Geologie/Biologie
Der Dino-Killer hinterliess einen Fingerabdruck

«Case closed» - eine chemische Analyse erwies, dass der Staub des explodierten Asteroiden in den Schichten überall auf der Erde identisch ist mit dem im Chicxulub-Krater im Golf von Mexico.

Christoph Bopp
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Der Einschlag des Asteroiden war lediglich der Auslöser des Massenaussterbens. Der Jahrzehnte dauernde Winter zerstörte die Nahrungsgrundlage der Saurier und liess sie aussterben.

Der Einschlag des Asteroiden war lediglich der Auslöser des Massenaussterbens. Der Jahrzehnte dauernde Winter zerstörte die Nahrungsgrundlage der Saurier und liess sie aussterben.

Willgard Krause/ Pixabay

Vor 66 Millionen Jahren schlug ein Asteroid mit einem Durchmesser von gut 10 Kilometern im Golf von Mexiko ein. Er tötete etwa 75 Prozent allen Lebens auf der Erde, insbesondere rottete er die bis anhin dominierenden Dinosaurier aus. Von ihnen überlebten nur die Flugsaurier, die Vorfahren unserer Vögel.

Der Einschlag löste weit herum Brände und Tsunamis aus und schleuderte geschätzte 325 Milliarden Tonnen schwefelhaltigen Gesteinsstaubs in die Atmosphäre. Er verdunkelte die Sonne und führte in fünf Jahren zu einem ganzjährigen globalen Winter mit einem entsprechenden Temperatursturz. Man schätzt die damals frei gesetzte Energie auf rund 10 Milliarden Hiroshima-Bomben. Zum Vergleich: 1883 brach der Vulkan Krakatau auf Sumatra aus, der in fünf Jahren zu einer globalen Temperatursenkung von rund 1,2 Grad Celsius führte. Im Vergleich zum Chicxulub-Ereignis wird der Krakatau-Ausbruch als 10 000 Mal kleiner eingeschätzt.

Das International Ocean Discovery Program hatte das Ziel, Gesteinsproben aus den Teilen des Kraters zu bergen, die unter der Meeresoberfläche liegen. Eine chemische Analyse erwies, dass die Zusammensetzung identisch war mit den Iridiumhaltigen Schichten, die man weltweit findet.

Das International Ocean Discovery Program hatte das Ziel, Gesteinsproben aus den Teilen des Kraters zu bergen, die unter der Meeresoberfläche liegen. Eine chemische Analyse erwies, dass die Zusammensetzung identisch war mit den Iridiumhaltigen Schichten, die man weltweit findet.

The University of Texas at Austin/Jackson School of Geosciences/ Google Maps

«Der Kreis ist jetzt geschlossen,» sagt Steven Goderis von der Vrije Universiteit in Brüssel. Er ist Co-Leiter des International Ocean Discovery Program, das die Spuren des Asteroiden-Einschlags im Meer untersucht. Die chemische Zusammensetzung des Materials, das sich in den Schichten überall auf der Erde und dem im Krater findet, ist identisch. Der stellvertretende Forschungsleiter Dean Gulick von der Jackson School of Geosciences an der University of Texas, der zusammen mit Joanna Morgan vom Imperial College London, Co-Leiter der Expedition von 2016 war, bekräftigte das. «Geologisch ist diese Identität nicht erklärbar, ohne dass man eine Verursachung annehmen muss. Es gibt keine Zweifel mehr, dass die weltweite Iridium-Anomalie mit dem Chicxulub-Ereignis zusammenhängt.»

Charakteristisch für einen Einschlag eines ausserirdischen Himmelskörpers ist das Element Iridium, das sich auf der Erde eher selten, in Meteoriten und Asteroiden aber gehäufter findet. Iridiumreiche Schichten überall hatten in den 1980er Jahren den Verdacht genährt, dass ein Katastrophen-Ereignis zum Aussterben der Saurier geführt hätte. In den 1990er-Jahren wurde dann der Krater im Golf von Mexiko «gefunden». Der rund 180-Kilometer grosse Kessel wurde inzwischen eindeutig als Folge eines Einschlags identifiziert.

Sean Gulick, Professor an der Austin Jackson School of Geosciences der University of Texas (rechts), und Joanna Morgan, Professor am Imperial College London, untersuchen Bohrproben aus dem Chicxulub-Krater anlässlich der Forschungsmission von 2016 des International Ocean Discovery Program.

Sean Gulick, Professor an der Austin Jackson School of Geosciences der University of Texas (rechts), und Joanna Morgan, Professor am Imperial College London, untersuchen Bohrproben aus dem Chicxulub-Krater anlässlich der Forschungsmission von 2016 des International Ocean Discovery Program.

The University of Texas at Austin/ Jackson School of Geosciences

Ursache für das Massenaussterben war nicht der Einschlag direkt, sondern die Veränderungen in der Atmosphäre, die er auslöste. Sie dauerten mehrere Jahrzehnte an, bis sich die Verhältnisse wieder verbesserten und das Sonnenlicht wieder durchkam. In dieser Zeit waren die meisten grösseren Tiere verhungert. Lokal erholte sich das Leben erstaunlich rasch wieder. Innerhalb weniger Jahrzehnte nach der Katastrophe gab es im Golf von Mexiko wieder eine Meeresfauna.

Im 19. Jahrhundert hatten die Leute Mühe, an die langen Zeitreihen zu glauben. Millionen von Jahre sollte das gedauert haben? Zweifel solcher Art waren auch ein Haupteinwand gegen Darwins Evolutionstheorie. Sie behauptete, dass sich das Leben langsam, aber stetig verändert und entwickelt hatte. Millionen von Jahren waren schwer vorstellbar. Nicht zuletzt die Entdeckung des Chicxulub-Einschlags hatte aber die Katastrophe wieder in die Geologie und Biologie zurückgeführt.