Giftige Raketen: Feuerwerke sind ungesund – und ein grösseres Problem als wir glauben möchten

Eine Studie untersuchte den Effekt von Feuerwerksrauch auf Menschen und Nagetiere. Das Ergebnis: Nie atmen wir so toxische Luft, wie an Nationalfeiertagen.

Sabine Kuster
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An Tagen um die Nationalfeiertage steigen die Schadstoffe in der Luft kurzzeitig steil an.

An Tagen um die Nationalfeiertage steigen die Schadstoffe in der Luft kurzzeitig steil an.

(Bild: Andrea Stalder)

Jedes Jahr werden in der Schweiz mehr als 1700 Tonnen Feuerwerk abgefeuert. Der weitaus grösste Teil am 1. August. Am Ort eines grossen Feuerwerkes steigt die Feinstaubbelastung schnell um das zehnfache, wie Messungen am Zürifest ergeben haben.

Zwei Prozent aller Schweizer Feinstaubemissionen gehen allein auf Feuerwerke zurück: 320 Tonnen Feinstaub landet so in der Luft. Der Anstieg ist jeweils nur kurzzeitig. Doch giftig ist das für die Lungen allemal, wie eine neue Studie aus Amerika zeigt, bei der zum ersten mal überhaupt getestet wurde, wie sich Feuerwerksrauch gesundheitlich auswirkt.

Um den Effekt auf den Menschen zu testen, feuerten die Forscher der NYU Grossman School of Medecine in New York Feuerwerk im Labor ab. Menschliches Gewebe und Nagetiere setzten sie diesem Qualm aus – in einer Partikel-Dosis, die der täglichen Luft in Manhattan entsprechen sollte.

Schädliche Mengen von Blei gefunden

Dabei zeigte sich eine verstärkte Oxidation. Das ist ein Prozess, der Zellen schädigen oder abtöten kann. Die Forscher fanden zudem eine schädliche Menge Blei in zwei von zwölf untersuchten Böllern.

«Zwar sind die Leute diesen Substanzen nur für kurze Zeit ausgesetzt, doch sie sind viel toxischer als die Giftstoffe, die wir täglich einatmen», sagt Studienautor Terry Gordon.

Sein Team analysierte auch die tägliche Luft an verschiedenen Orten in den USA und stellte fest, dass das Level toxischer Metalle in Luftproben um den Amerikanischen Nationalfeiertag und um Silvester herum viel höher war.

Sie enthielten Blei, Titanium, Strontium und Kupfer – Bestanteile von Feuerwerkskörpern. Zwei Drittel der Böller besteht jeweils aus Schwarzpulver und ein Drittel aus Metallverbindungen, die farbig verglühen bei der Explosion. Rotes Licht kann beispielsweise durch Strontium erzeugt werden, blaues durch Kupfer.

Der Bund rät Personen mit Erkrankungen der Atemwege und mit Kreislauferkrankungen die Feuerwerke zu meiden. Das gilt übrigens auch für 1.-August-Feuer, welche nicht nur aus trockenem Holz geschichtet sind.

Wenn im Feuer gleichzeitig geleimte, lackierte oder imprägniertes Holz verbrannt wird, entstehen viele Schadstoffe, unter anderem giftige Dioxine.