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Auch Schweizer Wein kann Heimat sein

Schweizer Winzer keltern zunehmend Top-Weine, doch aufgrund alter Sünden ist das zu wenig bekannt. Deshalb öffnen die Weinbauern wieder ihre Kellertüren und laden zur Degustation ein.
Hugo Berchtold
Einheimische Weine müssen den Vergleich mit importierten Tropfen nicht mehr scheuen. (Bild: Getty)

Einheimische Weine müssen den Vergleich mit importierten Tropfen nicht mehr scheuen. (Bild: Getty)

Wenn ich Bekannten im Ausland Schweizer Wein als Geschenk mitbringe, sind diese meist doppelt überrascht: Erstens wissen die meisten gar nicht, dass in der Schweiz Weine gekeltert werden, und zweitens sind sie dann über Qualität und Einzigartigkeit der Tropfen erstaunt.

Dass das Weinland Schweiz im Ausland selbst für Weinliebhaber ein weisser Fleck ist, ist kaum verwunderlich. Obwohl die Schweiz Weltmeister im Export von qualitativ hochstehenden Produkten ist, trifft das beim Wein nicht zu: Pro Jahr werden bloss zwischen 0,5 bis 1,5 Prozent unserer Weinproduktion exportiert. Man findet Schweizer Weine im Ausland nur sehr vereinzelt in spezialisierten Weinläden oder auf einschlägigen Websites.

Lange Zeit ging Quantität vor Qualität

Das hat zahlreiche Gründe. Lange Zeit wurde im abgeschotteten Schweizer Weinmarkt mehr Quantität als Qualität produziert, der Bund hat mehr Geld in die Eliminierung von mediokren Überschüssen investiert als in die Promotion von qualitativ guten Weinen. Dazu machte der übliche Kantönligeist einen gemeinsamen Auftritt im Ausland fast unmöglich.

Auch wenn die Mengen für ­einen Grossexport fehlen: Für Experten ist die Konzentration auf den Inlandmarkt und die fehlende Bekanntheit und Anerkennung im Ausland auf die Dauer ein Risiko. Denn Schweizer Weine sind einer wachsenden Flut ausländischer Importe ausgesetzt. 2017 wurden rund 123 Millionen Liter Rot- und 40 Millionen Liter Weisswein importiert, allgemeine Tendenz steigend.

Gleichzeitig nimmt der Weinkonsum in der Schweiz kontinuierlich ab: Noch 249 Millionen ­Liter Wein haben Herr und Frau Schweizer letztes Jahr getrunken (pro Kopf rund 31 Liter), rund vier Millionen weniger als im Jahr zuvor. Und aus den genannten Zahlen geht auch hervor, dass nur gut ein Drittel der in der Schweiz ­verkauften Weine aus einheimischen Rebbergen stammen.

Zwar sind die Zeiten endgültig vorbei, in denen man wie in den 1980er-Jahren in den Schweizer Weinbergen hemmungslos produzierte und die Weinschwemme nach der Rekordernte von 1982 sogar in Swimmingpools zwischenlagern musste. Rigorose Importbeschränkungen hatten damals eine geschützte Oase geschaffen, einheimische Weinproduktion war deshalb lange rentabel, Qualität hin oder her. Bis dann eben mit der Quantität definitiv übertrieben wurde.

Mehrere Gründe für eine Wende zum Guten

Zur Wende hin zur Qualität haben zahlreiche Faktoren beigetragen. Der Rebbaubeschluss von 1993, der den Produzenten Mengenbeschränkungen auferlegte, stellte einen ersten Wendepunkt dar. Als im Jahr 2001 nach langem Kampf die Kontingentierung der Importe de facto aufgehoben wurde, mussten die Winzer ­reagieren. Positive Folge: Die Qualität der Weine stieg. Das Aufkommen junger, innovativer Winzer, Verbesserungen in der Kellertechnik und ein ökologisches Arbeiten in den Weinbergen haben das Ihre zur Verbesserung der Qualität beigesteuert. Und die Erwärmung des Klimas macht sogar die Ausreifung spät reifender Sorten wie etwa Cabernet Sauvignon möglich.

Was beim Essen gilt, wird beim Wein negiert

Mittlerweile wird in allen 26 Kantonen Weinbau betrieben. Die insgesamt 14748 Hektaren Rebberge verteilen sich auf 10993 in der Westschweiz, 2634 in der Deutschschweiz und 1121 im Tessin. Auch wenn der allgemeine Trend hin zu lokalen Qualitätsprodukten dem Schweizer Wein entgegenkommen sollte und eine langsam steigende Anzahl von Weintrinkern gemäss einer Studie zum Schweizer Weinmarkt 2017 die Vielfalt und Authentizität der Schweizer Weine an sich anerkennt, schlägt sich das noch nicht im Konsumverhalten nieder: 46 Prozent der Weintrinker erklärten, weiterhin hauptsächlich ausländische Weine zu bevorzugen, während nur gerade 35 Prozent eher inländische Tropfen wählen.

Aufschlussreich kann diesbezüglich auch ein Blick in die Weinkarte vieler Restaurants sein. Während man sich auf der Speisekarte gerne mit dem Attribut «regional» schmückt, überwiegen beim Wein importierte Flaschen meist deutlich, obwohl erstaunlicherweise 48 Prozent der Befragten erklärten, im Restaurant lieber «lokal» zu trinken. Die Margen bei den ausländischen Tropfen dürften für die Wirte um einiges besser sein.

Der Preis bleibt eine Hürde

Ein (Vor)urteil hält sich hartnäckig: Schweizer Weine seien zu teuer im Vergleich zu den Tropfen aus dem Ausland. Dabei muss relativiert werden: Kleine Parzellen und oft steile Lagen ­setzen einer Mechanisierung im Weinberg enge Grenzen, der hohe Anteil an Handarbeit plus hohe Löhne und eine möglichst ökologische Bewirtschaftung lassen eine konkurrenzfähige Billigweinproduktion nicht zu.

Auf dem Markt lässt sich immerhin eine Gleichung beobachten: Je höher die Qualität, desto konkurrenzfähiger sind unsere Weine mit vergleichbaren aus­ländischen Gewächsen, die oft wesentlich kostengünstiger produziert werden können.

Ausserdem bieten Schweizer Weine aufgrund der zahlreichen einheimischen Sorten, die nur hierzulande angebaut werden, eine Vielfalt, die man auch in weit grösseren Anbauregionen ver­gebens sucht. Weine aus Petite Arvine, Amigne, Cornalin oder Heida im Wallis oder Räuschling und Completer in der Deutschschweiz heben sich ab vom internationalen Mainstream und finden immer mehr Anhänger.

Sorten: Viele kleine und vier grosse

Insgesamt werden in der Schweiz über 200 verschiedene Traubensorten angepflanzt, davon aber nur 17 auf mehr als 100 Hektaren. Die vier Hauptsorten Blauburgunder, Chasselas, Gamay und Merlot machen dabei 70 Prozent aus. Die roten Sorten nehmen dabei laufend zu, letztes Jahr betrug ihr Anteil 57 Prozent.

Die kommenden Tage der ­offenen Weinkeller bieten die ­Gelegenheit, sich selber von den Fortschritten des Schweizer Weins zu überzeugen.

Auch wenn die Ernte 2017 aufgrund der Fröste im Frühjahr mit 79 Millionen Liter so tief wie seit 1978 nicht mehr ausgefallen ist, konnte die Qualität dank eines schönen Herbsts weitgehend gerettet werden. Bei den Roten kommen wohl einige aus dem Spitzenjahr 2015 zum Ausschank, und auch das etwas herausfordernde Weinjahr 2016 brachte zahlreiche positive Überraschungen hervor.

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