsache erhöht die Wahrscheinlichkeit für eine langjährige Beziehung; im echten Leben ist das Übereinstimmen der Interessen eher dem Zufall überlassen.»

Sind sich Paare nun immer ähnlicher?

Führt das Onlinedating dazu, dass sich Paare zusehends ähnlicher werden, wie es «The Economist» weiter schreibt? Paartherapeut Michalik hält dagegen: «Menschen verlieben sich immer wieder in Partner, die sie aufgrund eines Gegensatzes anziehen.» Er glaubt deshalb nicht, dass es aufgrund des Online­datings dereinst nur noch Paare gibt, die sich auf allen Ebenen ähneln. «Zudem habe ich beobachtet, dass die Übereinstimmung online oftmals nur bei den Idealen stattfindet.» Im Alltag, so Michalik, sehe es dann nochmals anders aus.

Paartherapeut Klaus Heer: «Ich halte das Ergebnis der Parship-Studie für eine haltlose PR-Mär.»

Eine radikalere Sicht hat Klaus Heer, einer der prominentesten Paartherapeuten der Schweiz. Er ist überzeugt davon, dass die Umstände, wie ein Paar zusammenfindet, bedeutungslos für den späteren Verlauf der Liebesgeschichte sind. Ausserdem seien es gerade die Unterschiede, die Partner füreinander spannend machen: «Wenn Gleichheit für Spannungslosigkeit sorgt, wächst die Langeweile. Und diese sorgt paradoxerweise auch für Spannung.»

An Alices Ringfinger funkelt der Verlobungsring. Sie sagt, die vergangenen zwei Jahre seien nicht nur einfach gewesen. «Nein, Stefan ist nicht mein Traummann, weil wir in allen Bereichen dieselbe Haltung haben. Vielmehr, weil wir uns super ergänzen und er immer für mich da ist.»

So einen hätte sie auch an der Bushaltestelle treffen können oder an der Bar.

«Online ist einfach als neuer Ort dazugekommen, wo man Leute trifft. Dass alles so gut passt, das war einfach nur Glück.»

* Name der Redaktion bekannt

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