Hitze
Schwitzen gegen Hitze: Lästig, aber wichtig für den Körper

Steigen die Temperaturen, wird der Griff zum Deo unabdingbar. Obowohl Schweiss einem selbst unangenehm ist, hat er eine wichtige Funktion im Körper. Und: Bis zu sechs Liter Schweiss täglich ist durchaus noch normal.

Claudia Weiss
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Der Schweissfleck am Business-Hemd wird von vielen als belastend empfunden.

Der Schweissfleck am Business-Hemd wird von vielen als belastend empfunden.

Jean-Pierre Chretien

Kaum heizt die Sommersonne, stöhnen alle: In Strömen rinnt der Schweiss über die Stirn, die Hemden kleben am Rücken und die Füsse – nun ja, riechen nach einem heissen Tag nicht mehr frisch. Schwitzen ist nicht immer angenehm, aber es hat eine wichtige Funktion: Es reguliert die Körpertemperatur. Die verdunstende Feuchtigkeit kühlt die Haut und führt übermässige Hitze ab, das ist nicht nur beim Sport oder bei anstrengender Arbeit lebenswichtig.

An die drei Millionen Schweissdrüsen besitzt der Mensch – die meisten davon auf der Stirn, unter den Achseln, an den Händen und Füssen – und diese produzieren bis zu sechs Liter Schweiss pro Tag. Das ist eine ansehnliche Leistung.

Die Drüsen können jedoch auch unangenehm in Aktion treten: Bei Stress oder Aufregung, beispielsweise bei einem Vortrag oder beim intensiven Flirten, regen die Stresshormone die Schweissproduktion an, grosse Tropfen erscheinen auf der Nase oder tränken T-Shirts unter den Achseln. Unschöne Schweissflecken sind in solchen Situationen doppelt peinlich und regen die Schweissproduktion gleich noch einmal kräftiger an.

Störende Schweissbäche

Diese Art von Schwitzen ist zwar störend, aber völlig normal. Schier unerträglich kann es jedoch werden, wenn der Körper viel mehr Schweiss produziert als für die Kühlung notwendig wäre. Diese Störung heisst Hyperhidrose, und sie hat tagtäglich störende Schweissbäche zur Folge. «Wirklich krankhaft ist das zwar selten», sagt Vadym Volpov, Dermatologe und Leiter des Zentrums für Venenerkrankungen und Dermatologie in Zürich. «Aber ich stelle fest, dass die Leute übermässiges Schwitzen rasch als sehr belastend erleben, und sobald sie sich unwohl fühlen, kommen sie zu mir in die Behandlung.»

Tatsächlich können Dermatologen heute gute Therapiemöglichkeiten anbieten: «Die zwei Methoden, die in den meisten Fällen mehr oder weniger funktionieren, sind einerseits Operationen, andererseits Behandlungen mit Botox», erklärt der Venenspezialist. Bei den operativen Methoden werden entweder die Schweissdrüsen entfernt oder jene Nerven blockiert, welche das Schwitzen auslösen.

Letztere Methode findet er jedoch zu riskant, oft sind die Auswirkungen nicht genau abzuschätzen. «Sehr gute Erfahrungen mache ich dagegen mit Behandlungen mit Botulinum-Toxin A», sagt Volpov. «Das ist eine völlig ungefährliche Methode, denn dabei werden so geringe Mengen Botox verwendet, dass diese gar nicht von der Haut in den Organismus gelangen und schon nach Stunden nicht mehr messbar sind.»

Sommerbikini (Fotos:Beldona)
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Bikinimädchen Julia Saner
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Hingucker: Julia Saner

Sommerbikini (Fotos:Beldona)

Eine Methode, die früher oft angewandt wurde, ist die Iontophorese, die sich vor allem für Hände und Füsse eignet. Diese werden in ein Wasserbad getaucht, wo schwacher Gleichstrom zugeführt wird, was die Reizschwelle der Schweissdrüsen erhöht. «Diese Therapie ist eigentlich ganz wirkungsvoll», sagt Volpov. «Sie muss jedoch täglich während jeweils 10 Tagen durchgeführt und dann nach 10 Tagen Pause wiederholt werden – das machen die Patienten in der Regel nicht lange mit.»

Deutlich unangenehmer als das übermässige Schwitzen allein ist, wenn der Schweiss noch zusätzlich übel riecht. Das ist normalerweise bei frischem Schweiss nicht der Fall, erst wenn sich die Bakterien stark vermehren entsteht der unangenehme Geruch. Eine Störung namens Bromhidrose verändert jedoch die Zersetzung des Schweisses, der aus Wasser, Natriumchlorid, Harnstoff, Ammoniak und Harnsäure besteht, derart, dass er sogar in der ganz frischen Variante schon höchst unangenehm stinkt. Das ist für Betroffene sehr peinlich.

Hier empfiehlt Dermatologe Volpov seinen Patienten ganz einfach: «Die Region abrasieren und trockenhalten!» Reicht das noch nicht aus, kann er auch hier mit Botox nachhelfen. Wenig empfehlenswert findet er jedoch Deodorants mit Aluminiumhexosulfat, da diese die Schweissdrüsen von aussen verstopfen und mit einem erhöhten Brustkrebsrisiko in Verbindung gebracht werden.

Deos tuns auch

Bei normalem Schwitzen genügen stattdessen ein gewöhnliches Deodorant sowie regelmässiges Duschen und Kleiderwechseln. Wer findet, jetzt fliesse doch zu viel Schweiss, kann das übrigens gut mit Salbeitee ein wenig abdämpfen. «Wirkt das nichts, und schwitzt jemand besonders heftig in der Nacht, empfiehlt sich eine Abklärung beim Dermatologen», sagt Vadym Volpov. Dann gilt es abzuklären, ob sich damit eine (Auto-)Immunerkrankung oder allenfalls Krebs bemerkbar machen.

Wer jedoch ganz einfach an heissen Sommertagen stark schwitzt, sollte gemäss Volpovs Empfehlung dringend Mineralwasser, Tee oder ein wenig Fruchtsaft trinken und frisches Gemüse essen: Damit erhalte der Körper bereits genügend Wasser und Mineralstoffe. «Alles in allem ist Schwitzen eine durchaus gesunde Schutzreaktion des Körpers auf Überhitzung, und es hilft, Giftstoffe auszuscheiden.»