Getestet
Zweifel zu den umweltfreundlichen Chips aus Abfallgemüse

Die Chips von Ackr werden aus Abfallgemüse hergestellt und versprechen ein besseres Gewissen beim Zubeissen. Doch ihr Preis ist noch zu hoch.

Sabine Kuster
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Die «Bunts Gmües»-Chips von Ackr schmecken lecker.

Die «Bunts Gmües»-Chips von Ackr schmecken lecker.

Bild: zvg

Ich hab sie gekauft. Obwohl ich den exorbitanten Preis (5.30 pro 50 g) sah. Ich war neugierig. Und die silberne Packung gefiel: «Bunts Gmües» steht da drauf und dass für die Ackr Chips Abfallgemüse verwertet werde.

Im Innern waren eine Hand voll Chips aus Randen, Rüebli und Kartoffeln: etwas dicker als gewohnt, sehr knusprig und geschmackvoll, obwohl nur mit Salz gewürzt. Ein Chips überragte meine Handfläche, so gross wars und erinnerte mich daran, wie gleichförmig wir Gemüse sonst vorgesetzt bekommen.

Die Firma Ackr nennt es «gerettetes Gemüse». Gemüse retten tut Firmengründer Fabian Wegmüller auf dem Samstagsmärt in Oerlikon schon lange und stellt daraus Pickles her. Seit einem Jahr ist die Firma mit acht Personen professionell am Werk. Mit den «Ackr Chips» haben sie es nun ins Sortiment der Migros geschafft.

Es ist wirklich ein Skandal, dass Gemüse weggeworfen wird. Oder? Nun ja. Das Gemüse wird sonst Tieren verfüttert oder Biogas draus gemacht. Essen wäre effizienter. Aber minderwertiges Gemüse sollte nicht mehr kosten als normales, sondern weniger. Dass das nicht so ist (auch nicht, wenn Grossverteiler es unverarbeitet anbieten), ist der wahre Skandal.

Man muss es sich also leisten können, Food Waste zu verhindern. So ist es bloss Lifestyle. Ackr sagt, man habe sehr wohl vor, die Produkte «so erschwinglich wie möglich» zu machen. Sie wollen eine grössere Vakuumfritteuse nutzen, sobald sich die Chips etabliert haben. Also ist das hoffentlich bloss der teure Anfang von komisch geformten Chips künftig in allen Tüten.

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Montage: CHM
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