HIV
So einfach wie billig: Nichts geht über ein Kondom

Der HIV-Test für daheim steht in der Schweiz kurz vor der Zulassung. Er soll das Virus weiter eindämmen. Mal wieder an der Zeit, an das gute alte Kondom zu erinnern.

Andrea Tedeschi
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Das Kondom – noch immer der beste Schutz vor einer Ansteckung mit HIV.

Das Kondom – noch immer der beste Schutz vor einer Ansteckung mit HIV.

Zwei Menschen wollen. Und gehen ein paar ungestörte Momente des Begehrens ein, die vielleicht eine Nacht andauern und in der Erinnerung noch ein paar Tage oder Wochen bleiben. Wen danach die Ungewissheit plagt und wer darum den HIV-Test machen muss, um das Risiko einer eventuellen Ansteckung auszuschliessen, beim Arzt oder am Telefon auf den Befund wartet, weiss, wie sich das anfühlt.

In der Schweiz stecken sich jährlich noch immer Männer und Frauen mit HIV an. 2016 waren es 542, knapp 1 Prozent mehr als im Vorjahr: trotz Sexualunterricht in der Schule, trotz der für einige etwas anstössigen, dafür realitätsnahen Werbekampagne, trotz weniger Tabuthemen in Gesellschaft und Medien. Nicht alle denken daran, dass es ihn oder sie erwischt haben könnte: In der Schweiz leben laut Aids-Hilfe rund 3000 Menschen, die nicht wissen, dass sie das Virus in sich tragen. Andererseits gibt es Menschen, die keinen Arzt für einen HIV-Test aufsuchen wollen, weil sie sich schämen oder scheuen.

Momentan sind die Infektionsraten stabil. Damit das mindestens so bleibt und das HI-Virus noch weniger vom einen zum anderen übertragen wird, empfiehlt die Eidgenössische Kommission für sexuelle Gesundheit eine Freigabe der HIV-Selbsttests für daheim. Ab Sommer soll es so weit sein. Solche Tests kennt man bereits in Frankreich, Grossbritannien oder in Italien, in der Schweiz waren sie bisher verboten. Zu unzuverlässig, hiess es. Oder zu gross die Angst, dass viele positiv getestete Männer und Frauen überreagierten.

Zwar hat HIV den Schrecken der Achtziger und Neunziger verloren: Das Virus ist nicht mehr tödlich, sondern therapierbar geworden. Trotzdem bleibt es eine Krankheit und damit ein Nachteil. Das wissen all jene, die HIV-positiv sind. Sie wissen von den Medikamenten, die sie einnehmen müssen. Jeden Tag. Und sie wissen um die Ausgrenzung, die sie deswegen noch immer erfahren: bei der Arbeit, unter Kollegen, in Spitälern.

Obwohl mit einem HIV-Selbsttest eine Infektion schneller entdeckt werden und die Anwendung genauso leicht wie ein Schwangerschaftstest sein soll, schliesst sie einen Arztbesuch nicht aus, vor allem aber löst sie das Problem der Ansteckung nicht. Der Gummi bietet noch immer den sichersten, also den besten Schutz dagegen. Er riecht zwar nach Plastik und der Geruch klebt am Körper, noch lange danach. Doch vergleichen wir seine Vorteile mit dem Risiko einer HIV-Ansteckung: Ein Kondom ist nur 0,1 Millimeter dünn, es ist rasch montiert und in der Megapackung für knapp zwölf Franken zu haben. Eine einfache und günstige Lebensgarantie.