Gesundheit
Wo alle etwas zu sagen haben

«Interdisziplinarität» ist ein wichtiger und oft gehörter Begriff in der Medizin. Was er genau bedeutet, wird nirgends so deutlich wie an einem Tumorboard.

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Kantonsspital Baden

Kantonsspital Baden

Zur Verfügung gestellt

Zweimal wöchentlich treffen sie sich im Hörsaal oder Röntgen- Rapportraum des Kantonsspitals Baden und besprechen die Situation onkologischer Patienten. Sie, das sind rund ein bis zwei Dutzend Onkologen, Pathologen, Chirurgen, Gynäkologen, Radiologen, Nuklearmediziner, Strahlentherapeuten, Darm- und Lungenspezialisten.

Ein Team aus Spezialisten Fachpersonen also, die bei der Behandlung eines Krebspatienten jeder für sich einen unabdingbaren Teil beitragen. «Und damit jeder über die Schritte des anderen informiert ist, gibt es die so genannten Tumorboards», erklärt Clemens Caspar. «Interdisziplinarität » heisst das Schlagwort dafür, das seit einigen Jahren aus der Medizin nicht mehr wegzudenken ist – «und dem Patienten die Gewissheit gibt, dass sich ein Team von Spezialisten um ihn kümmert», so Caspar.

«Patient im Mittelpunkt»

Er selber ist als Onkologe an den Tumorboards mit von der Partie und erklärt, wie ein solches in etwa abläuft: «Der Chirurg oder Gynäkologe rekapituliert, wie die Operation verlaufen ist; der Röntgenspezialist zeigt die Ausdehnung des Tumors auf, wie er im CT festgestellt wurde. Der Pathologe, der das Gewebe untersucht hat, kann sagen, welche Krebsart vorliegt und ob der gesamte Tumor entfernt worden ist.» Der Strahlentherapeut erkäre, ob und zu welchem Zeitpunkt eine Bestrahlung nötig sei; der Onkologe äussere sich zu einer medikamentösen Therapie; etwa einer Chemotherapie oder einer Therapie mit einem modernen Antikörper. «Am Schluss werden die Befunde zusammengefasst, das Behandlungsziel und die nächsten Schritte definiert.» Dies alles wird in einem schriftlichen Protokoll festgehalten, das auch dem Hausarzt geschickt wird. Die Zusammenarbeit mit den Hausärzten sei sehr wichtig; ein Projekt sieht vor, diese künftig via Videokonferenz dem Tumorboard zuzuschalten.

Damit ein solches auch wirklich funktioniert, ist unabdingbar, dass alle beteiligten Ärzte «vor Ort» sind. Im Kantonsspital Baden – als Zentrumsspital für rund 300’000 Einwohner im östlichen Teil des Kantons Aargau – ist dies der Fall. Caspar: «Die Tumorbehandlung ist im KSB gut etabliert und als strategischer Schwerpunkt definiert.»