Medizin

E-Zigaretten sind schädlicher als bisher angenommen

Die verdampften Flüssigkeiten der E-Zigarette schädigen die Mundschleimhaut. Auch für die langhaltige Nikotinentwöhnung sind die Dampfer nicht geeignet.

Cornelia Dick-Pfaff
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Die Dämpfe der E-Zigaretten sind nicht so harmlos, wie sie aussehen.THINKSTOCK

Die Dämpfe der E-Zigaretten sind nicht so harmlos, wie sie aussehen.THINKSTOCK

Getty Images/iStockphoto

E-Zigaretten helfen nicht effektiv, sich das Rauchen abzugewöhnen. Zwar können sie kurzfristig dabei unterstützen, für rund einen Monat, doch langfristig fehlen Belege für die Wirksamkeit als Hilfsmittel zur Nikotinentwöhnung.

Dafür können die auch Dampfer genannten elektronischen Zigaretten deutlich bedenklichere Nebenwirkungen haben als gängige Methoden wie Nikotinpflaster oder -kaugummi, erklärten kanadische Forscher auf der internationalen Konferenz der American Thoracic Society in Denver und stützten sich dabei auf die Ergebnisse einer Metastudie.

Gefährliche Zusatzstoffe

Eine Studie, die deutsche Mediziner jetzt in Berlin vorstellten, weckt darüber hinaus deutliche Zweifel an der Harmlosigkeit von E-Zigaretten. Gemeinsam mit Kollegen aus München und Mainz hatten die Forscher von der Göttinger Uni-Klinik für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde mithilfe von Zellkulturen erstmals untersucht, welche Wirkung die in E-Zigaretten verdampften aromatisierten Flüssigkeiten, sogenannte Liquids, auf die Mundschleimhaut haben.

Dazu setzten sie gesunde Zellen aus Mund- und Rachenraum über fünf Tage hinweg für jeweils zwei Stunden Liquids unterschiedlicher Geschmacksrichtungen aus. «Für jedes getestete Liquid wurde eine eindeutige Minderung der Zellvitalität und eine Zunahme der DNA-Schädigungen gefunden», sagt Martin Canis von der Klinik für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde der Universität Göttingen. Dabei waren mit Fruchtaromen versetzte Flüssigkeiten noch bedenklicher als solche mit Tabakaromen.

Gerade Jugendliche greifen gerne zur scheinbar harmlosen E-Zigarette. Das Dampfen wird häufig als unbedenklichere Alternative zum Rauchen herkömmlicher Zigaretten dargestellt. Auch gelten die verwendeten Flüssigkeiten als ungefährlich.

Die Sache hat allerdings einen Haken. Zwar sind die enthaltenen Zusatzstoffe wie Propylenglycol und Glycerin für Lebensmittel zugelassen, aber in den E-Zigaretten werden sie nicht gegessen, sondern verdampft und inhaliert. «Die Unbedenklichkeit gilt nur für Nahrungsmittel, die zum Verzehr gedacht sind», wendet Martin Canis ein.

Die Inhalation der Dämpfe umfasse dies nicht. «Durch die Erhitzung können neue chemische Substanzen entstehen», sagt der Experte. «Ausserdem enthalten die Liquids neben den Trägersubstanzen häufig noch Aromen wie Schokolade, Frucht oder Kaffee, die den Geschmack verbessern sollen und ebenfalls eingeatmet werden.»

Auch zur Tabakentwöhnung hält Canis E-Zigaretten wenig geeignet. Schliesslich mache der Wirkstoff Nikotin in den E-Zigaretten genauso wie bei herkömmlichen Zigaretten süchtig. Er begrüsst die geplante Novellierung des Jugendschutzgesetzes, die den Verkauf von E-Zigaretten an Kinder und Jugendliche verbieten und damit auch deren Konsum verhindern will.