Fitness

Kurzes und heftiges Training macht auch fit

Sie haben keine Zeit für Ausdauertraining? Macht nichts, die neuen Fitnesstrends in den Studios setzen ohnehin auf kurze, intensive Workouts. So können schnelle Fitnessprogramme Büromenschen ein Sixpack verschaffen.

Silvia Schaub
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Einst für die US-Army entwickelt, heute ein Trend in Schweizer Fitnessstudios: Ganzkörper-Programm TRX Suspension Training.

Einst für die US-Army entwickelt, heute ein Trend in Schweizer Fitnessstudios: Ganzkörper-Programm TRX Suspension Training.

Bizwire

Der Bauch fühlt sich schon nach fünf Minuten an, als würde bald Rauch aufsteigen vor lauter Hitze. Dabei hat die Übung doch ganz harmlos begonnen. Liegend die Beine rechtwinklig anheben und den Oberkörper zu den Knien führen. Fitnesstrainerin Seline ruft aufmunternd: «Und die ganze Choreo noch fünfmal. Seid ihr schon warm?» Die Musik dröhnt in den Ohren. Gut so, muss ja nicht jeder hören, dass man schon am Stöhnen ist. Bei der nächsten Übung kommen die Oberarme dran, dann der Rücken. Der Blick geht erstmals Richtung Uhr, als Seline ruft: «Jetzt gehts erst richtig los!» 30 Minuten können manchmal eine Ewigkeit dauern.

Kurz und intensiv – so heisst das aktuelle Motto in der Fitness-Szene. Das passt zum Zeitgeist, denn wer hat heute noch mehr als eine Stunde Zeit, vor allem über den Mittag. «Man spart Zeit und trainiert seinen Körper trotzdem effektiv», sagt Stefan Wolter vom Migros-Fitnesspark in Baden.

CX Worx ist eines dieser schnellen Kurztrainings. Es soll für straffe Muskeln, gesteigerte Kraft, verbesserte Balance und Beweglichkeit sorgen. Dabei wird auch mit Gewichten und Expandern gearbeitet. Die 30-Minuten-Kurse sind in den Migros-Fitnessparks sehr gefragt. Der Vorteil sei, so Wolter, dass es ein ganzheitliches Training sei. Es würden nicht nur Ausdauer und Tiefenmuskulatur, sondern auch noch Kondition trainiert.

Beim Ganzkörper-Programm «TRX Suspension Training» wird zusätzlich mittels einer Schlinge mit dem eigenen Körpergewicht gearbeitet. Entwickelt wurde das Programm einst für die US-Army, damit die Soldaten fit werden, egal ob im Dschungel oder in der Wüste.

Auch im Zürcher Holmes Places setzt man auf kurze Workouts. «Made in Brazil» bietet ein Krafttraining auf dem Stepper und bringt innerhalb einer halben Stunde das Herz-Kreislauf-System in Schwung. Und das alles mit brasilianischen Rhythmen. Noch eine Spur effizienter geht es beim Core Xpress vonstatten: Innerhalb von 15 Minuten werden bei dieser Trainingsmethode Beweglichkeit und Flexibilität gestärkt.

Rumpfmuskeln für Bürolisten

Langsamer und länger trainieren war bisher das Credo der Sportwissenschafter mit Programmen wie Pilates, Yoga, Body Balance oder Walking. Diese Fitnessmethoden werden zwar nicht einfach über den Haufen geworfen. Doch wer effektiv zu Resultaten kommen will, muss seinen Körper auf Hochtouren bringen. Das ist keine neue Erkenntnis. Funktionale Fitness betrieben Leistungssportler schon immer. Die schnellen Fitnessprogramme sollen nun auch Büromenschen zu straffen Rumpfmuskeln, besserer Balance und Beweglichkeit verhelfen.

Das begrüsst auch Silvio Lorenzetti, der an der ETH Zürich den Bereich Sportbiomechanik leitet: «Für die Volksgesundheit ist es sicher sinnvoll, wenn die Fitnessbranche mit neuen Programmen die Leute zu mobilisieren vermag. Wunder können aber auch solche Kurz-Fitnessprogramme nicht bewirken.» Aus wissenschaftlicher Sicht gibt es keine Studien dazu. Laut den Vorgaben der Weltgesundheitsorganisation WHO ist aber schon eine Trainingseinheit ab zehn Minuten sinnvoll. «Wichtig ist, dass man sein Ziel genau definiert», betont Lorenzetti. «Letztlich aber ist jede Bewegung besser als gar keine.»