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Generation Z: «Du darfst dich als Frau nicht von einem Mann abhängig machen»

Die Generation Z wird erwachsen. Die beiden St. Gallerinnen Laura und Helen sind in diesem Jahr 18 Jahre alt geworden. Im Interview erzählen sie von ihrer Schwesternbeziehung, von Instagram, und wie sie sich ihre Zukunft vorstellen.
Martin Oswald
Ein starkes Team: Die beiden Zwillinge Laura und Helen Bühlmann aus St. Gallen. (Bild: Urs Bucher)

Ein starkes Team: Die beiden Zwillinge Laura und Helen Bühlmann aus St. Gallen. (Bild: Urs Bucher)

Ihr seid Anfang Jahr 18 geworden. Habt Ihr schon abgestimmt?

Beide: Ja. Schon zweimal!

Helen: Wir haben über den Olma-Deckel abgestimmt, die AHV...

Laura: ...und dann war da noch die Vollgeld-Initiative. Da ich meine Lehre bei einer Bank mache, war das natürlich ein Thema.

Woher kommt Euer Interesse an Politik?

Helen: Unsere Eltern meinten, Abstimmen ist wichtig. Es ist ein Privileg, das nicht alle haben. Und es dauert ja auch nicht lange. Wir diskutieren die Vorlagen zu Hause, und dann ist es rasch ausgefüllt.

Laura: Es geht ja auch um unsere Zukunft.

Wart Ihr euch bei den Vorlagen am Familientisch rasch einig?

Laura: Also wir beide schon, aber Mama und Papa stimmten anders ab. Mama stimmt SP und Papa ist eher in der Mitte.

Helen: Papa hat sogar einen Zettel an den Kühlschrank geheftet, wie wir abstimmen sollen. (lacht)

Laura: Aber wir haben uns nicht daran gehalten.

Und wo steht Ihr politisch?

Helen: Sicher nicht SP, aber auch nicht SVP. Ist irgendwie beides zu extrem. Die SVP ist zu wenig gemeinschaftlich, und wir sind doch in einer sehr sozialen Familie aufgewachsen. Aber die SP hat oft zu extreme Vorschläge. Wir sind wohl irgendwo in der Mitte.

Steckbrief: Helen (18)

Helen Bühlmann (Bild: Urs Bucher)

Helen Bühlmann (Bild: Urs Bucher)

Geburtszeit: 4:16
Kleidermarke: Zalando ;-)
Essen: Asiatisch
Trinken: Cola
Farbe: Schwarz
Beziehungsstatus: Single
Sport: Volleyball
Musikinstrument: Cello
Ausgang: Kugl
TV-Serie: Die Telefonistinnen
WM-Favorit: Schweiz
Beruf: KV-Lehre
Traumberuf: Keine Ahnung

Steckbrief: Laura (18)

Laura Bühlmann (Bild: Urs Bucher)

Laura Bühlmann (Bild: Urs Bucher)

Geburtszeit: 4:08
Kleidermarke: Zara
Essen: Senfbraten von Grosi
Trinken: Blöterliwasser
Farbe: Schwarz & weiss
Beziehungsstatus: Single
Sport: Badminton
Musikinstrument: Saxofon
Ausgang: Kugl
TV-Serie: Die Telefonistinnen
WM-Favorit: Brasilien
Beruf: KV auf der Bank
Traumberuf: Keine Ahnung

Das Thema #MeToo gab im letzten Jahr viel zu reden. Beschäftigt euch die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau?

Laura: #MeToo? Nein, das war kein grosses Thema bei uns und unseren Freunden. Wir haben eher Witze drüber gemacht. Wenn ein Typ einen blöden Spruch machte, bekam er einfach «MeToo» als Antwort.

Helen: Aber es gibt immer noch viele Bereiche, in denen keine Gleichberechtigung herrscht. Zum Beispiel im Ausgang: Da kommen Frauen gratis in die Clubs und Männer müssen bezahlen. Oder im Job, da verdienen Männer immer noch tendenziell mehr als Frauen und sind oft in führenden Positionen. Ich habe jetzt eine Frau als Chefin, die ist super. Ich wüsste nicht, was ein Mann in dieser Position besser machen könnte.

Wie wollt Ihr diesem Thema später im Berufsleben begegnen?

Laura: Mama hat uns immer gesagt, dass wir uns wehren sollen. Sie hat auch immer Wert darauf gelegt, dass wir beim Schreiben stets auch die weibliche Form verwenden.

Wenn ihr beide die Welt von heute betrachtet: Was muss sich ändern?

Laura: Mir fallen immer wieder diese Bilder von den Flüchtlingsströmen auf, die nach Europa kommen. Die Medien sind voll davon. Ich mache mir da schon Gedanken, aber ich persönlich kann doch nichts ändern.

Helen: Also klar, man könnte vor Ort Hilfe leisten, aber das ist eher unrealistisch. Wir haben Schule, unsere Arbeit, und in den Ferien machst du lieber was anderes. Aber es ist krass, wenn man dieses Elend sieht.

Wenn man eure Generation in den Sozialen Medien sieht, scheinen auch bewusstes Essen, Bio und Veganismus ein grosses Thema zu sein.

Laura: Definitiv! Wenn ich einen eigenen Haushalt hätte, würde ich auch stark darauf achten, wo die Nahrungsmittel herkommen. Zum Beispiel Früchte, Gemüse und Fleisch sollen aus der Region kommen. Aber das geht halt nicht immer. Und vegan Essen ist nicht so unser Ding.

Helen: Also heute Abend, Laura, haben wir es auch ausprobiert, vegan zu Essen. Aber wir sind da nicht besonders strikt. Ich weiss, dass man Tiere umbringt. Erst kürzlich haben wir einen Film über die teils schlechten Bedingungen der Tierhaltung gesehen. Dann denkst du: nie wieder Fleisch. Aber das ist rasch wieder vergessen. Ich hab Fleisch einfach gern.

Laura: Aber es gibt in unserem Umfeld einige Kolleginnen, für die alles rund ums Essen ein grosses Thema ist. Gerade jetzt im Sommer, wegen der Figur. Sie essen dann nur noch Salat.

«Ich finde, wenn du Hunger hast, dann iss einfach. Halt einfach vernünftig.»

Inwiefern werden Trends von Instagram beeinflusst?

Beide gleichzeitig: Extrem!

Laura: Avocado ist zum Beispiel gerade super in. Wenn du ein schönes Avocado-Brötli postest, das geht richtig ab.

Wieviel Zeit verbringt ihr jeden Tag am Handy?

Helen: So etwa zwei Stunden am Tag. Also aktiv. Musikhören zählt nicht. Ich schaue mir auf Instagram ein paar Videos an und dann «like» ich die Bilder der Freunde durch...

Laura: ...also bis ans Ende der Timeline.

Helen: Und dann schaue ich mir meine Lieblingsserien an, bei Netflix, gleich auf dem Handy - der Bildschirm ist ja schön gross.

Und wie viel Zeit geht fürs Chatten mit Freunden drauf?

Laura: Wenig. Da gehen wir lieber in die Stadt mit den Leuten eins trinken.

Helen: Oder wir reden auch viel zu Hause miteinander.

«Also wir können im Fall auch gut ohne Handy auskommen.»

Laura: Jeweils im Frühling gehen wir mit den Eltern für eine Woche auf eine abgelegene Alp. Da gibt es keinen Handyempfang. Das geht gut...

Helen: ...dafür gehen wir dann jeweils am Abend auf den Berg hoch, wo es Empfang gibt. Da machen wir dann ein Feuer und sind ein wenig online. In diesen Ferien wird uns jeweils bewusst, wie stark das Handy Teil unseres Alltags ist und fast in jeder Situation gebraucht wird.

Ihr scheint euch ausgezeichnet zu verstehen. Ihr unternehmt viel zusammen, seid meist einer Meinung. War das schon immer so?

Helen: In der 5. Klasse hatten wir mal so eine Phase, da haben wir uns regelmässig gestritten. Aber heute nehmen wir alles ein bisschen lockerer.

Laura: Wir haben auch beide unsere eigenen Kolleginnen. Sie kennt alle von mir, ich kenne alle von ihr. Und wir gehen auch mal getrennt in den Ausgang.

Helen: Aber wir sind halt schon sehr ähnlich. Die Leute verwechseln uns häufig. Neulich haben wir sogar beide gleichzeitig den gleichen Song angestimmt.

Ihr seid beide noch Single. Keine Zeit für Beziehungen?

Beide: Nein!

Laura: Es stresst mich eher. Da schreibt einer. Dann musst du wieder zurückschreiben. Ich hasse das.

«Diese Erwartungen. Das engt mich ein.»

Aber das geht mir nicht nur mit den Jungs so, sondern auch bei Kolleginnen.

Helen: Du verlierst irgendwie deine Freiheit. Das nervt. Und ich habe ja meine Kolleginnen, meine Familie, meine Zwillingsschwester. Mit ihnen kann ich über alles reden.

Laura: Ich habe schon ein paar hübsche Jungs im Ausgang gesehen. Aber ich verliere das Interesse jeweils rasch wieder.

Und wie stellt Ihr euch eure Zukunft vor? Ihr habt im Steckbrief beide keinen Traumjob angegeben.

Helen: Zuerst möchte ich nach der Lehre noch viele Weiterbildungen machen. Im Kaufmännischen sind die Berufsaussichten eher bescheiden. Und dann will ich unbedingt reisen und andere Kulturen kennenlernen. Einen Wunschjob habe ich nicht.

Laura: Ich kann jetzt nicht schon sagen, was ich in 20 Jahren machen will. Unsere Eltern haben zwar immer gesagt: Arbeiten und Schule sind wichtig. Aber auch alles drumherum - Kontakte, Sport, Musik - sollen nicht zu kurz kommen.

Helen: Es gibt ausserhalb des Jobs ja schliesslich auch ein Leben.

Und möchtet Ihr irgendwann eine Familie gründen?

Laura: Ich möchte, auch wenn ich irgendwann Kinder habe, weiter arbeiten, vielleicht 20 bis 40 Prozent. Aber immer so, dass ich eigenständig bin und mich nicht von einem Mann abhängig mache.

«Ich will mir einfach sicher sein, dass ich ohne Mann jederzeit wieder ins Berufsleben einsteigen könnte.»

Helen: Das ist heute mega wichtig. Du darfst nicht von einem Mann abhängig sein. Weil man sieht ja, wie viele Beziehungen auseinandergehen. Und dann musst du als Frau selber schauen.

Was macht denn in Euren Augen eine moderne Familie aus?

Laura: Flexibilität, und zwar von beiden Seiten. Frau und Mann können arbeiten, Kinder können aber auch mal in die Krippe oder zu den Grosseltern... oder zur Schwester. (beide lachen)

Helen: Auch im Haushalt sollen beide helfen. Auch der Mann kann mal kochen oder waschen. Es ist ja nicht so, dass er nicht auch mal alleine gelebt hat. Der kann das auch.

Noch wohnt Ihr beide zu Hause.

Helen: Ja, aber wir haben einen Plan. In einem Jahr, wenn ich einen richtigen Job habe und mehr verdiene, dann suchen wir zwei uns eine Wohnung in der Stadt. Zusammen. Jetzt mit dem Lehrlingslohn ist das noch nicht möglich.

Laura: Wir suchen eine Dreizimmer-Wohnung in der Stadt. So haben beide ein eigenes Zimmer und ein gemeinsames.

Zusammen wohnen, das war für Euch immer klar?

Helen: Wir wissen einfach, dass das funktioniert. Wir waren schon öfters für mehrere Tage allein zu Hause. Wir ticken halt genau gleich. Ich hätte vermutlich mehr Probleme, wenn ich mit einer Kollegin zusammen ziehe und dann Konflikte auftauchen.

Laura: Also ich habe schon das Gefühl, dass da auch auf uns beide noch ein paar Dinge zukommen. Wenn es auch nur um so Banales geht wie den Müll raus zu bringen.

Helen: Es ist ja nicht so, dass wir nicht auch ohne einander könnten.

Aber zusammen können sie definitiv besser.

(Bild: Urs Bucher)

(Bild: Urs Bucher)

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