Sommerzeit

Schlafexperte: «Die Zeitumstellung ist eine Tortur für den Körper»

Die Uhren werden am Sonntag um eine Stunde vorgestellt. Den wenigsten Menschen ist allerdings klar, was diese Umstellung bedeutet. Der Solothurner Schlafberater Max Lerch bringt Licht ins Dunkel.

Nadia Chamakhe
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Die Zeitumstellung hat Auswirkungen auf den Körper.

Die Zeitumstellung hat Auswirkungen auf den Körper.

HO

Wie bereitet man sich optimal auf die Zeitumstellung, insbesondere auf die Sommerzeit vor?

Max Lerch: Die Sommerzeit ist einschneidender. Eine Stunde fehlt. Idealerweise sollte man etwas länger im Bett bleiben, am Abend auf helles Licht und Bildschirmlicht mit Blaulichtanteil verzichten. Das Schauen auf Bildschirme sollte eine Stunde vor dem Einschlafen gemieden werden.

Vielleicht möchte man die erste Zeit der Zeitumstellung ruhig angehen, in unserer Gesellschaft wird aber eine hohe Flexibilität erwartet. Wie geht man am besten mit diesem «Zeitdruck» um?

Die Umstellung benötigt Zeit und kann nicht von einem Tag auf den anderen erfolgen. Am Abend vor dem Schlafengehen sollte man einen Spaziergang machen, um sich an die Lichtverhältnisse zu gewöhnen. Weiter sollten leichtere Mahlzeiten gegessen, und auf den Mittagsschlaf verzichtet werden. Es ist wichtig auf einen guten Schlaf zu achten.

Max Lerch Schlaf-Gesund-Berater Max Lerch

Max Lerch Schlaf-Gesund-Berater Max Lerch

zvg

Welchen langfristigen Einfluss hat die Umstellung für den Körper?

Die Umstellung ist eine Tortur für den Körper. Vor allem ältere Leute und Kinder haben mehr Probleme, da ihr Körper weniger robust ist. Die Folgen von einem gestörten Schlafrhythmus sind: Gereiztheit, Verdauungsprobleme und eine tiefere Konzentrationsfähigkeit. Auch Pulsfrequenz und Blutdruck werden beeinflusst.

Was ist mit zu langem oder zu kurzem Schlaf?

Die Länge ist nicht entscheidend, der Rhythmus des Schlafs und der Mahlzeiten sollte jedoch gleichmässig sein. Die Schlafens- und Essenszeiten sollten jeden Tag möglichst gleich sein. Die verschiedenen Intensitäten der Schlafphasen sollten beachtet werden. Die Traumphase ist zum Regenerieren des Körpers sehr wichtig. Findet diese nicht richtig statt oder wird frühzeitig unterbrochen, wird das Immunsystem geschwächt und der Körper ist so anfälliger für Grippen oder andere Erkrankungen.

Zur Person

Der 65-jährige Derendinger führt seit 2013 in Solothurn ein Fachgeschäft für gesunden Schlaf.

Ursprünglich war Max Lerch Innendekorateur und übernahm 1986 das Geschäft seines Vaters. Mit der Zeit beschäftigte sich Lerch vermehrt mit Naturbetten. Als diese in das Angebot des Geschäfts aufgenommen wurden, setzte sich Lerch intensiv mit diesen Betten auseinander und wurde Schlaf-Gesund-Berater. Vom Einrichtungsgeschäft in Derendingen ist Max Lerch noch immer Geschäftsinhaber, mittlerweile wird dieses aber von seiner Frau und seinem Sohn weitergeführt. (nac)

Wie findet man seinen eigenen Schlafrhythmus?

Manche gehen früh und andere spät zu Bett. Normalerweise merkt man, ob einem das Aufstehen am Morgen Schwierigkeiten bereitet oder nicht. In jedem Fall ist die Regelmässigkeit des Schlafs entscheidend. Vor dem Einschlafen sollte man sich beruhigen. Aufwachen sollte man idealerweise ohne Wecker. Läutet der Wecker und man ist in einer Tiefschlafphase, hat man mehr Mühe aufzustehen.

Was kann für einen guten Schlaf getan werden?

Den ganzen Tag kann man sich auf das Einschlafen vorbereiten. Um gut zu schlafen, sollte Stress gemieden werden. Man sollte viel Zeit in der Natur verbringen. Weiter sollte jeder ein Einschlafritual und einen geeigneten Schlafplatz haben, wo Elektrosmog und Telefonstrahlen möglichst vermieden werden können.

Fakten zur Zeitumstellung

Ursprünglich sollte die Sommerzeit in Europa dem Energiesparen dienen. Ende März werden die Uhren um eine Stunde vor- und Ende Oktober wieder auf die reguläre Zeit zurückgestellt. Die meisten Menschen können nun vom vermeintlich längeren Tageslicht profitieren.

Nicht selten ist die Zeitumstellung für den Körper aber alles andere als einfach. Während der Sommerzeit stehen wir eine Stunde früher als gewohnt auf. Zu Beginn der Sommerzeit muss sich das Schlafhormon Melatonin auf die Veränderung einstellen. Auch der Blutdruck und die Pulsfrequenz sind noch im Dunkel-Rhythmus. (nac)