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Mit Stromschlägen zur Traumfigur Wer träumt nicht von einem straffen, muskulösen Bauch und von einer Bikinifigur, die alle anderen Badegäste vor Neid erblassen lässt. Nur leider ist der Weg dahin hart und kostet viel Schweiss und zahlreiche Stunden im Fitnesscenter.

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Mit Stromschlägen zur Traumfigur

Wer träumt nicht von einem straffen, muskulösen Bauch und von einer Bikinifigur, die alle anderen Badegäste vor Neid erblassen lässt. Nur leider ist der Weg dahin hart und kostet viel Schweiss und zahlreiche Stunden im Fitnesscenter. Abends sind die Vorsätze oft wieder vergessen und nach einem Glas Rotwein und einem guten Abendessen meldet sich das schlechte Gewissen: Waren alle Anstrengungen umsonst? Diese Zeiten des Zweifelns sollen jetzt vorbei sein.

Vom Teleshopping bekannt

Bei einem gemütlichen Fernsehabend abzunehmen und gleichzeitig Muskeln aufzubauen, das verspricht der Hersteller des Muskelstimulationsgurts «Abtronic X2». Um das zu beweisen, lachen einem glückliche Fitnessladies und Muskelmänner von den Teleshopping-Fernsehkanälen entgegen. Dank dem «Abtronic X2» haben sie sich von Durchschnittstypen in Sportskanonen verwandelt.

Das behauptet zumindest die Moderatorin und auf dem Bildschirm erscheinen Vorher- und Nachherbilder, die das beweisen sollen.

Beim Kochen abspecken

Ich beschliesse: Das Ding muss her! Und besorge mir den Gurt in einer Athleticum-Filiale für 159 Franken. Zu Hause angekommen, schnalle ich ihn mir gleich um, denn den «Abtronic X2» kann man laut Hersteller nicht nur vor dem Fernseher benutzen, er eignet sich auch dafür, beim Aufräumen, Kochen, Lesen oder während der Arbeit abzuspecken.

Ganz nebenbei formt er so die Muskelmassen. Damit mein Sixpack möglichst schnell entsteht, stelle ich die Stufe «Ironman» ein, das ist das härteste der sechs Programme. Dann geht's los und die Muskeln ziehen sich bei jedem Elektro-Impuls krampfhaft zusammen, der Schmerz zieht bis in die Leisten und die Rippen. An Hausarbeiten ist nicht zu denken und es hilft nur, die Zähne zusammenzubeissen und die Trainingseinheit durchzustehen. Danach habe ich die ganze Woche Muskelkater.

Doch ich bleibe dabei: täglich 30 Minuten Training für die Traumfigur. Nach einigen Tagen ist der Schmerz auch schon erträglicher und es lassen sich tatsächlich gleichzeitig andere Dinge erledigen. Während ich staubsauge, bemerke ich die Muskelkontraktionen kaum mehr.

Nach zwei Monaten ziehe ich erstmals ein Fazit. Einen Waschbrettbauch sieht man noch keinen, aber der Bauch wirkt trainierter und kombiniert mit Ausdauersport würde ich dem Sixpack bestimmt erheblich näherkommen.

Auch langjährige Rückenschmerzen sind nach nur wenigen Wochen wie weggezaubert.

Krampfhaft durch die Nacht

Einzige negative Nebenwirkungen sind die Muskelkrämpfe, die mich manchmal nachts aus dem Schlaf reissen. Vielleicht habe ich mit dem Training aber auch ein bisschen übertrieben und deshalb beschliesse ich, den Gurt in Zukunft weniger oft anzuziehen.

Ich schlafe wohl besser, wenn ich mich ins Fitnessstudio quäle und auf der Laufbahn meine Runden renne.

Nina Rudnicki