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Genussmittel Kaffee ist in Gefahr

Weltweit gibt es 124 Arten von Wildkaffee. 60 Prozent davon sind gefährdet. Zwar decken mit Arabica und Robusta gerade mal zwei Gattungen fast den gesamten Weltbedarf ab. Es braucht aber auch die übrigen Arten.
Roland Knauer
Hier ein Eindruck der Kaffeebaumschule Yayu im Südwesten Äthiopiens. Im Hintergrund wächst Wildkaffee. (Bild: Emily Garthwaite)

Hier ein Eindruck der Kaffeebaumschule Yayu im Südwesten Äthiopiens. Im Hintergrund wächst Wildkaffee. (Bild: Emily Garthwaite)

An seine morgendliche Tasse Kaffee denkt wohl kaum jemand, wenn Wissenschafter den Verlust der biologischen Vielfalt beklagen. Der Botaniker Aaron Davis und seine Kollegen von den Kew Royal Botanical Gardens in der englischen Grafschaft Sussex aber sehen in der Zeitschrift ­«Science Advances» durchaus Zusammenhänge: Weltweit liefern die beiden Arten Arabica und Robusta nahezu die gesamte Ernte der begehrten Bohnen für das Genussmittel. Sollte der Klimawandel aber den Kaffeeanbau durch häufigere Dürreperioden in Schwierigkeiten bringen oder neu auftretende Schädlinge oder Pflanzenkrankheiten die Ernten massiv dezimieren, könnten Züchter das Problem damit lösen, widerstandsfähige Wildkaffeearten einzukreuzen.

Darunter gibt es mit weltweit 124 Arten reichlich Auswahl. Nur fänden sich leider 60 Prozent dieser Arten als gefährdet oder vom Aussterben bedroht auf den roten Listen der Weltnaturschutzunion IUCN, so berichten es die englischen Forscher.

Schon 1868 vernichtet ein Pilz Kaffeeplantagen

Wie wichtig der Wildkaffee werden könnte, zeigt das Jahr 1868. Damals erreichte die Pilzkrankheit Kaffeerost die Insel Ceylon und vernichtete dort die Kaffeeplantagen.

«Deshalb wurde in Ceylon der Kaffeeanbau aufgegeben, und stattdessen wurden Teeplantagen angelegt»

Das erklärt Manfred Denich vom Zentrum für Entwicklungsforschung der Universität Bonn, der in Äthiopien die Wildformen des Arabica-Kaffees unter die Lupe genommen hat.

Bis 1890 war der Kaffeeanbau in Ceylon praktisch zusammengebrochen. Die damaligen britischen Kolonialherren zogen fortan Tee vor. Inzwischen hat der Kaffeerost die wichtigen Plantagen in Lateinamerika erreicht und dort in den letzten Jahren erhebliche Schäden angerichtet.

Zwar lässt sich die Pilzinfektion mit Fungiziden oder Kupferpräparaten bekämpfen, nur sind solche Mittel für viele der rund 100 Millionen Kaffeeanbauer auf der Welt viel zu teuer.

Besser wäre es daher, wilde Arabica-Varietäten oder eine andere Wildkaffeeart einzukreuzen, die von Natur aus gegen den Pilz resistent ist.

In ähnlichen Fällen bei Weizen oder Mais suchen Züchter solche resistenten Pflanzen in Genbanken, in denen Körner sehr vieler verschiedener Sorten und Standorte sowie der wilden Vorfahren kühl und trocken viele Jahre lang sehr sicher aufbewahrt werden. Manfred Denich:

«Bei Kaffee und Wildkaffee funktioniert das leider nicht, weil die Kaffeebeeren sehr rasch ihre Keimfähigkeit verlieren».

Genbanken für Kaffee bestehen daher nicht aus kühl gelagerten Samen, sondern aus Kaffeesträuchern, die im Freien angepflanzt werden und bei denen man verhindern muss, dass andere Varietäten auf anderen Parzellen ihre Nachbarn bestäuben. Solche Feldgenbanken sind natürlich viel aufwendiger und teurer. Gerade die oft nicht eben reichen tropischen Länder stossen dabei leicht an finanzielle Grenzen.

Bevölkerungswachstum und Wildkaffeeschutz

Zwar gibt es mittlerweile auch die Möglichkeit, Kaffeesamen durch Gefriertrocknen haltbar zu machen. «Das ist bisher aber nur bei den Hauptsorten untersucht, ein Ausdehnen auf die restlichen Wildkaffeearten ist nicht in Sicht», meint Manfred Denich. Tatsächlich finden Aaron Davis und seine Kollegen daher in den Genbanken der Welt mit 68 Arten nur karge 55 Prozent der insgesamt 124 Wildkaffeearten vor.

Besser wäre es, die Gebiete zu schützen, in denen die Wildkaffeearten und die vielen Varietäten von den wichtigen Arten Arabica und Robusta noch ungeplant wachsen. Genau das aber fällt schwer, weil die meisten Arten ausgerechnet dort gedeihen, wo die Bevölkerung zunimmt, berichten die englischen Forscher um Aaron Davis.

Auf Madagaskar wachsen mit 59 Arten fast die Hälfte der weltweit bekannten Kaffeearten, 43 davon sind gefährdet oder ­sogar vom Aussterben bedroht.

Die wichtigste Gefahr wiederum ist das Roden der Wälder, in denen die Wildkaffeearten wachsen, um Platz für Viehweiden, Äcker und Siedlungen für die schnell wachsende Bevölkerung zu gewinnen. Und auch das Sammeln von Feuerholz läuft dem Schutz der Wildkaffeearten entgegen.

Wilder Kaffee beim Trocknen auf einer Farm in Äthiopien. (Bild: Per-Anders Petterson/Getty)

Wilder Kaffee beim Trocknen auf einer Farm in Äthiopien. (Bild: Per-Anders Petterson/Getty)

Um die Artenvielfalt der Kaffeepflanzen zu erhalten, schlagen die Forscher um Aaron Davis daher Schutzgebiete vor. Wie das funktionieren kann, zeigt das Beispiel Äthiopien. Dort wachsen in Höhen zwischen 1000 und 2100 Metern über dem Meer mit den Wildformen des Arabica-Kaffees die Ahnen des wichtigsten Kaffees unserer Zeit, der vor allem mit seinem intensiven Aroma punktet.

Äthiopien macht es vor

Inzwischen gibt es in Äthiopien drei Biosphärenreservate, in denen der Wildkaffee und seine Varianten geschützt sind. Eines dieser Schutzgebiete hat Manfred Denich initiiert. «In einem Teil dieses Gebiets bauen die Menschen Arabica-Kaffee an, den sie dann gut verkaufen können», teilt der Bonner Forscher zufrieden mit. Die Menschen verdienten sich so ihren Lebensunterhalt, und der Wildkaffee sei trotzdem geschützt.

Vielleicht könnte das ja auch ein Erfolgsmodell für den Schutz anderer Kaffeeanbauregionen von Westafrika bis nach Australien sein, in denen noch die wilden Verwandten der Nutzpflanzen wachsen, von deren Ertrag jeden Tag auf der Welt schätzungsweise zwei Milliarden Tassen Kaffee getrunken werden.

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