Weltgesundheitstag
Moderator Ruedi Josuran über seine Depression: «Ich habe viel zu lange gewartet»

Der heutige Weltgesundheitstag steht unter dem Motto «Depression – lass uns reden». Der Journalist und Moderator Ruedi Josuran litt selbst an einer Depression und berät seither Menschen, die sich in einer Lebenskrise befinden.

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Über 320 Millionen Menschen leiden weltweit an Depression. «Lass uns reden», fordert das Motto des Weltgesundheitstages am heutigen Freitag auf.

«Einerseits wird sehr viel darüber gesprochen, aber ich fürchte, es wird das Falsche gesprochen», sagt Ruedi Josuran (60) im Video-Interview. Der Radio- und TV-Moderator spricht aus Erfahrung. Er litt selbst an einer Depression und berät seit 2012 als Coach Menschen in Lebenskrisen mit Schwerpunkt Burnout-Prävention.

Das Ausbleiben der Farben

Falsche Bilder hätten die Leute im Kopf dazu, was eine Depression ist und was ein Burnout, dazu, was gesund ist und was krank. Also spricht er Klartext: «Eine Depression ist das Ausbleiben der Farben im Alltag, dann wenn ich nicht mehr mit meinem Willen etwas steuern kann, Depression ist wirklich krank. Alles andere ist etwas, das zu dieser Krankheit führen kann, aber es fühlt sich ähnlich an.»

Angfangen hat es bei Ruedi Josuran wie bei so vielen mit Schlaflosigkeit. «Dann habe ich immer weniger Energie zur Verfügung gehabt. Ich wusste nicht, was mit mir los war.» Bis ihm ein Arzt gesagt habe, er müsse etwas unternehmen.

Die Angst vor dem Tabu

Doch: «Ich habe lange gebraucht, bis ich zum Arzt gegangen bin, zu lange.» So gehe es vielen anderen Betroffenen. Denn das Thema Depression ist stigmatisiert. «Viele wehren sich, Hilfe anzunehmen, weil sie Angst haben, das Umfeld würde sie meiden, oder sie würden aus dem Arbeitsprozess herausfallen», sagt Josuran.

Eine seiner wichtigsten Botschaften ist deshalb: frühzeitig zum Arzt gehen, wenn depressive Symptome über mehrere Wochen anhalten. Er rät auch, offensiv vorzugehen: «Das heisst, wenn ich merke, dass etwas durcheinander gerät in meinem Leben: darüber sprechen und sich nicht zurückziehen. Und vielleicht ist es auch ein guter Freund, der mir einen ersten Hinweis geben kann.»

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