Handwerk
Gesund, gut duftend und besonders schön anzuschauen: Wieso Möbel aus Arvenholz gerade der letzte Schrei sind

Kaum einen Baum verbindet man so sehr mit den Bergen wie die Arve, auch Städter begehren Designermöbel aus dem wohlriechenden Holz. Wer keinen Platz für einen ganzen Schrank hat, greift zum Duftspray.

Silvia Schaub
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Bäumig einmal anders: Christbaum von In Lain Cadonau, bei www.inlain.swiss , 770 Franken.

Bäumig einmal anders: Christbaum von In Lain Cadonau, bei www.inlain.swiss , 770 Franken.

Bilder: zvg

«Dieses Holz mit seinem starken Charakter und den vielen Ästen braucht Platz», sagt Ramon Zangger aus Samedan. Der Möbelschreiner hat die Arve schon vor vielen Jahren für sich entdeckt. Auch, weil sie ihm als «Papierli-Zürcher» geholfen habe, sich in seiner damals neuen Oberengadiner Heimat zu verwurzeln.

Mit Platz meint er, dass ein Arvenmöbel als Solitär Raum brauche und nicht in lauter ähnlichen Arvenmöbeln untergehen dürfe. Auch wenn sie wie in seinem Fall ganz ohne alpenländische Schnörkel auskommen. Seine schlichten Schränke verstecken ihre Schönheit manchmal auch im Innern: das Schrankmodell Schatulla, das auch im Archiv des Schweizerischen Landesmuseums steht, mit typischen Engadiner Rosetten, das Modell Recham mit gelaserten Bündner Kreuzstichmustern.

Handwerkskunst: Schrank schatulla, bei www.ramonzangger.ch , Preis auf Anfrage.

Handwerkskunst: Schrank schatulla, bei www.ramonzangger.ch , Preis auf Anfrage.

Bilder: zvg

Zanggers Möbel kommen an, und zwar vor allem bei den Unterländern, die sich ein Stück Berg-Sehnsucht in ihre Wohnung stellen wollen. «Die Arve ist ein guter Repräsentant der Alpenwelt, kann aber auch sehr modern interpretiert werden.» So etwa verarbeitet Zangger nicht perfekte Holzabschnitte zu Kommoden namens Vanzet (Romanisch: Resten), deren Oberflächen er mit farbiger Alufolie veredelt.

Die «Königin der Alpen», wie die Arve genannt wird, hat den Weg ins Unterland gefunden, aber längst nicht nur in Form von Betten, Kom­moden oder Schränken. Immer öfter taucht sie als Seife oder ätherisches Öl fürs Badezimmer, in Spänen für die Kissenfüllung oder als Duftspray für die Wohnung auf.

Ein Herz für Alpenholz: Wasserflasche mit Arvenkugel, www.schlafshop.ch , 59 Franken.

Ein Herz für Alpenholz: Wasserflasche mit Arvenkugel, www.schlafshop.ch , 59 Franken.

Bilder: zvg

Brotboxen oder Karaffendeckel für Wasserflaschen werden aus dem wohlriechenden Holz gefertigt.

Stylish: Die Brotdose aus Arvenholz macht auch optisch einiges her. www.purealps.ch , 219 Franken.

Stylish: Die Brotdose aus Arvenholz macht auch optisch einiges her. www.purealps.ch , 219 Franken.

zvg

Nur verständlich, dass wer schon einmal im Engadin oder Wallis durch Arvenwälder gewandert ist und deren Duft eingeatmet oder vielleicht bei Andreas Martin im Gasthaus Krone in La Punt ein Arve-Menü ge­nossen hat, ein Stück dieser Exklusi­vität auch in seiner Stadtwohnung haben möchte.

Das Kieferngewächs Pinus cembra mit den pinselartigen fünfnadligen Trieben ist ein rares Holz, das in einer Höhe von 1300 bis 2500 Metern über Meer wächst. Zwischen 200 und 400, manchmal sogar 1000 Jahre alt können Arven werden. Schnee, Blitzeinschlägen oder Stürmen ausgesetzt, bekommen sie ihren besonderen Charakter. Oft sind sie richtiggehend zerzaust. «Trotzdem ist es ein absolut tolles Holz, ja ein wahrer Handschmeichler», schwärmt Zangger.

Sorgt für einen guten Schlaf und reduziert die Herzfrequenz

Weshalb das Holz zum Trendsetter geworden ist, hat nicht zuletzt damit zu tun, dass es als sehr gesund gilt: Die Arve (im Alpenraum auch als Zirbe bekannt) soll nämlich laut einer Studie des Joanneum Research in Graz für einen besonders guten Schlaf sorgen und die Herzfrequenz reduzieren. Wer den beruhigenden Arvenduft über Nacht einatmet, spart sich rund eine Stunde Herzarbeit. Der Hauptwirkstoff ist die in Holz, Rinde, Nadeln und Knospen enthaltene Substanz Pinosylvin.

Gut gelegen: Arven-Bett Ela, Schreinerei Schuler-Rozzi. www.schuler-rozzi.ch , 3280 Franken.

Gut gelegen: Arven-Bett Ela, Schreinerei Schuler-Rozzi. www.schuler-rozzi.ch , 3280 Franken.

Bilder: zvg

«Das wirkt auch antibakteriell und schützt vor Motten», betont Barbara Schuler-Rozzi. Sie führt mit ihrem Mann Hans in Bergün eine Schreinerei und arbeitet oft mit Arvenholz. Ihre Möbel liefert sie bis in die Niederlande und sogar nach China. Die Nachfrage habe deutlich zugenommen. Da kommt schnell die Frage auf, ob dabei nicht bald das Aussterben der Bäume zu erwarten sei. Barbara Schuler kann beruhigen:

Es wird nur so viel Arvenholz aus dem Wald genommen, wie wieder nachwächst.

Eher zufällig ist der Bieler Ivo Schläpfer auf das Arvenholz gestossen. Er entdeckte das alpine Holz im Rahmen der Teilnahme an einem Wettbewerb des Vereins Mobiglias, der die Bündner Handwerkskultur fördert. Er entschied sich für dieses Holz, «weil es unglaublich schön ist sowohl von der Haptik wie vom Geruch her», schwärmt der Jungdesigner. Es sei aber auch eine Herausforderung, weil das Holz eher weich sei und viele Äste habe. «Gerade das macht es aber auch so spannend und gibt ihm eine eigene Ästhetik.» Sein elegantes Sideboard Fas­set­ta, das Ramon Zangger produziert hat, gewann den zweiten Preis des Wettbewerbs.

Allroundtalent: Sideboard Fasetta von Ivo Schläpfer. www.ivoschlaepfer.com , Preis auf Anfrage.

Allroundtalent: Sideboard Fasetta von Ivo Schläpfer. www.ivoschlaepfer.com , Preis auf Anfrage.

Bilder: zvg

Nun hofft Schläpfer, dass sein Sideboard in die serielle Produktion gehen und bald in mancher Wohnung im Unterland stehen wird.