Gesundheit
Gefährliches Mers-Virus: Die Kamelkrankheit breitet sich aus

Das Mers-Virus ist schon seit fast drei Jahren bekannt. Nun breitet es sich rasant in Südkorea aus und fordert täglich Todesopfer. Was müssen wir über die Krankheit wissen?

Irene Müller
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Frauen in Seoul tragen Atemschutzmasken, um sich vor einer Ansteckung mit dem Mers-Virus zu schützen

Frauen in Seoul tragen Atemschutzmasken, um sich vor einer Ansteckung mit dem Mers-Virus zu schützen

/AP/AHN YOUNG-JOON

1. Was ist Mers?

Das «Middle East Respiratory Syndrome», abgekürzt «Mers», bezeichnet eine Infektion der Atemwege. Wie auch der gefürchtete Sars-Erreger, welcher zwischen 2002 und 2003 weltweit über tausend Todesopfer gefordert hatte, gehört das Mers-Virus (MERS-CoV) zu der Familie der Coronaviren. Einige Mers-Betroffene bemerken nie etwas von ihrer Infektion. Die grosse Mehrheit allerdings leidet schon wenige Tage nach der Ansteckung unter grippeartigen Symptomen wie Fieber, Lungenentzündung, Durchfall oder Nierenversagen, welche bisher bei ca. einem Drittel der Fälle zum Tode geführt haben.

2. Woher kommt das Mers-Virus?

Zum ersten Mal wurde Mers bei einem Menschen in Saudi-Arabien im September 2012 nachgewiesen. Seither breitet sich die Krankheit langsam, aber kontinuierlich aus. Betroffen ist vor allem die Arabische Halbinsel, doch traten immer wieder vereinzelte Infektionsfälle in Ländern auf der ganzen Welt auf. In Deutschland gab es seit 2012 drei nachgewiesene Fälle.

3. Wie ist die aktuelle Lage?

Am 20. Mai wurde in Südkorea ein 68-jähriger Mann, der von einer Reise aus dem Nahen Osten zurückkam, positiv auf das Mers-Virus getestet. Seither kam es dort zu einer schnellen Ausbreitung der Infektionskrankheit. Bis gestern waren in Südkorea 122 Infizierte registriert – darunter zehn Todesopfer. Die Regierung versucht alles, um die Ausbreitung zu stoppen und stellt jegliche Leute, die mit den Kranken in Kontakt waren, unter Quarantäne. Insgesamt sind das bereits mehr als 3800 Personen. Der Leiter des Zentrums für Krankheitskontrolle und Prävention, Yang Byeong Kook, sagte vor einem Sonderausschuss des Parlaments, die Ausbreitung der Krankheit könnte am kommenden Wochenende ihren Höhepunkt erreichen. Zurzeit sind landesweit 2600 Schulen geschlossen.

4. Wie wird Mers übertragen und wie schützt man sich davor?

Als Überträger des Virus werden die Dromedare der Arabischen Halbinsel verdächtigt. Bei einer landesweiten Untersuchung in Saudi-Arabien von 2013 waren rund 74 Prozent aller Dromedare Träger des Mers-Virus. Die Ansteckung von Mensch zu Mensch erfolgt hauptsächlich über Tröpfcheninfektion. Vermutet wird eine zusätzliche Schmierinfektion, wie sie beispielsweise durch Händeschütteln entsteht. Zurzeit sollte man sich nur mit Vorsicht nach Südkorea, China und nach Nahost begeben. Das Bundesamt für Gesundheit Schweiz (BAG) allerdings sieht «des Weiteren von einer Reisewarnung ab».

5. Wie hoch ist die Gefahr, dass sich das Virus auch bei uns in der Schweiz ausbreitet?

Das Bundesamt für Gesundheit schätzt die Wahrscheinlichkeit eines Mers-Falls in der Schweiz als gering ein. Auch präventive Massnahmen seien «vorerst nicht nötig».