Gesundheit
Schweizer Comic-Helden kämpfen in China gegen Wurminfektionen

Die Schweizerin Franziska Bieri informiert mit einem Aufklärungsfilm über Wurminfektionen. In China leiden mehr als 154 Millionen Menschen an chronischem Wurmbefall. Der Film zeigt in China viele Erfolge.

Claudia Weiss
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Ausschnitt aus Franziska Bieris Aufklärungsfilm.

Ausschnitt aus Franziska Bieris Aufklärungsfilm.

Über den Bildschirm hüpft ein Comic-Junge neben einem bärtigen Mann mit Metallbrille und ruft begeistert auf Chinesisch: «Jetzt weiss ich genau, wie ich mich verhalten muss!» Seine Entdeckungen sollen Schulkindern im Alter von neun und zehn Jahren helfen, sich nicht mit Würmern zu infizieren.

«The Magic Glasses» heisst der Zeichentrickfilm, der Teil eines grossen Hygieneprojekts gegen Wurminfektionen ist. Geleitet wird es von der Schweizerin Franziska Bieri zusammen mit ihrem australischen Kollegen Darren Gray von der Universität Queensland.

Das Wurmproblem ist alles andere als nebensächlich: Weltweit sind mehr als zwei Milliarden Menschen chronisch von Helminthen befallen. Allein in China leiden über 154 Millionen Menschen an schädlichen Wurminfektionen, über die Hälfte davon sind Kinder. Entwurmungsmittel helfen zwar, aber nur kurzfristig: Jährlich infizieren sich 85 Prozent der Kinder erneut.

50 Prozent weniger Reinfektionen

Gegen dieses Problem soll ein simpler Trickfilm helfen? Der Erfolg gibt den Forscherinnen recht: Die derart aufgeklärten Kinder erlitten um 50 Prozent weniger Reinfektionen, wie aus einer im «New England Journal of Medicine» publizierten Studie hervorgeht. «Wir haben eine Wissenszunahme erwartet, waren jedoch überrascht, dass wir dank unserer Intervention die Reinfektionsrate dermassen deutlich senken konnten», sagt Bieri.

Im Moment fehlen noch die Daten darüber, wie langfristig der Film und das dazugehörende Lernpaket wirken. «Wir werden das in unserer neuen Studie in Chinas Yunnan-Provinz erheben», sagt Bieri. Sie erwartet jedoch, dass die Wirkung ohne weitere Intervention mit der Dauer abnimmt.

Deshalb möchten Bieri und ihre Kolleginnen, dass das Video fix in den Lehrplan eingebaut wird. «Ziel wird sein, den Lehrfilm an der Primarschule zweimal jährlich zu zeigen.»

Funktioniert der Film in China, soll er später auch in anderen asiatischen Ländern und in Afrika die Zahl der ständigen Neu-Infektion von Würmern (Helminthen) bei Kindern senken. Eine Wurminfektion verursacht Durchfall, und die Folge sind oft Mangelernährung, Blutarmut und Wachstumsstörungen; sogar die kognitive Entwicklung kann beeinträchtigt sein.

Zudem befürchten Fachleute, dass die Würmer gegenüber den bestehenden Medikamenten bereits Resistenzen entwickelt haben. Besser als ständige Entwurmungskuren per Tabletten wäre also, wenn Neuinfektionen durch bessere Hygiene vermieden werden können.

Einfache Tipps wie Händewaschen

So entstand die Idee zum Lehrfilm: «Das Video zeigt den Kindern auf unterhaltsame Weise, wie sie durch mehr Sauberkeit eine Neuinfektion von Würmern vermeiden», fasst Bieri zusammen. Hände waschen, seine Notdurft nicht in Feldern verrichten, die dann abgeerntet werden, Essen gut garkochen – die Tipps sind einfach und klar verständlich dargestellt. «Die Szenen spiegeln ihr eigenes Verhalten wieder, und daher fühlen sich die Kinder persönlich angesprochen.»

Der von der UBS Optimus Foundation Schweiz unterstützte Lehrfilm dauert fast eine Viertelstunde und ist eher langsam geschnitten – westliche Kinder würden sich wohl kaputtlachen. Chinesische Kinder lieben ihn. Für Franziska Bieri ist das gut erklärbar: «Chinesische Kinder leben nicht im Überfluss, für sie bedeutet dieser Film eine willkommene Abwechslung.»