Suchtdisposition
Wer schlecht schläft, wird häufiger zum Alkoholiker

Jugendliche, die schlecht oder zu wenig schlafen, haben später eher Alkohol- oder damit zusammenhängende Probleme.

Cornelia Dick-Pfaff
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Alkoholismus und Schlafstörungen können zusammenhängen (Symbolbild)

Alkoholismus und Schlafstörungen können zusammenhängen (Symbolbild)

Keystone

US-Psychologen haben mehr als 6500 Jugendliche beobachtet (Fachblatt «Alcoholism: Clinical & Experimental Research»). Die Probanden hatten Angaben zu Schlafgewohnheiten und -schwierigkeiten gemacht sowie zu eventuellen Alkoholproblemen und daraus resultierenden gesundheitlichen und sozialen Folgen.

Zum Zeitpunkt der ersten Datenerhebung zwischen 1994 und 1995 waren die Jugendlichen durchschnittlich knapp 16 Jahre alt. Die zweite Erhebung fand 1996 statt, die dritte zwischen 2001 und 2002.

Die Forscher untersuchten, ob Schlafprobleme zu einem vorangegangenen Erhebungszeitpunkt Suchtprobleme zu einem späteren Erhebungszeitpunkt voraussagen konnten. Dabei berücksichtigten sie, ob zum früheren Zeitpunkt bereits Alkoholprobleme oder Vergleichbares vorhanden waren.

Ihre Ergebnisse zeigen: Wer Schlafschwierigkeiten hatte, neigte ein bis wenige Jahre später eher zu exzessivem Alkoholgenuss und damit verbundenem verantwortungslosen Verhalten. Die bisherigen Ergebnisse bedeuten noch nicht, dass Schlafmangel tatsächlich diese Probleme verursacht. Die exakten Ursachen und Gründe für die beobachteten Zusammenhänge müssen noch geklärt werden.

«Sinn und Zweck dieser Studie war es, herauszufinden, ob sich anhand von Schlafschwierigkeiten und Schlafdauer verschiedene ernsthafte Drogenprobleme für die Zukunft absehen lassen», erläutert Maria M. Wong von der Idaho State University. Dazu zählen etwa Komasaufen, Trunkenheit am Steuer oder waghalsiges Sexualverhalten unter Alkoholeinfluss. Zahlreiche Studien liefern Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen unzureichendem Schlaf und Suchtproblemen wie übermässigem Alkoholgenuss – auch zwischen Schlafmangel im Kindesalter und späteren Schwierigkeiten als junge Erwachsene. Bei Jugendlichen hatten sich die meisten laut Wong allerdings auf Risikogruppen konzentriert.

Die Analysen zeigten: «Schlafschwierigkeiten bei der ersten Erhebung sagten eindeutig mit Alkohol verbundene zwischenmenschliche Probleme bei der zweiten Erhebung vorher», sagt Wong. Ebenso folgten auf Schlafmangel eher Komasaufen, betrunken oder stark angeheitert zu sein, nach Alkoholgenuss zu fahren oder sich unter Alkoholeinfluss auf ein sexuelles Abenteuer einzulassen, das man später bereute, und sogar für Drogenprobleme.

«Künftige Studien könnten untersuchen», so Wong, «wie neuronale Verschaltungen den Effekt von Schlafproblemen auf die Selbstregulation und das Risikoverhalten vermitteln.»

Eltern könnten versuchen, möglichen Suchtproblemen vorzubeugen. Die Forscher raten zum frühzeitigen Gegensteuern: «Eltern müssen Schlafrhythmus, -muster und -gewohnheiten ihrer Kinder verstehen», sagt Wong. Gegebenenfalls müssten sie mit ihren Kindern reden, die Wichtigkeit von ausreichendem Schlaf, etwa für die Entwicklung des Gehirns, erklären und Problemen auf den Grund gehen.