Gesundheit
Herzschrittmacher in Kapselform unterstützt Herz von innen

Patienten profitieren von neuer Geräte-Generation am Kantonsspital Aarau

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Drei Generationen von Herzschrittmachern

Drei Generationen von Herzschrittmachern

Gesundheit Aargau

Die Kardiologen des Kantonsspitals Aarau setzen auf eine neue Generation von Herzschrittmachern. Sie geben Impulse ans Herz bei Bedarf ab, sind sonden- und damit drahtlos, und so klein wie die Kapsel eines Medikaments. Die Mini-Geräte eignen sich besonders für Patienten mit Vorhofflimmern und langsamem Puls.

Seit Anfang Juni werden am KSA die kleinsten auf dem Markt erhältlichen Herzschrittmacher bei Vorhofflimmern und langsamen Puls eingesetzt. Sie sind sonden- und damit drahtlos und so gross wie eine Arzneikapsel. “Die neue Generation bringt den Patienten entscheidende Vorteile“ erklärt Dr. med. Martin Steiner, Leitender Arzt Kardiologie. „Der Patient spürt vom Herzschrittmacher nichts, kann sich ungestört bewegen und darf mit weniger Entzündungen als bei den bisherigen Modellen rechnen“. Herkömmliche Schrittmacher werden in einer Hauttasche unterhalb des Schlüsselbeines eingebettet und messen die Herztätigkeit mittels Elektrode, die über einen Draht zum Herzen führt. An beiden Stellen können sich Bakterien ansammeln und Entzündungen auftreten.

Die neuen Mini-Geräte kommen ohne Gehäuse und ohne Sonden aus, werden vom Kardiologen über eine Vene beim Oberschenkel eingeführt und direkt in der rechten Herzkammer verankert. Dazu haben sie am Kopf vier dünne Haken (siehe Bild), die sich im Gewebe festsetzen. „Ist der Herzschrittmacher einmal platziert, nimmt er seinen Dienst im Herzen auf. Dazu misst er selbständig die Herztätigkeit und sendet elektrische Impulse, wenn diese unter einen für den Patienten schädigenden Rhythmus fallen“, führt der Kardiologe aus. Komplikationen treten gemäss Anwendungsstudien sehr selten auf und stehen mit der Verankerung im Herzen im Zusammenhang. Dabei kann in seltenen Fällen eine Perforation, eine Verletzung am Herzbeutel, auftreten, informiert der Leitende Arzt.

Die erste Nachsorge findet nach 4 - 6 Wochen, die zweite nach 6 - 12 Monaten statt. Dabei wird die Kapsel von aussen mit einem Gerät kontrolliert. Insgesamt haben die Schrittmacher eine Lebensdauer von durchschnittlich 10 Jahren. Die Mini-Geräte gibt es bislang nur als Einkammer-Modell. Rund ein Fünftel aller Schrittmacherpatienten brauchen ein solches und können von diesem Fortschritt profitieren. Benötigt ein Patienten einen Mehrkammer-Schrittmacher, so muss auf herkömmliche Modelle zurückgegriffen werden. „Wir rechnen damit, dass schon bald weitere Geräte auf den Markt kommen. Die Miniaturisierung ist ein Trend, von dem die Patienten enorm profitieren“, ist Martin Steiner überzeugt.