Fokus Gesundheit

Mit dem Roboter zum Dickdarm

Krebsoperationen im Bauch werden immer öfter mit dem Da-Vinci-Roboter durchgeführt. Antonio Nocito, Chefchirurg am Kantonsspital Baden, erklärt die Vorteile der Methode – und weshalb er die traditionelle Laparoskopie trotzdem nicht missen möchte.

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Gesundheit Aargau

Herr Nocito, vor einem Jahr haben Sie mit dem Da-Vinci-Roboter erstmals am Dickdarm operiert. Neu entfernen Sie auch Tumore an der Bauchspeicheldrüse mit dem Roboter. Weshalb hat es so lange gedauert, bis auch die Bauchchirurgen mit dem Roboter arbeiten? Gynäkologen und Urologen tun das doch schon seit Jahren mit viel Erfolg. Das stimmt. Insbesondere bei Prostataoperationen ist der Einsatz des Roboters mittlerweile Standard. Das hat vor allem damit zu tun, dass die Prostata ein lokalisiertes Gebiet darstellt, in dem man bei einem Eingriff keine grossen Verschiebungen in andere Regionen im Abdomen (Bauch) vornehmen muss. Für die erste Generation von Robotern war die Prostata daher das ideale Anwendungsgebiet.

Inwiefern hat sich die Technologie in den letzten Jahren verbessert? Mit der jüngsten Da-Vinci-Generation, einem Gerät, wie wir es im KSB haben, können wir auch auf grösseren Distanzen respektive in schwer zugänglichen Bereichen im Bauch sehr gut arbeiten. Dort, wo minimal-invasives Operieren aufgrund der Platzverhältnisse besonders schwierig ist, kommen die Vorteile des Roboters voll zum Tragen. Die 3DSicht ist hervorragend, die Beweglichkeit ebenfalls. Zudem wird der Tremor- Effekt, also das natürliche Zittern der Hand, ausgeschaltet.

Moderne Eingriffe sind also keine «Zitterpartien» mehr? Jeder Eingriff ist mit Risiken behaftet, und mit Komplikationen muss man stets rechnen. Fakt ist aber, dass man als Operateur mit dem Roboter eine absolut ruhige Sicht hat. Bei der traditionellen Laparoskopie führt ein Assistent die Kamera per Hand, da lässt sich Wackeln kaum vermeiden. Die laparoskopischen Instrumente zu führen, ist insbesondere bei mehrstündigen Operationen ermüdend.

Wenn man bei Google die Begriffe Da Vinci und Roboter eingibt, schlägt die Suchmaschine als Ergänzung automatisch den Begriff «Nachteil» vor ... Wo Licht, ist auch Schatten. Ein Nachteil ist die fehlende Haptik, das heisst, der Operateur fühlt das Gewebe nicht. Das muss man indirekt über optische Kontrolle erlernen. Doch auch in diesem Bereich sind Fortschritte zu erwarten. Rückkoppelungssysteme werden früher oder später Standard werden.

Es gibt Studien, die den Nutzen des Roboters infrage stellen. Welche Erfahrung haben Sie gemacht? In der Medizin gibt es, wie in anderen Bereichen des Lebens, fast immer Pro und Kontra. Mit der klassischen Laparoskopie, also der manuell bedienten Schlüsselloch-Technik, haben wir sehr gute Ergebnisse erzielt. Tatsache ist aber auch, dass der Da-Vinci-Roboter die erwähnten Vorteile hat. Dass wir am KSB ein solches Gerät angeschafft haben, ist ein Bekenntnis zur Innovation.

Operieren Sie mittlerweile öfter mit dem Roboter oder traditionell laparoskopisch? Die laparoskopischen Eingriffe überwiegen. Gleichzeitig werden die Roboter immer besser. Deshalb ist es wichtig, beide Techniken zu beherrschen und mit der technischen Entwicklung Schritt zu halten.

Sie halten am 29. Januar im KSB einen Vortrag zum Thema «Mit dem Roboter gegen den Tumor im Bauch». Weshalb sollte sich jemand dafür interessieren, der gesund ist? Es gibt kaum ein Thema mit grösserer Relevanz für alle Menschen als die Gesundheit. Wer heute gesund ist, kann morgen Patient sein. Deshalb schadet es sicherlich nicht, wenn man sich kundig macht, welche Eingriffs- und Behandlungsmethoden die moderne Medizin bietet.