Ganz schön kühl hier! Unsere Reisen-Redaktoren verraten ihre liebsten Schweizer Badeorte

Ganz schön kühl hier! Unsere Reisen-Redaktoren verraten ihre liebsten Schweizer Badeorte

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In überfüllte Frei- und Strandbäder gehen? Das muss nicht sein. Erfrischung gibt es auch woanders. Sechs Tipps, um in besonders schöne Schweizer Wasserlandschaften einzutauchen.

Reisenredaktion CH Media
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Kiental (BE): Im tosenden Hexenkessel

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Der Weg hat einen besonderen Soundtrack. In das Rauschen des Bergbaches mischt sich alle paar Stunden ein Dreiklang: Von Kiental zur Griesalp führt die steilste Postautostrecke Europas. Superlative in allen Ehren, doch der Wildwasserweg hoch zur Alp ist zu Fuss noch eindrücklicher.

Die Wanderung lässt sich – Postauto sei Dank – an verschiedenen Ausgangspunkten beginnen. Um den eindrücklichen Wandel der Flusslandschaft gut mitzubekommen, eignet sich der Start bei Kiental Ramslaunen (Marschzeit zur Griesalp: zweieinhalb Stunden). Sanft schmiegt sich ein meist schattiges Weglein entlang eines Bergbachs. Das Wasser leckt an grossen Felsblöcken und zerrt unermüdlich an verkeiltem Schwemmholz.

Etwas perplex schweift nach dem ersten Anstieg der Blick über den Tschingelsee. Inmitten eines Talkessels bahnt sich der Fluss in zig Armen und in aller Ruhe seinen Weg durch die Ebene, als ob er sich erholen müsste von seiner wilden Herkunft. Denn wer weiter in die Griesschlucht aufsteigt, passiert den Pochtenfall, wo das Wasser aus dem Felsen schiesst, und den «Hexenkessel», in dem das Wasser zu brodeln scheint. Im kühlen Spektakel verliert sich der Blick – und das Horn des Postautos überhört man.

Annika Bangerter

Brunnen (SZ): Mit dem Kanu zum Hostel

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Die Schweizer Flüsse werden ungeübten Kanufahrern und Kajakerinnen schnell gefährlich. Still und sanft hingegen ist das Wasser des Vierwaldstättersees – meistens. Auf zu einer Reise mit Oberarmmuskelkraft! Voraussetzung ist gutes Wetter und etwas Kenntnis im Kanufahren, da man im Slalomkurs auf dem See schnell zu mehr Strecke kommt als den neun Kilometern bis zum Übernachtungsort.

Ein Kanu leihen wir uns bei Adventurepoint am Seeufer in Brunnen. Von da fahren wir dem Ufer entlang nach Gersau. Unterwegs kann man picknicken, wo es beliebt. Das Hostel Rotschuo liegt zwei Kilometer nach Gersau direkt am Wasser. Es bietet Zimmer (DZ mit Frühstück 100 Franken) für Selbstkocher. Am nächsten Tag überqueren wir den See.

Am frühen Morgen herrscht wenig Verkehr, und man erreicht Beckenried gefahrlos. Dort kaufen wir Gipfeli und Kaffee. Die Fahrt danach dem südlichen Seeufer entlang Richtung Brunnen ist wunderschön und einsam. Mit dem letzten Saft in den Oberarmen fahren wir ein paar hundert Meter hinab in den Urnersee bis zum Schillerstein. Der Urnersee an sich ist erfahrenen Kanufahrern vorbehalten, weil oft ein stürmischer Wind weht.

Sabine Kuster

Amden (SG): Quelle, Fälle und ein See

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Die Seerenbachfälle sind eine Naturereignis für alle Sinne. Die Luft ist von der Gischt erfüllt, die Wangen werden feucht, während der Blick nach oben auf die senkrecht fallenden Wassermassen oder nach unten auf die weiss schäumenden Rinquellen geht. Ja, Wasser hat es bei den Seerenbachfällen am Walensee mehr als genug.

Die mittlere der drei Kaskaden zählt mit einer Höhe von 305 Metern zu den höchsten frei fallenden Wasserfällen der Welt. Alle drei Stufen zusammen messen knapp 600 Meter. Kein Wunder, werden die Seerenbachfälle bei Amden vermehrt von internationalen Touristen anvisiert und fotografiert. Was auch daran liegt, dass die Wanderung von Weesen aus immer dem Walensee entlang, vorbei an der malerischen Kapelle Betlis, ohne Anstrengung in einer Stunde zu schaffen ist.

Auf dem vier Kilometer langen, teils asphaltierten Weg laden zwei sehr schöne Restaurants (Paradisli und Lago Mio) sowie ein paar Bade- und einige Picknickplätze am Walensee zu längeren Pausen ein. Wer nicht denselben Weg zurück nach Weesen nehmen mag, der nimmt das Schiff. Vom Schiffsteg Betlis fährt im Sommer das Kursschiff nach Weesen retour.

Katja Fischer De Santi

Grindelwald (BE): Erfrischung mit bester Aussicht

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Der Bachalpsee – die Grindelwalder sprechen einfach vom Bachsee – ist eines der beliebteren Sommerausflugsziele im Jungfraugebiet. Zu Recht. In einer Moorlandschaft auf 2300 Metern über Meer gelegen, liegt das Seelein.

Mit Kindern ist er in einem Fussmarsch in zwei Stunden ab Bergstation Grindelwald-First gut zu erreichen, notfalls sogar mit einem geländetauglichen Kinderwagen. Je nach Perspektive spiegeln sich sogar ein paar der imposanten 4000er im glatten See. Von hier hat man beste Aussicht auf das Schreckhorn und auf den höchsten Berner, das Finsteraarhorn.

Es sei jedoch gewarnt, das Wasser ist eiskalt. Ein Fussbad sollte man sich trotzdem nicht entgehen lassen, baden sieht man eher die Hartgesottenen. Der Bachsee liegt am Fuss des Faulhorns. In weniger als einer Stunde hat man das Berghotel auf dem 2700 Meter hohen Gipfel für eine Stärkung oder die Übernachtung erreicht.

Bachsee und Faulhorn liegen direkt am Wanderklassiker schlechthin, dem Weg von Grindelwald-First zur Schynigen Platte. Erkundungswert ist auch der Abstieg vom Bachsee Richtung Berghütte Waldspitz, auf dem Weg Richtung Mittelstation der Gondelbahn Grindelwald-First.

Daniel Fuchs

Grellingen (BL): Im Schatten der Baumkronen

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Schwitzt die Schweiz, hechelt die Region Basel. Doch ein wundervoll kühler Ort liegt um die Ecke: das Baselbieter Chaltbrunnental nahe Grellingen. Zwischen steilen Hängen und Felsen plätschert der Ibach durch das verwunschene Seitental der Birs. Die grünen Fächer der Farne säumen die Steinschwellen des Flussbetts. Ein Moosteppich umhüllt manchmal die Natur und lässt sie flauschig-pelzig aussehen.

Wer hier über die Brücken des idyllischen Naturschutzreservats wandert, befindet sich fast immer im schützenden Schatten hoher Baumkronen. Entlang des Weges laden zahlreiche Feuerstellen zum Verweilen ein. Startpunkt für die etwa zweistündige Wanderung nach Meltingen ist der Bahnhof Grellingen. Von dort ist man rasch beim Taleingang «Chessiloch» mit seinen bemalten Felsen.

Während des Ersten Weltkriegs vertrieben sich Soldaten die Langeweile, indem sie Wappen und Figuren auf die Brocken pinselten. Noch mehr Geschichtliches ist im Chaltbrunnental selbst zu entdecken. In dessen Höhlen wohnten zu prähistorischen Zeiten Menschen und fanden Schutz vor Tieren, Gewittern und vielleicht auch einmal vor der Hitze.

Annika Bangerter

Muotathal (SZ): In der Höhle bei sechs Grad

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Hinabsteigen in die faszinierende Unterwelt und entdecken, was während nahezu einer Million Jahren entstanden ist: Der Besuch des Höllochs im Muotatal, Kanton Schwyz, ist nicht nur ein Schlechtwetterprogramm, sondern auch an heissen Tagen zu empfehlen. Zwischen den Felsgebilden und Tropfsteinen des Höllochs wird man garantiert nicht von einer Hitzewelle überrollt.

Sowohl im Winter als auch im Sommer liegt die Temperatur bei konstanten 6 Grad Celsius. Mit über 200 Kilometern erforschter Länge ist das Hölloch eines der grössten Höhlensysteme Europas. Die Kurzführung, bei der die ersten 700 Meter besichtigt werden, dauert zwei Stunden (Erwachsene 35, Kinder 15 Franken). Ein Guide begleitet die Besucherinnen und Besucher und erzählt die Geschichte der Entdeckung des Höllochs.

Die Tour ist für Familien mit Kindern ab sechs Jahren geeignet. Vorausgesetzt wird Trittsicherheit, weshalb gutes Schuhwerk nötig ist. Aufgrund der niedrigen Temperaturen gehören warme Kleider ebenfalls zur Ausrüstung. Buchbar ist auch eine Höhlenführung, die dreieinhalb Stunden dauert. In jedem Fall ist eine Reservation erforderlich.

Lea Langenegger

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