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Ratgeber

Experte: «Gesunde Bräune gibt es nicht»

Wer sich der Sonne aussetzt, sollte sich wappnen. Aber womit und wie am besten? Und kann man die Mittel bedenkenlos auftragen? Wir fragten Christian Surber, der sich seit vielen Jahren mit Sonnenschutz auseinandersetzt.
Interview: Hans Graber
Gutes Eincremen ist wichtig, nicht nur bei Kindern. Besser als ganz dick auftragen ist es, sich vor der Sonnenexposition zweimal «normal» einzucremen. (Bild: Getty)

Gutes Eincremen ist wichtig, nicht nur bei Kindern. Besser als ganz dick auftragen ist es, sich vor der Sonnenexposition zweimal «normal» einzucremen. (Bild: Getty)

Christian Surber, allen Hautkrebs-Warnungen zum Trotz: Gut gebräunt aus den Ferien heimzukehren, ist der Wunsch vieler. Gibt es «gesunde Bräune»?

Nein, die gibt es nicht. Gebräunte Haut ist geschädigte Haut! Leider ist gebräunte Haut in vielen Regionen seit den 1950er-Jahren ein Ausdruck von Lifestyle, sie symbolisiert «gute Gesundheit» und «Jugendlichkeit».

Wie kam es so weit?

Etwa Mitte der 1920er-Jahre wurde der Zusammenhang zwischen der UV-Strahlung des Sonnenlichtes und dem Sonnenbrand erkannt. Eugene Schueller von L’Oréal legte 1935 mit «Ambre Solaire» den Grundstein für den bis heute wachsenden Sonnenschutzmarkt. Nach den Entbehrungen des Zweiten Weltkriegs wurde gebräunte Haut zum Synonym für gesundes Leben und Lifestyle. Da Sonnenbaden aber oft von Sonnenbränden begleitet wurde, dominierte in der Werbung bald der Spruch «Braun werden ohne Sonnenbrand». Das ist heute in der Werbung nicht mehr so, aber in vielen Köpfen noch sehr präsent.

Und lässt sich nicht ändern?

Ich fürchte ja. Da übermässige Sonnenexposition die Haut auch schneller altern lässt, könnte vielleicht das ein Ansatz sein, den Sonnenkonsum zu vermindern. Denn alle fürchten runzelige Haut, besonders im Gesicht!

Wie funktionieren Sonnenschutzprodukte genau?

Sie werden in verschiedenen Formen ­angeboten – Lotionen, Cremen, Gelen, Lösungen usw., die teils auf die Haut gesprüht werden können. Grundsätzlich werden lösliche und/oder unlösliche Sonnenschutzfilter in diese Produkte eingearbeitet. Nach dem Auftragen verdunsten die flüchtigen Bestandteile – vor allem Wasser – und ein dünner, dickflüssiger Film mit den Filtern verbleibt auf der Haut.

Sonnenschutzprodukte können bis zu zehn verschiedene Filter enthalten, die bis zu 30 Prozent des Gewichtes des Produktes ausmachen.

Weshalb braucht es so viele verschiedene Filter?

Sonnenschutzprodukte sollten ein möglichst breites Spektrum des UV-Lichtes absorbieren. Mit wenigen Ausnahmen absorbieren die Filter das Licht aber nur innerhalb eines engen Bereichs. Aus diesem Grund werden verschiedene Filter kombiniert. Zudem wird mit höheren Mengen an einzelnen Filtern mehr UV-Strahlung absorbiert.

Was hat es mit chemischen und physikalischen Filtern auf sich?

Prof. Dr. phil. nat. Christian Surber ist ­Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Gastprofessor an den Dermatologischen Universitätskliniken Basel und Zürich.

Prof. Dr. phil. nat. Christian Surber ist ­Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Gastprofessor an den Dermatologischen Universitätskliniken Basel und Zürich.

Mitte der 1990er-Jahre kamen erste Produkte mit Zinkoxid und später mit Titandioxid auf den Markt. Um bei der Bewerbung dieser Produkte die Vorteile von Zinkoxid/Titandioxid zu unterstreichen, wurde die Unterteilung in physikalische und chemische Filter vorgenommen, weil beim Konsumenten «physikalisch» eher positiv und «chemisch» eher negativ belegt ist. Sowohl Zinkoxid wie auch Titandioxid sind aber das Resultat eines chemischen Prozesses.

Was wirkt am besten – Lotionen, Cremen oder Sprays?

Die Kennzahlen auf Packungen sind genormt, insofern sind Produkte mit gleichen Kennzahlen gleichwertig. Trotzdem gibt es einiges zu beachten. Lotionen sind eher dünnflüssig und lassen sich auf grossen Hautpartien besser verteilen. Cremen sind etwas dickflüssiger und eher für kleinere Hautpartien geeignet – etwa das Gesicht.

Sonnenschutzprodukte, die aufgesprüht werden können, sind zurzeit sehr populär. Persönlich finde ich sie aber ungeeignet.

Weshalb?

Erstens geht ein beachtlicher Teil beim Aufsprühen an die Umwelt verloren, zweitens enthalten Sprays häufig einen hohen Anteil an flüchtigen Formbestandteilen. Wenn die Applikation nicht sofort noch mit der Hand verteilt wird, bleibt die Wirkung oft lokal begrenzt.

Das Auftragen ist offenbar eine Herausforderung. Was raten Sie?

Das Produkt sollte sich vor allem leicht auf der Haut verteilen lassen. Sehr häufig gehen ganze Hautpartien vergessen, und um den Rücken einzucremen, braucht es die Hilfe einer Zweitperson. Die «Sonnenterrassen» des Körpers – Schultern, Nase, Lippen, Ohren etc. – sollten besonders sorgfältig eingecremt werden.

Und was heisst «sorgfältig»?

Wenn in Labors gemessen wird, was die Produkte leisten, werden gemäss den geltenden Richtlinien zwei Milligramm pro Quadratzentimeter verwendet. Für einen erwachsenen und etwas dicklichen Mann können das insgesamt gut und gerne 30 Gramm sein! Im Alltag tragen wir aber weit weniger auf, oft weniger als die Hälfte. Dadurch ist die Schutzleistung weit geringer als angegeben.

Also möglichst dick auftragen?

Nicht möglichst dick, dafür doppelt. Bei den meisten Sonnenschutzprodukten wäre die Applikation von 2 mg/cm2 kosmetisch ungünstig, denn das Einziehen dauert zu lange, und die Haut fühlt sich klebrig an. Um trotzdem den vollen Leistungsumfang zu erhalten, empfehle ich, sich in den 30 Minuten vor der Sonnenexposition zweimal einzucremen, mit einer kleinen Pause dazwischen. Einerseits wird so die nötige Menge aufgetragen, andererseits wird die eine oder andere Stelle, die man vielleicht vorher vergessen hatte, doch noch eingecremt.

Zu den Leistungsparametern gehö­ren Sonnen- oder Lichtschutzfaktor (SPF/LSF), UV-Schutz und Wasserresistenz. Ist alles gleich wichtig?

Der Sonnenschutzfaktor wird mit einer Zahl angegeben, etwa SPF 30. Der Schutz schliesst vor allem den UV-B Bereich ein und verhindert den Sonnenbrand. Produkte mit ausreichendem UV-A Schutz werden durch ein Logo (schwarzer Kreis) gekennzeichnet. UV-A Schutz vermindert Hautalterungsprozesse. Als «wasserresistent» gelten Produkte, die nach genormtem Wasserkontakt (Sprudelbad) noch 50 Prozent des deklarierten Schutzfaktors haben. Hier rate ich aber zur Vorsicht. Im Alltag wird nach dem Baden und nach dem Schwitzen die Haut meist mit einem Tuch abgerieben. Die Schutzleistung wird so drastisch vermindert.

Es gilt daher immer, sich nach Wasserkontakt, Schwitzen und Abtrocknen erneut einzucremen.

Was bedeutet der Lichtschutzfaktor jetzt genau – je höher, desto besser?

Im Prinzip ja. Der LSF oder SPF bezieht sich auf den möglichen Schaden, den das Sonnenlicht in der Haut anrichten kann. Bei einem Produkt mit SPF 15 dringen knapp 7 % des Sonnenlichtes in die Haut ein, bei SPF 30 knapp 3,5 % und bei SPF50+ noch rund 1,7 %. Die Menge an schädlicher Strahlung halbiert sich von SPF 15 auf SPF 30 und nochmals von SPF 30 auf SPF 50+. Jeder Schritt kommt der Verdopplung des Schutzes gleich.

Kann man mit Produkten mit ­hohem SPF länger an die Sonne?

Nein, Sonnenschutzprodukte sind dazu da, die Gesamtbelastung der Strahlung zu reduzieren, und nicht, um den Aufenthalt am Strand zu verlängern.

Schützen die Mittel vor Hautkrebs?

Ja, aber der Schutz vor Hautkrebs umfasst mehrere Massnahmen: Die Zeit im Freien mit der grössten Strahlenintensität meiden (11 bis 15 Uhr), das Aufsuchen von Schatten und das Tragen von schützender Kleidung sind weitere und überdies effizientere Massnahmen.

Sonnencreme alleine schützt nicht vor Hautkrebs, aber die Summe aller Massnahmen senkt das Risiko.

Und was ist mit dem Eigenschutz, von dem man auch häufig liest.

Bei Menschen mit sehr heller Haut können sich bereits nach kurzer ungeschützter Sonnenexposition (5 bis 10 Min.) leichte Rötungen einstellen. Bei dunkleren Hauttypen verlängert sich diese Zeit. Sie wird als Eigenschutzzeit bezeichnet. Gelegentlich wird empfohlen, mit Eigenschutzzeit und dem Sonnenschutzfaktor die persönliche Schutzzeit zu berechnen. Von solchen Rechnungen rate ich grundsätzlich ab. Das Bestimmen des Hauttyps durch den Laien ist oft fehlerhaft.

Behindern Sonnenmittel die Bildung von Vitamin D in der Haut?

Rein theoretisch ja, aber in der Praxis ist diese Befürchtung völlig unbegründet. Sonnenschutzmittel – auch solche mit SPF 50+ – blockieren den Strahleneintritt in die Haut nicht komplett.

Die weit ­verbreitete Vitamin-D-Defizite in der Bevölkerung sind nicht auf Sonnenschutzprodukte zurückzuführen, sondern aufs Alter.

Mit steigendem Alter nimmt die Vitamin-D-Produktion in der Haut ab. Das lässt sich kostengünstig durch Supplementierung (Tropfen, Tabletten) beheben.

Nanopartikel in Sonnenschutzmitteln stehen immer wieder mal in den Schlagzeilen. Was steckt dahinter?

Nanopartikel sind Teilchen, deren grösste Abmessung kleiner als 100 Nanometer ist. Zinkoxid und Titandioxid werden als Nanopartikel in Sonnenschutzprodukten eingesetzt und reflektieren das Sonnenlicht. Der Vorteil der Nanopartikel besteht darin, dass sie fast unsichtbar sind und sich das Produkt gut auf der Haut transparent auftragen lässt. Das ist kosmetisch sehr attraktiv. Es wird aber befürchtet, dass die Partikel durch die Haut in den Körper eindringen und diesen schädigen. Obwohl das Durchdringen nie nachgewiesen wurde, bleiben die Forscher in dieser Frage zurückhaltend.

Aus meiner Sicht sind Sonnenschutzprodukte mit Nanopartikeln aber sicher.

Wie kommen Sie zu diesem Schluss?

Ein Blick auf die Grössenverhältnisse in der Haut zeigt, dass das Eindringen der Nanopartikel in die Haut kaum vorstellbar ist. Und nachdem das Sonnenschutzprodukt mit den Nanopartikeln auf die Haut aufgetragen wurde, verdunsten alle flüchtigen Bestandteile des Gemischs, meist weit mehr als 50 Prozent. Zurück bleibt ein dickflüssiger Film auf der Haut, aus dem die Nanopartikel gar nicht freigesetzt werden können.

Kann man seine Haut auf Ferien vorbereiten durch «vorbräunen»?

Nein! Das Vorbereiten der Haut im Solarium sollte unter allen Umständen vermieden werden.

Solarien erhöhen die Gesamtstrahlenbelastung der Haut und treiben auch die Hautalterung aktiv voran.

Von der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln ist ebenfalls abzuraten. Obwohl eine geringe Schutzwirkung nachgewiesen wurde, erfordert das eine mehrmonatige Einnahme dieser Präparate. Die Einnahmetreue ist aber bei den meisten Menschen gering, und die Wirkung ohnehin nur bescheiden.

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