Medizin
Patienten schöpfen neue Hoffnung – hier macht die Krebs-Forschung Fortschritte

14,5 Milliarden bezahlt Novartis für das Krebsmittelgeschäft von GlaxoSmithKline (GSK). Der hohe Preis erstaunt nicht – die Margen liegen über dem Durchschnitt. Die Krebs-Therapien werden immer besser. Ein kleiner Forschungs-Überblick.

Claudia Weiss
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Neben den Therapien spielt Früherkennung und Diagnostik im Kampf gegen Krebs eine grosse Rolle. (Symbolbild)

Neben den Therapien spielt Früherkennung und Diagnostik im Kampf gegen Krebs eine grosse Rolle. (Symbolbild)

Keystone

Jede dritte Person in der Schweiz erhält im Lauf des Lebens die gefürchtete Diagnose: Krebs. Noch immer ist die Krankheit, die in Wirklichkeit aus rund 230 verschiedenen Krebsarten besteht, weit gefürchtet. Tatsächlich hat jedoch die Therapie grosse Fortschritte gemacht, einige Krebsarten wie Brustkrebs oder Prostatakrebs können inzwischen so gut behandelt werden, dass fünf Jahre nach der Diagnose noch acht bis neun von zehn Betroffenen überleben.

«Chirurgie, Bestrahlung oder Chemotherapie», hiess einst das wenig verlockende Dreiergespann zur Krebsbekämpfung. Noch bis in die 1970er-Jahre verschwiegen die Ärztinnen und Ärzte ihren Patienten oft die Diagnose Krebs, und vor 1980 starben zwei von drei Brustkrebspatientinnen in den ersten fünf Jahren. Heute zeigen die Statistiken des Robert-Koch-Instituts (RKI) in Berlin: 20 Prozent weniger Menschen sterben an Krebs als noch anfangs achtziger Jahre.

Das ist zum einen auf eine viel bessere Früherkennung und Diagnostik zurückzuführen. Zugleich hat aber auch die Wissenschaft einen gewaltigen Sprung in der Therapieforschung gemacht. Fünf Beispiele:

• Immuntherapie: Novartis und viele Forschende an Universitäten weltweit setzen auf die Forschung rund um die Immuntherapie: Bei dieser Therapieform soll das körpereigene Abwehrsystem Krebszellen schon ganz früh erkennen und gezielt eliminieren können. Denn Krebs im Frühstadium ist viel einfacher zu behandeln als im fortgeschrittenen Stadium.

• Selbstverdauung von Krebszellen: Forschende der Universität Bern haben herausgefunden, dass eine verminderte Selbstverdauung von Tumorzellen zur Entstehung eines Melanoms beitragen kann. Deshalb versuchen sie, die Tumorzellen so umzuprogrammieren, dass sie sich quasi selbst verdauen. Vielleicht können so künftig nicht nur Melanome, sondern auch andere Krebsformen im Frühstadium abgebremst werden.

• Krebs aushungern: Forschende der ETH Zürich haben ein Molekül entwickelt, das die Blutgefässe rund um einen Tumor absterben lässt. Dadurch wird der Tumor ganz einfach von der Nahrungszufuhr abgeschnitten. Diese Methode hat den Vorteil, dass sie nicht nur für eine Krebsart geeignet ist, sondern sich vielleicht eines Tages als Waffe gegen verschiedene Krebsarten einsetzen lässt. So sollen die Krebszellen weniger Resistenzen gegen Chemotherapeutika entwickeln.

• Heisse Nanopartikel: Schickt man einen Nanopartikel los, der Hitze in die Tumorzellen bringt, kann man dem Tumor ganz gezielt den Garaus machen. Das haben Forschende an der ETH Zürich herausgefunden, als sie einen Gold-Nanopartikel mit Eisenoxid ausstaffierten und ihn mit Infrarotlicht erwärmten. In der Petrischale reichte die Wärme aus, um Brustkrebszellen abzutöten. Bis zur Anwendung sind aber noch viele Tests notwendig.

• Viren gegen Krebs: Das Prinzip tönt simpel. Man stecke die Tumorzellen mit einer gefährlichen Krankheit an, damit sie daran zugrunde gehen. Deshalb haben Wissenschafter vom Nationalen Zentrum für Tumorerkrankungen im deutschen Heidelberg ein Masernvirus so modifiziert, dass es gezielt auf Krebszellen lossteuert. Dort nistet es sich in den Tumorzellen ein und programmiert sie so um, dass sie sich selber zerstören.

Noch ist offen, welche der Methoden den Sieg gegen die jahrtausendealte Geissel bringt, an der laut Weltgesundheitsorganisation WHO bis 2030 jährlich mehr als 21 Millionen Menschen neu erkranken werden. Gewiss ist aber jetzt schon: Wer ein Wundermittel gegen Krebs erfindet, erntet nicht nur grossen Ruhm und viel Dankbarkeit. Sondern auch viel, viel Geld.